«Knie hat sich wie Holz angefühlt»: Gino Caviezel ist zurück

Darum gehts
- Gino Caviezel (34) startet in Sölden nach fast zwei Jahren Verletzungspause in seine Comeback-Saison.
- Der Bündner hatte sich im Super-G von Bormio Ende 2024 das Knie schwer verletzt und die Schulter ausgekugelt.
- Ein Rücktritt kam für ihn nie infrage: «Das kann nicht mein letztes Rennen gewesen sein.»
Jedes Skirennen schreibt seine eigene Geschichte, manchmal gleich sogar mehrere, an die man sich noch lange erinnern wird. Der Riesenslalom von Sölden 2026 hat, schon bevor er überhaupt begonnen hat, eine dieser Geschichten zu bieten. Gino Caviezel gibt nach fast zwei Jahren Verletzungspause sein «richtiges» Comeback im Weltcup.
«Richtiges», weil er schon beim Nachtspektakel von Schladming Anfang 2026 startete, dies jedoch ohne grosse Ambitionen. Nun kehrt der 34-jährige Bündner voll und ganz auf die grosse Skibühne zurück. «Es ist schön, dass ich wieder normal in eine Saison starten kann. Mal schauen, wo die Reise Ende Saison hingeführt hat», sagt Caviezel im Vorfeld.
«Ziel ist immer noch, Rennen zu gewinnen»
Rückblende. Beim Super-G von Bormio in der Altjahreswoche 2024 bleibt er an einem Tor hängen. Caviezel zieht sich dabei eine komplexe, schwerwiegende Knieverletzung zu und kugelt sich die Schulter aus. Er muss mit dem Helikopter abtransportiert werden.
Die Reha und das Aufbautraining sind lange und mühsam. «Mein Knie hat sich zeitweise angefühlt wie ein Stück Holz, ein Fremdkörper», erzählt Caviezel. «Mittlerweile macht es aber wieder das, was ich will.» Er spüre es auf den Ski nur noch, wenn er mit dem Gesäss ganz tief runter in den Schnee geht und das Knie extrem stark beugen und belasten müsse.
Mit einem völlig anderen Mindset als zuvor stehe er aber nicht am Start, erklärt er. «Natürlich haben die letzten zwei Jahre etwas mit mir gemacht, sei es körperlich, aber auch mental. Man lernt sehr viel dazu. Ich sehe sicher einige Dinge anders, ich trage aber immer noch das Feuer eines Skirennfahrers in mir. Am Schluss ist das Ziel immer noch, Rennen zu gewinnen und schnell Ski zu fahren», so Caviezel.
Auch ein Totalschaden im Knie hält Caviezel nicht auf
Der Mann aus dem Domleschg ist kein Kind von Traurigkeit. Ein Rücktritt aufgrund der schweren Verletzung kam für ihn nie infrage. «Für mich war von der ersten Sekunde nach dem Sturz klar, dass ich mich zurück in den Weltcup kämpfen will. Das kann nicht mein letztes Rennen gewesen sein, darum will ich es nochmals versuchen.»
Nicht wenige haben damals prognostiziert, dass der Totalschaden im Knie gleichbedeutend mit Caviezels Karriereende sei. Ihnen beweist er nun das Gegenteil. Trotzdem seien diese Stimmen nie ein Extra-Ansporn für ihn gewesen. «Wenn man sich verletzt, gibt es immer Leute, die negativ reden. Wichtig ist, dass man auf die Leute zählen kann, die hinter einem stehen.»
Wer einen wirklich unterstütze, merke man besonders bei einer Verletzung. «Gewisse lassen dich hängen und andere sind wirklich immer da für dich. Das gehört dazu und ist Teil des Spiels. Ich wollte es vor allem mir selbst und jungen Athleten zeigen, dass es sich lohnt, aufzustehen und weiterzukämpfen. Der Skisport ist auch ohne Verletzungen kein einfacher Weg.»
Ein Weg, der, wenn es nach Gino Caviezel geht, noch lange nicht zu Ende ist.
Nino Vinzens (nvi) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Seine Expertise verteilt sich hauptsächlich auf die Sportarten Fussball, Ski Alpin und Eishockey.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
