«Jetzt ist auch Tanken teurer»: Der Frust der Taxifahrer wächst

- Zürcher Taxifahrer leiden unter der Konkurrenz von Uber und Bolt – und jetzt zusätzlich unter gestiegenen Spritpreisen.
- Der Branchenverband Astag fordert vom Bund befristete Massnahmen wie Steuergutschriften auf Treibstoffkosten und einen vergünstigten «Gewerbe-Diesel».
- Auch Uber- und Bolt-Fahrer sind betroffen: Wer monatlich 6’000 Kilometer fährt, zahlt bis zu 285 Franken mehr als noch im Januar.
Bekim klappt die Rückbank seines Vans hoch und greift nach dem Staubsauger. «Das Geschäft ist hart geworden.» Seit 15 Jahren fährt der 41-Jährige in Zürich Taxi, so wenig zu tun hätte er noch nie gehabt. «Stundenlang stehen wir herum, ich habe sogar Zeit, um das Auto zu putzen.» Dazu kämen nun die hohen Spritpreise. «Jetzt ist auch noch das Tanken teurer, das merken wir beim Verdienst.»
Auch sein Berufskollege Ahmed ist frustriert. «Bis vor Kurzem konnte ich für 20 Franken elf Liter Benzin tanken, jetzt bekomme ich nur noch knapp neun. Es ist eine Katastrophe.» Das sei besonders hart, weil die Branche eh schon unter Druck stehe. Denn obwohl die hohen Treibstoffpreise allen Fahrern, die am Samstag am Hauptbahnhof Zürich parkieren, Sorgen bereiten, sei ein anderes Thema noch schlimmer: die Plattformen Uber und Bolt.
«Seit zwei Jahren habe ich keine Ferien mehr gemacht»
Bekim erinnert sich an die Zeit vor Corona. Damals habe er alle zwanzig Minuten einen Fahrgast gehabt. Wer Pause machen wollte, musste wegfahren. Heute warten sie. Ihn ärgere, dass die Konkurrenz Fahrten so viel günstiger anbieten könne. Er habe nichts gegen die Plattformen, sagt er. «Aber damit es fair bleibt, sollten wir alle mit einem Einheitspreis fahren. Mit solchen Forderungen stossen wir aber nur auf taube Ohren.»
Ahmed fühlt sich vom Kanton ebenfalls allein gelassen. «Manchmal kommt es mir so vor, als hätten wir Taxifahrer nur Pflichten und keine Rechte. Wir organisieren Demos, reichen Petitionen ein, sprechen bei den Behörden vor, aber niemanden interessiert es.» Cengiz (55) nickt zustimmend. Er erzählt, er müsse so viel arbeiten, dass kaum Zeit für seine Familie bleibe. «Seit zwei Jahren habe ich keine Ferien mehr gemacht.»
«Zusätzliche Kosten trifft die Taxi-Branche besonders hart»
Laut der Taxisektion Zürich könne ein Preisanstieg von zwei auf drei Franken pro Liter Diesel den Ertrag pro Schicht im schlechtesten Fall um rund 20 Franken mindern. Die Fahrer müssten also mehr verlangen, um die gestiegenen Kosten aufzufangen. «Doch höhere Preise könnten potenzielle Kunden vertreiben.» Der Verband rät deshalb eher von Preiserhöhungen ab. Taxifahren sei für die Kundschaft heute schon eher zu teuer, sagt Verkehrspolitik-Referent Mark Dennler.
Entlastung soll deshalb auch aus Bern kommen. Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag hat sich wegen der gestiegenen Kraftstoffpreise an Bundesrätin Karin Keller-Sutter gewandt. Er fordert, dass der Bund rasch befristete Massnahmen prüft. Dazu gehören Steuergutschriften auf Treibstoffkosten sowie die Einführung eines sogenannten «Gewerbe-Diesels» zu vergünstigten Preisen. «Die Branche arbeitet ohnehin mit kleinen Margen», sagt Astag-Sprecherin Anna Bähni. «Zusätzliche Kosten trifft sie deshalb besonders hart.»
Die Plattformfahrer fordern höhere Preise
Aber auch wer hinter dem Steuer eines Uber- oder Bolt-Fahrzeugs sitze, leide, sagt Cem Kurun, Präsident des Vereins Zürcher Plattformfahrer. Besonders zu schaffen machten die höheren Spritpreise jenen, die Vollzeit am Steuer sitzen und zusätzlich die Leasingraten für ihr Auto zahlen müssen.
Wie viel das ausmacht, zeigt eine Beispielrechnung des Vereins: Wer monatlich 6000 Kilometer fährt und auf 100 Kilometer 7,5 Liter verbraucht, zahle demnach für Benzin rund 200 Franken mehr als im Januar. Bei Diesel seien es rund 285 Franken.
Geld, das die Fahrer anderswo wieder hereinholen müssen. Einfach mehr für eine Fahrt verlangen könnten seine Mitglieder auf den Plattformen nicht, sagt Kurun. «Sie tragen sämtliche Kosten selbst, können den Preis aber nicht beeinflussen – den setzt der Algorithmus der Apps.» Laut Kurun melden Mitglieder, dass sie ihre Schichten deshalb verlängern. «Übermüdete Fahrer mit Fahrgästen sind ein Sicherheitsproblem für alle.» Er fordert deshalb ebenfalls keine Preiserhöhungen, sondern dass die bewilligten Betriebe ihre Preise selbst festlegen können. Zudem will der Verein die Vermittlungsprovision begrenzen und Angebote unter den tatsächlichen Betriebskosten verbieten.
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Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
Melissa Greiter (mgr) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist seit Februar 2025 Redaktorin im Ressort News, Wirtschaft und Videoreportagen.
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