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Thursday, October 15, 2026

Zufallsfund im Labor: Berührung lässt gebleichte Korallen vollständig genesen

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Zufallsfund im LaborBerührung lässt gebleichte Korallen vollständig genesen

15.10.2026, 09:55 Uhr

Korallen (1)
In Laborversuchen haben Forscher gezeigt, dass sich Korallen durch kurzen Kontakt mit gesunden Korallen innerhalb von sieben Wochen vollständig von der Bleiche erholen können. (Foto: Danny Collins/dpa)

Eine umgekippte Schale im Labor führt zu einer überraschenden Entdeckung: Berühren sich gesunde und ausgebleichte Korallenfragmente derselben Kolonie, erholen sich die kranken Stücke binnen sieben Wochen. Für die weltweit bedrohten Riffe hat der Fund aber einen Haken.

Bei Kontakt zu gesunden Korallenstücken können sich genetisch identische ausgebleichte Teile anscheinend erholen. Das fand ein Forschungsteam um Daniel Collins von der Stanford Doerr School of Sustainability heraus. Bei direktem Kontakt entwickelten sich die weiß gewordenen Korallenstücke binnen sieben Wochen zu einem farbigen, gesünderen Zustand hin - nach Angaben des Forschungsteams ist dies die schnellste Erholung bei der untersuchten Art, die bislang dokumentiert wurde.

Im Zuge des Klimawandels sind Korallenriffe weltweit unter Druck oder bereits in sehr schlechtem Zustand. Als Korallenbleiche bezeichnet man eine Stressreaktion von Steinkorallen, bei der sie ihre Algen verlieren, mit denen sie in einer Gemeinschaft zu gegenseitigem Vorteil leben, und dadurch ihre typische Färbung einbüßen. Im nun durchscheinenden Gewebe wird das weiße Kalkskelett der Korallenpolypen sichtbar.

Haupttreiber weltweiter Massenbleichen ist Experten zufolge der vom Menschen verursachte Klimawandel. Eine gebleichte Koralle ist zunächst noch nicht tot, befindet sich aber in einem extrem geschwächten Zustand. Wenn die Temperaturen rechtzeitig wieder absinken, können die Korallen neue Mitbewohner aufnehmen und sich regenerieren.

Gibt es ein Zurück für bleiche Korallen?

"Auch wenn gebleichte Korallen vielleicht im Sterben liegen, sind sie noch nicht tot", erklärte Collins. "Die Frage, die wir beantworten wollten, lautet: Was können wir tun, wenn eine Koralle einmal gebleicht ist?"

Korallen
Innerhalb weniger Tage wandern lebensspendende Algen von gesunden zu gebleichten Korallen und bringen so den Erholungsprozess in Gang. (Foto: Danny Collins/dpa)

Den Experimenten für die aktuelle Studie ging ein Zufallsfund voraus: Der Meereswissenschaftler Steve Palumbi, Seniorautor der Studie, beobachtete in seinem Labor zwei Korallenfragmente - eines gesund, eines ausgebleicht - aus der gleichen Kolonie, die in einem Becken umgekippt waren und sich daraufhin berührten. An der Kontaktstelle verfärbte sich seinen Schilderungen nach das gebleichte Korallenfragment wieder in den gesünderen Farbzustand, was auf eine Rückkehr der Algen hindeutete.

Collins führt aus: "Schädliche Bakterien gelangen durch physischen Kontakt in die Korallen. Wir waren neugierig, was passieren würde, wenn wir diesen Kontakt nutzen würden, um etwas Gutes wieder einzuführen - nämlich die nützlichen Algen aus gesunden Korallen."

Kontakt nützt den kranken Korallen

Das Team entnahm einer Koralle Fragmente und bildete daraus zehn Paare, die jeweils aus einem gesunden und einem bleichen Fragment bestanden. Die Hälfte davon wurde so nah aneinander arrangiert, dass sie sich berührten, die andere Hälfte so, dass wenige Millimeter Abstand blieben.

Die ausgebleichten Elemente mit direktem Kontakt zu gesunden Fragmenten erholten sich binnen sieben Wochen vollständig. Jene ohne solchen Kontakt starben hingegen ab. Unter einem Mikroskop erkannten die Forscher, dass sich feine Kanäle im Korallengewebe als Transportweg zwischen den Korallenfragmenten bildeten.

"Genetisch identische Korallen erkennen sich gegenseitig, wenn sie miteinander in Kontakt kommen", erklärte Palumbi. "Ihre Gewebe verschmelzen, wenn sie vom selben Klon stammen. Bei Menschen beobachten wir etwas Ähnliches: Organtransplantationen sind oft erfolgreich, wenn der Spender der eineiige Zwilling des Empfängers ist."

Selbstständige Erholung nach einer Woche Kontakt

Die Forscher untersuchten auch verschiedene Kontaktdauern und wie diese sich auf den Erholungsprozess auswirkten. Nach einer Woche Kontakt - teilweise auch schon nach fünf Tagen - hatten die Korallen offenbar genügend Algen eingeführt, um sich selbstständig vollständig erholen zu können.

Für Korallenbleichen in den Meeren versprechen die Ergebnisse aus Stanford keine Lösung: Da es eine gesunde, genetisch identische Kopie von jeder ausgebleichten Koralle bräuchte, sei der Ansatz keiner, der sich im großen Stil anwenden lasse, heißt es in der Studie.

Noch viel weitere Forschung nötig

Das Team will daher nun daran forschen, wie sich Algen möglicherweise auch in ausgebleichte Korallen einführen lassen, ohne dass kontinuierlicher Kontakt zu einem genetisch identischen Fragment nötig ist.

Ein Bericht zum "Zustand der Korallenriffe der Welt: 2025" des Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) zog Ende August eine düstere Bilanz: Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2009 ist die weltweite Bedeckung mit Hartkorallen demnach um rund 9,5 Prozent gesunken.

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