Major Gallati legte sich mit Blocher an: Jetzt will er nach Bern

- Der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (60) kandidiert für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin.
- Er galt als SVP-Hardliner, wich als Gesundheitsdirektor aber mehrfach von der Parteilinie ab.
- In der Corona-Pandemie setzte er die Covid-Massnahmen um und sprach sich gegen die Neutralitätsinitiative aus.
Seit dem Rücktritt von Bundesrat Guy Parmelin ist die SVP auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. Einer, der auf Parmelin in den Bundesrat folgen könnte, ist Jean-Pierre Gallati. Am Freitag verkündete er in letzter Minute seine Kandidatur.
Der 60-Jährige sitzt im Aargauer Regierungsrat. Als Gesundheitsdirektor leitet er das Departement Gesundheit und Soziales. 2019 wurde er in den Nationalrat gewählt, blieb aber nur drei Monate im Amt. Nach seiner Wahl in die Aargauer Regierung trat er aus der Grossen Kammer zurück.
Abweichung von der Parteilinie
Als Fraktionschef im Aargauer Kantonsrat galt er als SVP-Hardliner. Im Amt als Regierungsrat zeigte er sich jedoch kompromissbereiter und wich mehrmals von der Parteilinie ab. Besonders deutlich wurde das während der Corona-Pandemie. Als Gesundheitsdirektor hielt er gegen den Willen seiner Partei am Kurs des Bundesrates fest und setzte die Covid-Massnahmen um. Zudem stand er in seiner Kantonalpartei für die Ja-Parole zum Covid-19-Gesetz ein.
Zuletzt sprach er sich als einer von wenigen SVP-Politikern öffentlich gegen die Neutralitätsinitiative von Partei-Übervater Christoph Blocher aus. Damit dürfte er sich in Bundesbern parteiintern wenig Freunde geschaffen haben. Beim Thema Asyl und Soziales ist Gallati wiederum restriktiver und politisiert auf Linie der Partei.
Sollte er aufs Ticket kommen, könnte ihm sein beruflicher Rucksack im Justizdepartement (EJPD) oder dem Verteidigungsdepartement (VBS) zugutekommen. Der heute 60-Jährige war Kommandant einer Grenadierkompanie im Rang eines Hauptmanns und gehörte später als Major dem Armeestab an. Als Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales hat er auch den Asylbereich unter sich.
Gallati über Glarner: «Putin-Verehrer»
Mediale Aufmerksamkeit generierte in den letzten Jahren Gallatis Verhältnis zum Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner. Während der Pandemie kamen ihre Differenzen zum Vorschein. Sie zofften sich öffentlich und Gallati beschimpfte Glarner nach dessen Äusserungen zum Ukraine-Krieg als «Putin-Verehrer».
Was spricht dich bei Gallati am meisten an?
Jean-Pierre Gallati ist ursprünglich Anwalt und war bis zu seiner Wahl in den Nationalrat im Jahr 2019 als solcher tätig. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und besitzt das Aargauer Anwaltspatent. Über sein Privatleben ist nicht viel bekannt, auch in den sozialen Medien ist er nicht präsent. Gallati ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter. Er lebt in Wohlen AG.
Aira Flückiger (fla) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Politik.
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