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Saturday, September 26, 2026

«Hunde können posttraumatische Belastungsstörungen entwickeln»

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  • Redog-Rettungshundeführer Gian Forster erklärt im Interview anlässlich des Films «Heart of the Beast» mit Brad Pitt, wie echte Rettungshunde ausgebildet werden.
  • Forster war mit seinen Hunden unter anderem beim Bergsturz in Bondo und im Erdbebengebiet der Südosttürkei 2023 im Einsatz.
  • Laut Forster können Hunde durch traumatische Erlebnisse emotionale Verhaltensänderungen und Angstzustände entwickeln.

Herzinfarkt, Flugzeugabsturz, Überlebenskampf in der Wildnis Alaskas – zum Glück hat Brad Pitt im Actionfilm «Heart of the Beast» bei all dem seinen Hund Odin dabei. Gemeinsam müssen sie einen Weg zurück in die Zivilisation finden. Die beiden Kriegsveteranen sind traumatisiert und verunstaltet von zahlreichen Militäreinsätzen für die US Army. Der Deutsche Schäferhund Odin hat Titan-Fangzähne, eine Beinprothese und Albträume, die ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf schrecken lassen. In der Natur Alaskas wollten Herrchen und Hund eigentlich zur Ruhe finden, doch nun kämpfen sie erneut ums Überleben.

Hundeteams der Rettungsorganisation Redog sind ausgebildet und stehen jederzeit bereit, um verschüttete Personen nach Naturkatastrophen oder Vermisste wie Brad Pitt und Odin zu suchen. Der Ostschweizer Gian Forster ist bei Redog verantwortlich für den Bereich Verschüttetensuche. Oft ist die Hundenase die letzte Hoffnung, eine Person noch lebend zu orten. Für 20 Minuten erklärt er, wie Mensch und Tier sich für solche Einsätze wappnen.

Gian Forster, der Schäferhund im Film trägt Schutzbrille und Splitterschutzweste – brauchen Hunde im echten Leben solche Gadgets?
Forster: Ein Stück davon ist sicher Hollywood-Spektakel. Wir benutzen im Rettungshundebereich auch Hilfsmittel wie Abseilgeschirre für Hunde. Ich habe schon Hilfs- oder Schutzausrüstung wie Brillen für Hunde im Einsatz gesehen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es in Kriegsgebieten Sinn macht, dem Hund eine Splitterschutzweste anzuziehen.

Das macht die Rettungsorganisation Redog

Redog ist eine Rettungsorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes und der Partner der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) im Bereich «Search» der Rettungskette Schweiz bei Einsätzen des Bundes im Ausland. Bei Naturkatastrophen, Explosionen oder bei einem Hauseinsturz arbeitet Redog in der Schweiz wie auch im Ausland mit Blaulichtorganisationen, kantonalen Behörden, Krisenstäben und Partnerorganisationen zusammen. Werden Menschen in der Schweiz vermisst, wird Redog von der Polizei alarmiert. Es sind oft ältere Menschen, Ausflüglerinnen, Pilzsammler. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie befinden sich unter Umständen in einer lebensbedrohlichen Situation, bei der keine Zeit zu verlieren ist. Die Vermisstensuche in der Schweiz ist für Angehörige dank Spenden ohne Kostenfolge.

Wieso haben Sie begonnen Ihren Hund für Such- und Rettungseinsätze nach Naturkatastrophen auszubilden?
Ich habe während der Rekrutenschule die Ausbildung zum Rettungshundeführer absolviert mit meiner eigenen Hündin Yuma, einem Australian Shepherd. Dadurch ist Yuma zu einem begeisterten Arbeitshund geworden, der auch vor und nach den WKs ausgelastet werden muss. Darum wurde ich anschliessend an die Rekrutenschule Mitglied bei Redog, wo ich meine Hündin weiter ausbilden und mit ihr auch in den Einsatz gehen konnte.

