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Thursday, September 17, 2026

Gibt es genügend Impfstoff vor der Grippewelle?

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  • Bei zwei von vier Grippeimpfstoffen kommt es in der Schweiz zu Lieferverzögerungen.
  • BAG und pharmaSuisse geben Entwarnung: Es handle sich um eine Verzögerung, nicht um einen generellen Impfstoffmangel.
  • pharmaSuisse weitet das Impfangebot auf die letzte Novemberwoche aus – Ende November sei laut Experten noch rechtzeitig.

Kaum neigt sich der Sommer dem Ende, beschäftigt sich die Schweiz mit dem Winter – und damit mit der jährlichen Grippewelle. Anfang November soll die nationale Impfwoche beginnen. Doch nun verzögert sich laut SRF die Lieferung von zwei der vier Grippeimpfstoffe. Einige Apotheken werden deshalb zu Beginn der Aktionswoche noch keinen Impfstoff vorrätig haben.

Der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse reagiert und weitet das Angebot aus: Zusätzlich zur ersten Novemberwoche können sich Impfwillige auch in der letzten Novemberwoche in teilnehmenden Apotheken und Arztpraxen gegen Grippe impfen lassen.

Was steckt hinter den Lieferverzögerungen? Und müssen sich Risikogruppen nun Sorgen machen? 20 Minuten hat beim BAG, bei pharmaSuisse und bei einem betroffenen Apotheker nachgefragt.

Wieso kommt es zu Verzögerungen?

«Die WHO hat die Zusammensetzung relativ spät im Jahr festgelegt», erklärt Spitalapotheker Enea Martinelli. Der Grippeimpfstoff werde jedes Jahr neu hergestellt, seine Zusammensetzung richte sich danach, welche Viren voraussichtlich zirkulieren würden. Diese Einschätzung basiere unter anderem auf Erfahrungen aus Ländern der Südhalbkugel und Asien, wo die Grippesaison früher beginne.

Die spätere Information der Weltgesundheitsorganisation habe zu einer etwas verzögerten Produktion geführt, so Martinelli. Betroffen sind laut pharmaSuisse insbesondere einzelne Lieferungen von 10er-Packungen. Einzelpackungen würden hingegen planmässig ausgeliefert. Andere Impfungen seien gar nicht betroffen.

BAG und der Apothekenverband pharmaSuisse geben Entwarnung: Es handle sich um eine Verzögerung, nicht um einen generellen Impfstoffmangel.

BAG und der Apothekenverband pharmaSuisse geben Entwarnung: Es handle sich um eine Verzögerung, nicht um einen generellen Impfstoffmangel.Samuel Schalch / Tages-Anzeiger

Hätte sich die Verzögerung vermeiden lassen?

Das BAG erklärt auf Anfrage von 20 Minuten, dass der Impfstoffmarkt in der Schweiz ausserhalb von Pandemien nach Angebot und Nachfrage funktioniere. Das BAG beschaffe und verteile die saisonalen Grippeimpfstoffe nicht selbst.

«Wir müssen den Impfstoff im Mai vorbestellen, das ist immer ein Ratespiel», sagt Martinelli. Zudem lasse sich der Lieferant bei Engpässen nicht einfach wechseln. Es handle sich deshalb nicht um eine Fehleinschätzung der Apotheken: «Das kann einfach vorkommen.» Martinellis Apotheke etwa sei vom Hersteller vor rund drei Wochen über das Problem, dessen Gründe und den erwarteten Liefertermin informiert worden.

Gibt es genug Impfstoff für alle?

Das BAG geht aufgrund der Angaben der Hersteller davon aus, dass rechtzeitig genügend Dosen verfügbar sein werden – sowohl für Personen, denen die Impfung empfohlen wird, als auch für weitere Impfwillige. Der Hochdosis-Impfstoff für Personen ab 75 Jahren sowie für Risikogruppen ab 65 Jahren wird laut BAG normal geliefert.

Auch der Apothekenverband pharmaSuisse betont: Es handelt sich um verzögerte Einzellieferungen, nicht um einen allgemeinen Impfstoffmangel. Für die Schweizer Bevölkerung stehe weiterhin genügend Grippeimpfstoff zur Verfügung.

Der verspätete Impfstoff werde gegen Ende der nationalen Impfwoche geliefert. «Wenn man sich impfen lassen möchte, reicht es Ende November auch noch», sagt Martinelli. Die Grippewelle beginne in der Schweiz in der Regel erst im Dezember oder Januar.

Trotz der grundsätzlichen Entwarnung kann es lokal und vorübergehend vorkommen, dass Apotheken oder Arztpraxen noch keinen Impfstoff vorrätig haben oder keine Termine anbieten können. Martinelli rät Impfwilligen deshalb, kurz bei ihrer Apotheke oder Arztpraxis nachzufragen, ob Impfstoff verfügbar ist.

Muss sich jetzt etwas ändern?

pharmaSuisse fordert, dass Hersteller Apotheken, Institutionen und Behörden künftig frühzeitig über mögliche Probleme informieren. So könnten Impfangebote und die Nationale Impfwoche besser geplant sowie Risikogruppen gezielt versorgt werden.

An der grundsätzlichen Herausforderung wird das aber wenig ändern: Die Impfstoffmenge muss Monate vor der Grippesaison bestellt werden, während die Nachfrage nicht exakt vorhersehbar ist. Martinelli bittet deshalb auch um Verständnis in der Bevölkerung: «Man muss Risikogruppen vielleicht den Vortritt lassen, aber jeder, der sich impfen lassen will, wird sich impfen lassen können.»

So schützt du dich

Das BAG schreibt, die Grippeimpfung sei die «einfachste, wirksamste und kostengünstigste Vorbeugung», um sich und seine Mitmenschen vor einer Grippeerkrankung und deren Komplikationen zu schützen. Die Grippeimpfzeit beginnt jeweils Mitte Oktober und dauert bis zum Beginn der Grippewelle.

Grippe kann manchmal zu Komplikationen wie Mittelohrenzündungen, Lungen- und Herzmuskelentzündungen führen. Betroffen sind vor allem Menschen ab 65, Schwangere, Personen mit chronischen Erkrankungen und frühgeborene Kinder bis zwei Jahre. Um diese Menschen besser zu schützen, sollten nicht nur sie selbst, sondern auch alle, die in regelmässigem, nahem Kontakt zu ihnen stehen, gegen die Grippe geimpft sein. Dazu zählen etwa nahe Angehörige, Säuglingsbetreuende und Gesundheitsfachpersonen. Empfohlen wird die Impfung ab Oktober.

Weiter hilft regelmässiges Händewaschen sowie Desinfizieren, Menschenansammlungen meiden oder eine Maske zu tragen. Wer sich krank fühlt, sollte die Symptome zu Hause auskurieren. Zudem hilft auch eine gute Durchlüftung von Räumen, das Ansteckungsrisiko mit Infektionskrankheiten zu vermindern.

Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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