Die schöne Seite von RB Leipzig: Wieder luftig leicht

Nach wechselhaften Auftritten ist der Kantersieg gegen Frankfurt für RB Leipzig befreiend – insbesondere für den umstrittenen Coach Demichelis.
Foto: Schrader/AP
In den sozialen Netzwerken konnte sich das Medienteam von RB Leipzig ein kleines Nachtreten nicht verkneifen. Die offiziellen Accounts posteten das Bild eines aggressiv dreinblickenden Adlers. Darüber zwei Ergebnisse: RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt in der Saison 2025/2026 – 6:0. Und in der Saison 2026/2027 erneut – 6:0. Dazu der Satz: „Ist das schon Tradition?“ Die Spitze in Richtung der Eintracht-Fans, die sich mit dem jungen Club in Leipzig besonders schwertun, sorgte nicht nur für Gegenliebe. Aber es ist erstaunlich, dass die „Adler“ am Samstag zum zweiten Mal hintereinander in Leipzig so arg unter die Räder gekommen sind.
Für Leipzig war der deutliche Sieg psychologisch wichtig. Unruhige Wochen liegen hinter dem Team; in der Länderspielpause war sogar über eine Entlassung von Trainer Martin Demichelis und eine Rückkehr von Julian Nagelsmann spekuliert worden. „Es tut brutal gut, sich so den Frust von der Seele zu spielen“, sagte Kapitän David Raum. „Unsere Saison ist bisher eine Achterbahnfahrt. Aber heute hat man wieder gesehen, wozu wir in der Lage sind.“
Die entscheidende Frage nach dem Topspiel am Samstagabend blieb: War RB so gut oder Frankfurt so schlecht? Gegen strauchelnde Gegner waren die Leipziger zuletzt souverän (6:0 Trier, 3:0 Gladbach, 5:0 HSV), gegen kämpferisch überlegene (1:3 Werder) oder taktisch bessere Mannschaften (1:4 Como, 0:2 Leverkusen) taten sie sich schwer. In der Bundesliga stehen zu Hause drei Siege bei 14:0 Toren zu Buche. Auswärts wurde noch kein Punkt geholt.
Die Schwankungen hatten früh Zweifel an Demichelis befeuert. Der Argentinier, einst Spieler beim FC Bayern, hatte von Beginn an einen schweren Stand – vor allem, weil er im Sommer überraschend Ole Werner ersetzte. Werner war aufgrund seiner erfolgreichen Saison und obendrein humorvollen Art bei den Fans beliebt. Doch Jürgen Klopp war weniger begeistert und befürwortete seine Entlassung. Der heutige Bundestrainer war damals noch „Head of Global Soccer“ bei Red Bull. Offiziell durfte er „nur“ beraten, hinter vorgehaltener Hand war klar: Klopp wollte den Trainerwechsel.
Sprachprobleme des Trainers
Es soll wieder attraktiverer Fußball gespielt werden mit stärkerem Fokus auf Pressing und schnelles Umschalten. Es ist die Spielidee, die Ralf Rangnick vor gut 15 Jahren auf einer Taktiktafel ins Red-Bull-Fußballimperium trug. Der Trainerwechsel vor dieser Saison schien sich in den ersten Wochen nicht auszuzahlen. Ergo ist der größte Gewinner des Frankfurt-Siegs Demichelis. „Nach einem Sieg ist es einfach zu sprechen“, meinte der Argentinier, der schlecht Deutsch und fast kein Englisch spricht. Schon wurde über Sprachprobleme im Team gemutmaßt. „Ab jetzt denken wir nach vorn, ans nächste Spiel in drei Tagen. Da müssen wir die Leistung von heute bestätigen“, betonte der Coach.
Am Dienstag empfangen die Leipziger PSV Eindhoven – zum Glück wieder vor eigenem Publikum. Danach warten auswärts Bayern München und Real Madrid. Insgesamt stehen im Oktober sieben Spiele in 21 Tagen an. Spätestens dann dürfte klarer sein, wohin die Reise für den Club geht.
Der Kader hat Qualität: WM-Fahrer Antonio Nusa, seit Wochen in bestechender Form, traf in der 54. Minute zum 5:0. Rückkehrer Christopher Nkunku gelang mit Treffern in der 5., 41. und 44. Minute der erste lupenreine Hattrick der Vereinsgeschichte. Der kampfstarke Ezechiel Banzuzi traf erstmals für Leipzig (1.), und Tidiam Gomis deutete mit seinem Tor in der 89. Minute an, dass er ein Versprechen für die Zukunft ist. Im Tor entschärfte Maarten Vandevoordt einige gute Frankfurter Chancen. Die Eintracht hatte mit neun fast so viele Schüsse aufs Tor wie Leipzig mit zehn.
Eine Spielidee mit Ball ist bisher nicht zu erkennen
Wie weit das talentierte Team kommt, hängt auch von Verletzungen ab. Christoph Baumgartner fehlt seit Monaten, Assan Ouédraogo ist häufiger verletzt als fit, Brajan Gruda immer wieder außen vor. Im kreativen Mittelfeld ist es eng. Oft wirkt es, als könne RB nur gewinnen, wenn das Pressing funktioniert und nach Ballgewinnen schnelle Tore folgen. Eine Spielidee mit Ball ist bisher nicht zu erkennen. Das dürfte der nächste Entwicklungsschritt sein – und an ihm hängt auch Demichelis’ Zukunft.
Bei Eintracht Frankfurt ist die Unruhe wiederum mindestens so groß wie zwischenzeitlich in Leipzig. Für die Leistung müsse man „sich schämen“, sagte Trainer Adi Hütter; die Darbietung sei „nicht Bundesliga-tauglich gewesen“. Zur Halbzeit habe er Kapitän Robin Koch „erlöst“, indem er ihn ausgewechselt habe. Jonathan Burkardt wurde deutlich: „Die Führungsspieler haben heute wieder versagt!“
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