Und in den Einsätzen haben alle Hundeführerinnen und Hundeführer ihre eigenen Hunde dabei?
Ja, unsere Such- und Rettungshunde sind Familienhunde und begleiten Frauchen und Herrchen durch den normalen Alltag. Im Team arbeiten wir im Rotationssystem: Ein Hund sucht einen definierten Schadensbereich ab, während sich die anderen Mensch-Hunde-Teams im Warteraum für die Ablösung bereithalten. Dadurch können sich die Hunde betreut entspannen und immer wieder ausruhen.

Welches Bild eines Hundes im Einsatz findest du am stärksten?

Brad Pitt hat im Film eine äusserst enge Bindung zu Odin. Der Militärhund ist sein bester Freund, im Grunde sein wichtigster Bezugspunkt. Nun haben Hunde jedoch nur einen Bruchteil der Lebenserwartung von uns Menschen. Inwiefern machen Sie nach Yuma weiter?
Sie wurde leider nur neun Jahre alt, aber ich bilde nun meine Nachfolgehündin Bonnie aus. Die Bindung, die im Film gezeigt wird, kann ich nachempfinden, sie ist realistisch und eine Voraussetzung für erfolgreiche Einsätze. Ich bin ebenfalls täglich mit meiner Hündin Bonnie unterwegs, und durch den Alltag und die Zusammenarbeit in den Trainings sind wir eng zusammengewachsen.

Die Hundeführerinnen und Hundeführer bei Redog trainieren bis zu 15 Stunden pro Woche für die Rettungshundearbeit. Da ist die normale Erziehung und das Gassigehen noch nicht miteingerechnet.

Die Hundeführerinnen und Hundeführer bei Redog trainieren bis zu 15 Stunden pro Woche für die Rettungshundearbeit. Da ist die normale Erziehung und das Gassigehen noch nicht miteingerechnet.Privat

Und dann ist es durch die Bindung möglich, dass Ihr Hund Sie wie Odin aus dem reissenden Fluss zieht und rettet?
Es gibt ausgebildete Wasserrettungshunde, aber ob es realistisch ist, dass sie eine Rettung selbstständig durchführen? Ich würde es zumindest nicht ausschliessen, bei einer besonders tiefen Verbindung zwischen Tier und Mensch. Hunde sind sehr feinfühlig. Sie merken, wenn es dir schlecht geht, und sind für dich da.

Der Trailer zu «Heart of the Beast». Der Film läuft ab dem 24. September in den Schweizer Kinos.

Im Film schreckt Odin mitten in der Nacht auf und bellt, als wäre er wieder im Krieg. Können Hunde posttraumatische Belastungsstörungen entwickeln?
Dafür bin ich kein Spezialist, aber ja, es gibt definitiv traumatische Erlebnisse, die bei Hunden zu emotionalen Verhaltensänderungen und Angstzuständen führen können. Hunde verarbeiten Erlebtes unter anderem im Schlaf und träumen. Meine Hündin rennt und bellt etwa im Schlaf, was sie manchmal aufwachen lässt. Für die Traumabewältigung wie bei Odin bräuchte es die Hilfe von Expertinnen und Experten und sicher viel Zeit und Verständnis für den vierbeinigen Partner.

Ein Roman aus der Perspektive eines Militärhundes

Das neue Buch «Etna» von Paul Yoon beschäftigt sich mit ähnlichen Themen wie der Film «Heart of the Beast», erzählt die Geschichte jedoch aus der Perspektive des Militärhundes Etna.

Nachdem er Jahre eines verheerenden Krieges überlebt hat, beschliesst Etna eines Nachts, die Männer zu verlassen, an deren Seite er jahrelang gekämpft hat, und nach Hause zurückzukehren. Er wurde bereits als Jungtier weggebracht, trotzdem bleibt ihm nun die schwache Hoffnung, dass es dort vielleicht ein Zuhause für ihn gibt. So beginnt eine mitreissende Odyssee. Auf seinem Weg begegnet er anderen Tieren und Menschen, die versuchen, herauszufinden, wie sie neu anfangen können. Was macht ein Leben aus, wenn es kein Zuhause gibt, in das man zurückkehren kann? Wie können wir nach einem so tiefgreifenden Verlust wieder anfangen, einander zu vertrauen?

Dario Aeberli

Dario Aeberli (dae), Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».

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