Angriffe auf Saudi-Arabien – Die unterschätzte Miliz: Wer sind die Huthi-Rebellen?

Wer sind die Huthis? Die Huthis fordern derzeit die Militärmacht Saudi-Arabien heraus. Die Miliz stammt aus dem Jemen. Sie kontrolliert dort seit 2014 den Nordwesten des Landes, darunter die Hauptstadt Sanaa. Es sind die bevölkerungsreichsten Gebiete des Jemens – die Miliz hat dort längst staatsähnliche Strukturen aufgebaut. In ihrem Machtanspruch beruft sie sich auf die Geschichte: Im Jemen lebt eine Gruppierung schiitischer Muslime, die sogenannten Zaiditen. Zu ihnen gehören auch die Huthis. Die zaiditischen Eliten haben im Jemen rund 1000 Jahre lang geherrscht, bis republikanische Revolutionäre sie in den 1960er Jahren absetzten.
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Bild 1 von 3. Huthi-Kämpfer marschieren während einer Mobilmachung durch Sanaa. 10. September 2026. Bildquelle: AP Photo / STR.
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Bild 2 von 3. Zehntausende demonstrieren bei einer Kundgebung der Huthis in Sanaa. «Die Huthis gehen sehr repressiv gegen die Leute vor, die nicht mit ihnen einverstanden sind», sagt Toby Matthiesen. Zugleich hätten sie in ihren Kernregionen aber auch einen grossen Rückhalt. 9. Oktober 2026. Bildquelle: EPA / Yahya Arhab.
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Bild 3 von 3. Ihre Waffensysteme setzen die Huthis auch gegenüber ihren Anhängern in Szene: Anti-saudische Kundgebung in Sanaa, 18. September 2026. Bildquelle: EPA / Yahya Arhab.
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Warum greifen die Huthis ausgerechnet Saudi-Arabien an? Der direkte Feind der Huthi-Rebellen ist Jemens international anerkannte Zentralregierung – die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Seit einer grossen Militärintervention im Jahr 2015 hat Saudi-Arabien die Huthi-Gebiete mit Luftangriffen überzogen. Ab 2022 bestand ein Waffenstillstand zwischen den Huthis und den Regierungskräften. Doch im Sommer sei der Konflikt wieder aufgeflammt, erklärt Toby Matthiesen, Historiker und Islamwissenschaftler an der Universität Bristol. Im Juli griff die Zentralregierung den Flughafen in Sanaa an – die Huthis geben Saudi-Arabien die Schuld. Das steht in einem grösseren Kontext: «Seit Jahren blockieren die Saudis die Flughäfen in den Huthi-Gebieten», sagt Matthiesen.
Wie schlagkräftig ist die Miliz? «Die Huthis sind von Anfang an total unterschätzt worden», sagt Toby Matthiesen. Ihre Macht baue auf der Kontrolle des alten jemenitischen Staatsapparats auf. So hätten die Huthis grosse Waffenbestände der jemenitischen Armee erbeutet: teils alte Waffen aus dem Kalten Krieg, teils auch moderne Waffensysteme wie jene, die die USA an den Jemen geliefert haben. Inzwischen sind die Huthis auch bekannt dafür, selbst Drohnen und Raketen zu entwickeln. Dafür nutzt die Miliz allem Anschein nach auch künstliche Intelligenz. Das geht aus einem Bericht des KI-Unternehmens Anthropic aus dem September hervor: Nicht näher bezeichnete Akteure im Norden Jemens hätten den Programmierassistenten Claude Code verwendet, um Lenkraketen zu entwickeln.
Welche Rolle spielt der Iran? Wenn die Huthis eigene Drohnensysteme entwickeln, erhalten sie dabei laut Matthiesen höchstwahrscheinlich Unterstützung aus dem Iran. Die Huthis sind Teil der sogenannten «Achse des Widerstands», ein Bündnis islamistischer Milizen, das der Iran anführt. So ist der Konflikt zwischen den Huthis und Saudis eingebettet in das grössere geopolitische Geschehen in der Region: «Natürlich hängt der Konflikt auf der arabischen Halbinsel mit dem grösseren Konflikt zwischen den USA und dem Iran zusammen». Wenn die Huthis die saudischen Schiffe im roten Meer blockieren, profitiert jedenfalls auch der Iran – wenngleich die Huthis durchaus ihre eigenen Interessen verfolgen.
Was wollen die Huthis in diesem Konflikt erreichen? Laut Matthiesen geht es den Huthi vor allem um Anerkennung. Sie wollen international und insbesondere von Saudi-Arabien als legitime Herrscher im Jemen akzeptiert werden. Saudi-Arabien und seine Verbündeten sollen die Blockade gegen die Huthis im Jemen aufheben. Bei aussenpolitischen Fragen spiele auch der Iran eine Rolle. Primär, so Matthiesen, wollten die Huthis aber die Kontrolle zuhause festigen und ihre Beziehungen mit Saudi-Arabien klären.
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