Räuber sprengen Bancomat – Bank reagiert mit Humor

- Vergangene Woche jagten drei mutmassliche Täter einen Bancomaten der Clientis Spar- und Leihkasse in Thayngen im Kanton Schaffhausen in die Luft.
- Das Filialteam reagiert mit einem humorvollen Video auf Social Media – der Beitrag überzeugt Kundschaft sowie Berufskollegen.
- Geschäftsleitungsvorsitzender Adrian Rosenberger zeigt sich erfreut über die positiven Rückmeldungen, schätzt den Sachschaden aber auf mehrere Hunderttausend Franken.
«Habe mich derart erschrocken, dass ich direkt im Bett stand», schrieb ein Anwohner aus Thayngen im Kanton Schaffhausen vergangene Woche auf Facebook. Auslöser war eine Explosion beim Bancomaten der Clientis Spar- und Leihkasse in Thayngen im Kanton Schaffhausen – verantwortlich dafür waren drei mutmassliche Täter. Rund eine Woche später zeigt das Team der Bankfiliale, wie es mit dem Vorfall umgeht – und beweist dabei eine ordentliche Portion Humor.
Vor den Trümmern, die die Sprengung hinterlassen hat, steht der Teamleiter der Kundenberatung. Mit dem Aufhänger «Wir werden des Öfteren gefragt: ‹Wie komme ich möglichst schnell an viel Geld?›» beginnt er das Video. Verschiedene Angestellte erklären, wieso der Weg, den die Bancomatsprenger wählten, nicht zielführend ist: Das Vorgehen habe ein «eher ungünstiges Risikoprofil» und keine Rendite.
«In dieser negativen Situation einen positiven Aspekt finden»
Gegenüber 20 Minuten erklärt Adrian Rosenberger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Clientis Spar- und Leihkasse Thayngen, wie die Idee dazu entstanden ist: «Natürlich habe ich mich zuerst über den enormen Sachschaden aufgeregt. Am Wochenende nach der Sprengung dachte ich mir aber, wir sollten auch in dieser negativen Situation einen positiven Aspekt finden.»
Aus diesem Grund verfasste Rosenberger noch am Sonntagabend einen Beitrag, den er auf Linkedin postete. Darin verarbeitet der Geschäftsleiter den Vorfall mit einer Prise Ironie: «In der Nacht wurde bei uns ein aussergewöhnlicher Bargeldbezug versucht – mit einer eher unkonventionellen Methode. Bancomat: gesprengt, Bankkarte: keine, Beute: CHF 0–.»
«Wir sind als Dorfbank für unsere Kundschaft da»
Weil der Beitrag auf Linkedin vielen Userinnen und Usern angezeigt wurde, schlussfolgerte er, dass der humorvolle Umgang auch ein breiteres Publikum ansprechen könnte. Am Montag arbeitete er deshalb gemeinsam mit seiner Marketingfachfrau einen Plan aus, um das Thema in einem grösseren Rahmen aufzugreifen. So sei schliesslich das Video entstanden.
«Trotz der schwierigen Situation stecken wir nicht den Kopf in den Sand – auch, um unserer Kundschaft zu zeigen, dass wir als Dorfbank weiterhin für sie da sind», erklärt Rosenberger. Dies, obwohl die Filiale aktuell noch geschlossen ist und der normale Bankbetrieb ein wenig anders aussieht. Auch für das Personal sei es wichtig, den Zusammenhalt in dieser herausfordernden Zeit zu spüren.
Viel Lob und positive Rückmeldungen
Dieser Ansatz habe sich bewährt. «Wir haben extrem viele positive Rückmeldungen erhalten. Dass unser Humor so gut aufgenommen wird, freut uns sehr.» Kundschaft, Umfeld und Berufskollegen hätten dem Team um Rosenberger viel Lob ausgesprochen.
Auch online fallen die Reaktionen positiv aus. «Super gemacht», «10/10 mit der Situation umgegangen» oder «Schön, nehmt ihr es mit Humor», gibt es etwa unter den Kommentaren auf Instagram zu lesen.
«Es tat mir im Herzen weh»
Trotz der Leichtigkeit des Online-Beitrags wiege der Vorfall noch immer schwer. «Zu sehen, wie unsere Dorfbank demoliert wurde und in Scherben lag, tat mir im Herzen weh», erinnert sich Rosenberger. Den «immensen» Sachschaden schätzt Rosenberger aktuell auf mehrere Hunderttausend Franken.
Dennoch blickt er zuversichtlich nach vorne: «Wir hoffen, bis Ende nächster Woche den regulären Bargeldbezug für unsere Kundschaft wieder zu ermöglichen.» Aktuell können Kundinnen und Kunden Bargeld vorbestellen und nach Terminvereinbarung abholen. Auch Beratungen bietet das Team weiterhin an, vorübergehend jedoch nur nach vorheriger Anmeldung.
Das ist der Hintergrund
Kurz vor 4 Uhr am Mittwochmorgen wurde gegenüber dem Bahnhof Thayngen ein Geldautomat gesprengt. Die Täterschaft – mutmasslich drei Personen – flüchtete nach der Explosion in einem schwarzen Auto, wie die Kantonspolizei Schaffhausen mitteilte.
Rund 20 Minuten nach der Geldautomatensprengung wurde die Schaffhauser Polizei informiert, dass eine schwer verletzte Person in die Notfallstation der Spitäler Schaffhausen gebracht wurde. Der Mann erlitt bei der Explosion Verletzungen an einer Hand sowie am Oberschenkel. Gemäss Ermittlungsstand der Polizei handelt es sich um einen der mutmasslichen Täter.
Die beiden weiteren mutmasslichen Täter flüchteten mit einem Fahrzeug in Richtung Deutschland. Die umgehend eingeleitete Fahndung nach ihnen führt die Kantonspolizei weiterhin intensiv.
Auf Facebook berichteten Anwohnerinnen und Anwohner von zwei lauten Explosionen. Sogar die Fensterscheiben hätten dadurch gezittert.
Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.
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