«Das war ein Schock»: Xhaka-Ersatz Jashari nach Knorz-Sieg

Darum gehts
- Die Schweiz besiegt Slowenien 2:1 und feiert in der Nations League den dritten Sieg im dritten Spiel.
- Ardon Jashari vertritt den abwesenden Granit Xhaka souverän – betont aber, er wolle er selbst bleiben und nicht Xhaka 2.0 werden.
- Trainer Murat Yakin lobt Jashari als «sehr wertvollen Spieler», rät ihm aber, beim Abspielen geduldiger zu sein.
Ardon Jashari lässt die Abwesenheit von Granit Xhaka fast vergessen. Nach drei Spielen und neun Punkten darf sich der Captain in Ruhe der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft Luzern hingeben.
Dennoch ist der Tenor im Team auch nach drei Siegen eindeutig: Xhaka ersetzt man nicht einfach so. Nicht nach mehr als einem Jahrzehnt als Leader und Taktgeber der Nati. Das hat Jashari auch gar nicht vor.
Xhaka ist Xhaka – Jashari ist Jashari – wiederholt der 23-jährige Spielmacher der AC Milan schon seit Tagen gebetsmühlenartig. «Granit ist ein sehr wichtiger Spieler für uns – mit riesigen Qualitäten, die über die letzten Jahre enorm wichtig waren», sagt Jashari nach dem 2:1 gegen Slowenien in Luzern.
Er geniesst die Gelegenheit, aus dem Schatten des Captains zu treten und im Rampenlicht zu stehen, und will sich nicht gross über seine Rolle als Ersatzmann aufhalten: «Schlussendlich ist die Situation jetzt so, wie sie ist, und unser Ziel ist es, diese Spiele zu gewinnen.»
Ardon Jashari: «Diese Ruhe haben wir uns erarbeitet»
Nach zwei souveränen Siegen gegen Nordmazedonien und Schottland wehren sich die Slowenen an diesem lauen Samstagabend wesentlich härter. Kaum hat der Schiedsrichter das Spiel angepfiffen, gehen die Gäste in Führung: «Das war im ersten Moment ein Schock, dass wir da in Rückstand geraten sind», sagt Jashari, «aber das hat uns gar nicht aus der Balance gebracht.»
Im Gegenteil: «Wir haben sofort wieder den Fussball gespielt, den wir von der ersten Sekunde an spielen wollten, und das Spiel dominiert.» Die Nati lockt Slowenien heraus, findet Lücken und dreht die Partie.
Für Jashari ist das Ausdruck einer Entwicklung der Schweizer Mannschaft: «Diese Ruhe haben wir uns über die letzten Jahre erarbeitet und erkämpft.»
Es folgt ein bemerkenswerter Satz: «Als Schweizer sind wir mittlerweile privilegiert, dass wir in ein Spiel gehen und sagen: Wir müssen gewinnen.»
Das Selbstverständnis hat sich verändert. Die Schweiz geht nicht mehr in jedes Spiel mit der Hoffnung, irgendwie mithalten zu können. Sie erwartet von sich selbst, Spiele zu kontrollieren. «Wir spielen einen sehr ruhigen und starken Fussball, lassen uns nicht aus der Ruhe bringen und knacken den Gegner über 90 Minuten.»
Jashari soll nicht Xhaka 2.0 werden
Selbst der ackerartige Luzerner Rasen bringt Jashari nicht aus der Ruhe. Dieser will keine Ausreden suchen, obwohl der tiefe Untergrund das Schweizer Ballbesitzspiel arg strapaziert.
Aber: «Der Gegner spielt auf demselben Platz», sagt Jashari mit einem Augenzwinkern. «Für mich zählt nur, dass ich der Mannschaft helfen kann, wenn ich auf dem Platz stehe.»
Das klingt unspektakulär. Dahinter steckt aber genau das, was Yakin an seinem Mittelfeldspieler schätzt. «Ardon ist ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler, der auf seine Art und Weise das Spiel gestaltet», sagt der Nati-Trainer und sieht darin den Schlüssel. Jashari soll nicht Xhaka 2.0 werden.
Er soll Jashari sein. «Das ist mein Job und meine Position», sagt der Luzerner. «Je öfter ich zum Einsatz komme, desto lockerer wird die Kombination.»
Wie beurteilst du Ardon Jasharis Rolle als Xhaka-Ersatz in der Nati?
Murat Yakin: «Sehr wertvoller Spieler für uns»
Jashari fällt gegen Slowenien nicht mit grossen Gesten auf. Zu beschäftigt ist er mit der Arbeit mit und gegen den Ball. Er führt Zweikämpfe und versucht immer wieder, das Spiel nach vorne zu bringen.
Es gelingt ihm gegen Slowenien nicht so gut wie gegen Schottland und Nordmazedonien. Yakin zieht dennoch eine positive Bilanz. «Ardon ist sehr präsent, versucht auch mit dem Ball eine Linie zu überbrücken», sagt der Trainer gegenüber 20 Minuten an der Pressekonferenz.
Doch ganz ohne Kritik kommt auch Jashari nicht davon. «Vielleicht beim Abspielen noch ein bisschen geduldiger sein», sagt Yakin.
Es ist ein kleiner Fingerzeig – und gleichzeitig ein Kompliment. Denn der Trainer weiss: Jashari wird nicht über Nacht zum fertigen Mittelfeldchef. «Es ist klar: Er wird von Spiel zu Spiel mehr Erfahrung sammeln.» Aber eines ist klar: «Er gewinnt im Zweikampf sehr viele Duelle und ist deshalb ein sehr wertvoller Spieler für uns.»
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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