Mehr Ausbildungsplätze – Das wird gegen den Ärztemangel unternommen

Gefühlt seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, wird in den Medien, in der Politik und im Gesundheitswesen vor einem Mangel an Ärztinnen und Ärzten gewarnt. Im Frühsommer dieses Jahres haben die Schweizer Universitäten in einem Bericht ein neues Förderprogramm für mehr Studienplätze in der Medizin und mehr Weiterbildungsplätze in Spitälern gefordert. SRF-Bundeshausredaktorin Christine Wanner erläutert die Hintergründe.
Christine Wanner
Bundeshausredaktorin
Christine Wanner ist seit 2022 Bundeshausredaktorin. Zuvor hat sie als Inlandredaktorin für Radio SRF gearbeitet. Sie hat an der Universität Bern Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte sowie Medienwissenschaften studiert. Wanner hat sich insbesondere mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Risiken und Gefahren beschäftigt – beispielsweise in der Atomfrage und beim Umgang mit Naturkatastrophen.
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Warum ändern die Förderprogramme nichts am Ärztemangel?
Die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte konnte in den letzten Jahren schon deutlich gesteigert werden, aber sie reicht nicht aus. Ein Grund dafür ist, dass die Bevölkerung wächst und älter wird. Das heisst, es gibt mehr Patientinnen und Patienten. Zugleich erreichen viele Ärztinnen und Ärzte das Pensionsalter. Beides verschärft den Mangel. Zudem dauern Ausbildungen immer eine gewisse Zeit. Wir sehen das auch in anderen Bereichen wie etwa in der Pflege. Wer in Fachleute investiert, investiert in die Zukunft. Neben der Zeit ist auch das Geld ein limitierender Faktor – bei Bund, Kantonen und in Spitälern.
Warum hat die Schweiz eigentlich zu wenig Ärzte?
Der Ärztemangel in der Schweiz ist teils selbst gemacht: Aus Kostengründen begrenzt die Schweiz die Studienplätze in Medizin. Zudem müssen Interessierte eine Zulassungsprüfung bestehen. Das bedeutet, die Schweiz bildet immer noch zu wenig Ärztinnen und Ärzte aus und ist auf Medizinerinnen und Mediziner aus dem Ausland angewiesen. Diese machen inzwischen fast die Hälfte der Ärzteschaft in der Schweiz aus. Dazu kommt, dass für die jüngere Generation die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wichtig ist, weshalb sie eher Teilzeit arbeitet. Ein weiterer Grund ist – wie in anderen Berufen – die Anzahl an Aussteigerinnen und Aussteigern. Im Schnitt verlässt jede siebte Ärztin und jeder achte Arzt den Beruf nach den ersten fünf Berufsjahren.
Welche Lösungsansätze gibt es?
Vor der Sommerpause haben die Universitäten angeregt, dass Bund und Kantone erneut ein Programm starten, um die Anzahl der Ausbildungsplätze in der Medizin zu erhöhen und mitzufinanzieren. Daneben braucht es auch die weiterführenden Aus- und Weiterbildungsplätze an Spitälern und in Arztpraxen. Auch die Zulassungsprüfung soll sich so verändern, dass künftig nicht nur intellektuelle, sondern auch soziale und kommunikative Fähigkeiten zählen. Und: Die Politik will zum Beispiel die Grundversorgung stärken, also mehr Ärztinnen in Innerer Medizin oder Hausärzte ausbilden, die 90 Prozent unserer gesundheitlichen Anliegen behandeln können. Seit Jahren fehlt es auch an Kinderärztinnen und Jugendpsychiatern.
Gibt es auch gute Nachrichten?
Auf jeden Fall: Über alles gesehen ist unsere Versorgung nach wie vor gut. Natürlich warten Patientinnen und Patienten länger als vor zwanzig Jahren. Und es gibt Regionen, die stärker betroffen sind als etwa die Zentren mit einem vielfältigen Angebot. Die aktuellen Diskussionen zeigen jedenfalls, dass Bewegung ins Gesundheitswesen gekommen ist. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass sich die Versorgung in der Schweiz verändert – hin zu ganzheitlichen Behandlungsangeboten wie etwa in Gesundheitszentren mit verschiedenen Ärzten und Therapeutinnen. Dieses Modell wird als integrierte Versorgung bezeichnet.
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