«Bismillah, c'est les ténèbres» – das steckt hinter dem Slogan

- Auf vielen Schildern von Schülern und Studenten in Frankreich stand der Slogan «Bismillah, c’est les ténèbres».
- Der Spruch ist wörtlich kaum verständlich und steht für Missstände wie überfüllte Klassen und Lehrermangel.
- Er soll erstmals über Snapchat aufgetaucht sein, und Schüler vermuten, dass die Polizei dahintersteckt.
Am vergangenen Wochenende gingen in ganz Frankreich Hunderttausende Menschen auf die Strasse, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Der Protestaufruf liess sich keiner klaren Organisation zuordnen. Im Zentrum standen unterschiedliche Missstände: überfüllte Klassenzimmer, Lehrermangel, systemische Ungleichheit und fehlende Zukunftsperspektiven.
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Während der Demonstrationen verbreitete sich ein ungewöhnlicher Slogan. Auf zahlreichen Schildern und Plakaten von Schülerinnen, Schülern und Studierenden stand: «Bismillah, c’est les ténèbres.»
Niemand weiss genau, woher der Satz stammt
Wörtlich ergibt der kurze Satz kaum Sinn. Dennoch skandierten ihn viele Demonstrierende – als zugespitzten Ausdruck für die Vielzahl jener Missstände, die den Kern der Protestbewegung ausmachen.
«Bismillah» bedeutet auf Arabisch «Im Namen Gottes». Musliminnen und Muslime verwenden die Formel traditionell, bevor sie eine Handlung beginnen. Im französischen Slang hat sich der Ausdruck teilweise von dieser ursprünglichen Bedeutung gelöst und wird mitunter eher im Sinn von «Packen wirs an» gebraucht.
«C’est les ténèbres» heisst wörtlich übersetzt «Es ist die Dunkelheit» und verweist auf eine als düster und hoffnungslos empfundene Lage.
Der Slogan liesse sich damit ungefähr als «Im Namen Gottes – es ist die Dunkelheit» wiedergeben. Als wörtliche Botschaft bleibt er allerdings uneindeutig.
Studenten verdächtigen die Polizei
Erstmals soll der Ausdruck in einer über Snapchat verbreiteten Nachricht aufgetaucht sein. Wer hinter dem Account stand, konnte nicht verifiziert werden. Zahlreiche Studierende vermuten jedoch, der Text stamme von jemandem, der bewusst wie eine junge Person habe klingen wollen. Einige von ihnen glauben, hinter dem wirren Satz könne ein verdeckt ermittelnder Polizist gestanden haben, der Informationen über die Demonstrationen sammeln wollte. Die Polizei hat sich zu diesem Verdacht nicht geäussert.
Inzwischen wird «Bismillah, c’est les ténèbres» auch bei Protesten in Mailand verwendet. Dort dient der Ausdruck offenbar dazu, rassistische Klischees zu persiflieren, welche Demonstrierende der Polizei vorwerfen.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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