«Ich habe ‹nur› eine Lehre gemacht, war aber noch nie arbeitslos»

- Wer ohne Bedarf am Markt studiert, hat laut vielen 20-Minuten-Leserinnen und Lesern schlechte Chancen auf einen Job.
- Hintergrund: Knapp 18’500 Masterabsolventen waren im Juli 2026 laut Seco beim RAV gemeldet.
- User Oekonom fordert, nur Studiengänge anzubieten, welche die Wirtschaft auch benötigt.
- Andere fordern ein Umdenken und mehr Anerkennung für Berufslehren.
Im Juli 2026 waren laut Seco knapp 18’500 Personen mit Masterabschluss beim RAV gemeldet. Einer von ihnen ist der Biologe Alexander (26), der seit drei Monaten einen Job sucht. Er sagt, rückblickend würde er heute eine Lehre machen. Mehr dazu liest du hier.
Die 20-Minuten-Community diskutiert intensiv darüber, was die Gründe für die Arbeitslosigkeit sind. Im Kern geht es um die Frage, ob die Probleme beim Berufseinstieg vor allem bei der Studienwahl, beim Arbeitsmarkt oder bei den Hochschulen selbst liegen. Wir haben die Meinungen der Community zusammengefasst.
Viele Leserinnen und Leser kritisieren die Akademisierung im Allgemeinen. «Es ist absurd, dass die Gesellschaft immer mehr nutzlose Akademiker hervorbringt, die am Ende arbeitslos sind, während in vielen Bereichen dringend richtige Fachkräfte gesucht werden», findet zum Beispiel User ThomySenf78.
User Oekonom Folgendes: «In der Schweiz kann jeder Maturand studieren, was er will. Jeder wird ausgebildet, auch wenn es keinen Bedarf dafür gibt. Das kostet uns Hunderte Millionen für nichts. Wir sollten nur Studiengänge anbieten, die auch von der Wirtschaft benötigt werden.»
«Sie haben sich Mühe gegeben»
Inob@Inob sieht das Problem woanders: «Da sind auch viele Eltern daran schuld. Mein Sohn/meine Tochter studiert! Man brüstet sich damit. Handwerksberufe sind zweitklassig. Das ist nun die Quittung.»
User AnotherPlanet hat Mitleid mit den Betroffenen: «Das Schlimme an dieser Geschichte ist: Diese jungen Menschen haben sich Mühe gegeben und brav die Matur gemacht und dann noch etwas studiert, von dem sie dachten, dass es nützlich und sinnvoll sei. Und nun werden sie nicht gebraucht.»
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Und Banause1 hat eine differenzierte Meinung zum Thema: «Eine Lehre ist immer etwas Gutes. Aber auch ein Studium ist sinnvoll, wenn man es auf einen richtigen Praxisbezug ausrichtet.»
«Habe Lehre gemacht, war noch nie arbeitslos»
Mehrere Personen erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen. «Ich habe ‹nur› Maschinenmechaniker gelernt, war aber in meinem Leben noch nie arbeitslos. Bin mir aber nicht zu schade, schmutzige Hände zu bekommen», erzählt User Aargauner.
Welchen Karriereweg hast du eingeschlagen?
Leserin BERGLIMEITI erzählt von ihrem Mann: «Seine Erstausbildung war zum Zimmermann, dann Hochbauzeichner, später Weiterbildungen bis zur Architektur trotz Familie mit drei Kindern.»
«Uniabschluss, aber null Kohle»
Einen Tipp hat Reni20Min: «Eine Lehre kann man auch noch nach dem Studium oder später machen, es ist nie zu spät. Man muss nur wollen und beim Finanziellen Abstriche machen.» Mademoiselle12 schreibt: «Diese Erkenntnis hatte ich auch. Ich kam aus einer Berufslehre, machte den Bachelor, arbeitete zehn Jahre in diesem Beruf und mache nun einen Quereinstieg in einem klassischen Lehrbetrieb, mit 41 Jahren.»
User andyseventyfive findet klare Worte: «Der Königsweg ist Lehre mit Berufsmatur, danach an die Fachhochschule berufsbegleitend zum Bachelorstudium. Dann bist du vielleicht 25, hast, seit du 16 bist Kohle verdient und hast knapp 10 Jahre Berufserfahrung. Als Student stehst du vielleicht mit Uniabschluss da, aber mit null Kohle und null Berufserfahrung.»
Anja Zingg (anz), arbeitet seit 2020 bei 20 Minuten. Sie ist seit Juni 2023 Leiterin des Ressorts Gesellschaft & Community.
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