«Dachten, uns hat man vergessen»: Bewohner aus Oleschky evakuiert

- Aus der von Russland besetzten Stadt Oleschky wurden seit Freitag Zivilisten evakuiert.
- Möglich machte das eine lokale Waffenruhe, die Melania Trump und Papst Leo vermittelt haben.
- Elf Busse fuhren in die Ukraine, vier nach Russland – die Evakuierten kamen laut Bericht teils in Tränen an.
Die Einwohner Oleschkys, die seit Monaten in einer sich verschärfenden humanitären Krise gefangen waren, wurden seit Freitag evakuiert. Ermöglicht hat das eine lokale Waffenruhe, die von Melania Trump und Papst Leo vermittelt wurde.
Als sie aus den Bussen stiegen, brachen viele Bewohner in Tränen aus, berichtet die Zeitung «Kyiv Independent», die bei der Ankunft der Evakuierten vor Ort war. In den letzten Monaten litten die Einwohner von Oleschky unter einem gravierenden Mangel an Lebensmitteln, Trinkwasser, Strom und medizinischen Hilfsgütern.
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«Dachten, uns hat man vergessen»
Tetiana Hurova ist eine der Evakuierten, die am Treffpunkt in der Ukraine aus dem Bus gestiegen ist. «Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir es von dort herausschaffen würden. Als diese ganze Krise begann, dachten wir, uns hat man vergessen», sagte sie gegenüber dem «Kyiv Independent».
Sie beschrieb das Leben unter russischer Besatzung. «Wir lebten in ständiger Angst. Am Ende ernährten wir uns nur noch von Gemüse.» Tetianas Mutter Nina fügt hinzu, dass sie lange befürchtet hatten, dass ihr Schwiegersohn (Tetianas Mann) in die russische Armee eingezogen werden könnte.
Olha Liutikova, eine andere Evakuierte, berichtete, dass russische Soldaten sie und ihren Ehemann Serhii Samarski festgenommen und drei Tage lang in einem Keller festgehalten hätten. «Sie haben uns verhört, weil wir in der Ukraine leben wollten», sagte sie gegenüber dem «Kyiv Independent». «Niemand will unter Besatzung leben», fügte sie an. «Das ist der Tod. Man kann nichts tun. Man hat Angst, dass man einen einzigen Schritt macht und ein Soldat kommt und mit einem macht, was er will.»
2000 Einwohner in Frontstadt übrig
Vor dem Krieg hatte Oleschky rund 24’000 Einwohner. Zum Zeitpunkt der Evakuation wurde die Einwohnerzahl der Frontstadt auf 2000 geschätzt. 50 davon seien nach der Schätzung Kinder. Die ukrainischen Behörden haben die genaue Zahl der in das von der Ukraine kontrollierte Gebiet evakuierten Personen noch nicht bekannt gegeben und begründen dies mit Sicherheitsgründen angesichts der äusserst heiklen Operation. Reporter des «Kyiv Independent» vor Ort sprachen von «Hunderten von Menschen».
Einige Einwohner sind zurückgeblieben. Manche für ihre Häuser, manche für ihre Tiere. Einige, weil sie schlicht aufgegeben haben, wie ein Evakuierter den Entscheidungsgrund seines Nachbarn beschrieb. Einige seien aber auch aus Angst vor russischer Vergeltung geblieben, wie ihre Angehörigen berichteten.
Vier Busse fuhren nach Russland
Es ist nicht bekannt, wie viele nach Russland evakuiert worden sind. Laut dem Newsmax-Journalisten Alex Salvi, der als einer der wenigen nichtrussischen Journalisten Zugang zu der Evakuierungsaktion in Oleschky selbst erhielt, fuhren vier Busse nach Russland, während elf Busse für die Ukraine bestimmt waren.
Evakuierte aus Oleschky, die sich dafür entschieden hatten, in das von Russland besetzte Gebiet zu ziehen, wurden in eine Notunterkunft in Simferopol auf der Krim gebracht, sagte die russische Ombudsfrau Yana Lantratova. Sie betonte jedoch, dass weitere Unterstützung auf sie warte.
Oleschky als Vorbild für Friedensverhandlungen?
Die ukrainische Regierung wertet die Oleschky-Operation als Erfolg. «Wo die Aufmerksamkeit der Welt auf etwas gerichtet ist, da liegt auch die Rettung der Menschen», schrieb Selenski und forderte: «Weitere Schritte zur Deeskalation und ein echter Ansatz für den Frieden sind erforderlich.»
Der ukrainische Aussenminister Andrii Sybiha erklärte, die humanitäre Evakuierung von Zivilisten aus dem von Russland besetzten Oleschky könne als wichtige vertrauensbildende Massnahme auf dem Weg zu einem umfassenderen, dauerhaften Frieden dienen.
Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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