Tanken mit Pflanzenöl – Kann man mit gebrauchtem Frittieröl Auto fahren?

Hohe Dieselpreise machen erfinderisch: In Frankreich tanken einige Menschen ihr Auto mit gebrauchtem Frittieröl, wie französische Medien berichten. Doch eignet sich das als Treibstoff? Christian Bach, der an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa zu Fahrzeugsystemen arbeitet, erklärt, wie geeignet das ist.
Christian Bach
Leiter Fahrzeugantriebsysteme EMPA
Bach ist diplomierter Automobilingenieur FH. Er ist Abteilungsleiter an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa).
SRF News: Wie geeignet ist gebrauchtes Frittieröl für Dieselfahrzeuge?
Christian Bach: Gebrauchtes Frittieröl kann ich mir höchstens in richtig alten Dieselmotoren vorstellen, die noch vollständig ohne Elektronik auskommen und etwa aus den 1970er- oder 1980er-Jahren stammen. Bei moderneren Dieseln würde ich das niemandem empfehlen. Die Gefahr von Schäden ist zu gross.
Was unterscheidet ältere von neueren Motoren?
Neuere Motoren haben elektronische Systeme, die den Einspritzzeitpunkt und die eingespritzten Dieselmengen sehr genau überwachen. Frittieröl hat eine ganz andere chemische Zusammensetzung. Mit diesem Öl würde das System nicht funktionieren.
Das Wichtigste ist, das Öl sehr sauber von Verunreinigungen zu trennen.
In Frankreich berichten Menschen, dass sie mit Frittieröl lange Strecken fahren. Wie muss das Öl dafür aufbereitet werden?
Beim Frittieren gelangen Wasser und Feststoffe aus dem Frittiergut ins Öl. Diese Verunreinigungen müssen sich zunächst absetzen und anschliessend herausgefiltert werden. Geschieht das nicht, drohen auch bei alten Motoren grosse Schäden. Das Wichtigste ist also, das Öl sehr sauber von Verunreinigungen zu trennen.
Funktioniert das mit allen Pflanzenölen?
Ja. Pflanzenöle, aber auch tierische Fette enthalten ähnliche chemische Bausteine wie Erdöl: Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff im Wesentlichen, aber andere molekulare Strukturen. Deshalb kann man das auch als Energieträger nutzen.
Weshalb wird Pflanzenöl dann nicht häufiger als Treibstoff eingesetzt?
Das wird bereits gemacht. Allerdings wird gebrauchtes Pflanzenöl zunächst durch chemische Prozesse in einen dieselähnlichen Zustand umgewandelt. Dafür gibt es auch Normen. Dieser Treibstoff wird als Biodiesel oder unter dem Fachbegriff FAME verkauft. Solche Biodieselqualitäten sind auch in der Schweiz erhältlich und weisen typischerweise eine gute Ökobilanz auf.
Also mehr Pommes frites essen und mit dem gebrauchten Öl das Auto tanken?
Nein, das ist keine gute Strategie. Es ist sinnvoll, anfallendes Frittieröl oder andere organische Abfälle nicht ungenutzt zu entsorgen, sondern in einen Energieträger zu verwandeln. Frittieröl lässt sich zu Biodiesel umwandeln, der in dafür freigegebenen Motoren genutzt werden kann. Man kann in einem weiteren Schritt auch einen dieselähnlichen Treibstoff herstellen, der HVO heisst. Allerdings sind die verfügbaren Mengen so bescheiden, dass das keine umfassende Dekarbonisierungsstrategie für den Strassenverkehr sein kann. Da wird die Elektrifizierung sehr viel wesentlicher bleiben.
Weil sie umweltfreundlicher ist?
Und weil sie sich im grossen Stil umsetzen lässt.
Lässt sich mit Pflanzenöl auch Benzin ersetzen?
Nein, mit diesem einfachen Ansatz, wie ihn Menschen in Frankreich bei alten Dieselmotoren nutzen, würde das nicht funktionieren. Pflanzenöl ist zähflüssiger als Diesel, und Diesel wiederum zähflüssiger als Benzin. Auch ein altes Benzinauto würde man mit Pflanzenöl deshalb ziemlich sicher nicht zum Laufen bringen.
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