Verwirrung unter Stromhändlern – Was haben Trumps Posts mit dem Schweizer Stromhandel zu tun?

Für grössere Schweizer Energiekonzerne wie Alpiq oder BKW ist der Handel mit Strom ein wichtiges Standbein. In den letzten Monaten waren sie damit jedoch deutlich weniger erfolgreich als auch schon. Bei Alpiq gibt man die Schuld dafür unter anderem Signalen aus der Politik, welche über die sozialen Medien ausgesendet werden. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann erklärt den Handel der Stromhändlerinnen und -händler.
Klaus Ammann
Wirtschaftsredaktor
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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.
Wie funktioniert der Stromhandel normalerweise?
Klassischerweise basiert der Stromhandel auf sogenannten «Fundamentaldaten»: Steigt die Nachfrage in China oder fallen Kernkraftwerke in Frankreich aus, rechnen Händler mit steigenden Preisen und passen ihre Modelle an.
Weshalb versagen diese Modelle derzeit?
Unvorhersehbare Tweets von politischen Akteuren wie US-Präsident Donald Trump brächten Schocks ins System, die diese Modelle nicht berücksichtigen können, sagt Alpiq-Chefin Antje Kanngiesser gegenüber SRF. Solche Tweets deuten oft auf reale geopolitische Ereignisse hin – wie etwa den Erfolg oder das Scheitern von Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Das hat massive Auswirkungen auf den weltweiten Energiehandel. Diese Unberechenbarkeit führte unter anderem dazu, dass die Handelsabteilung von Alpiq im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von 34 Millionen Franken verzeichnete – rund zwei Prozent des Umsatzes in diesem Bereich.
Wie stabilisiert der Handel den Markt?
Trotz der aktuellen Turbulenzen sind sich Experten einig, dass der Stromhandel eine stabilisierende Funktion hat. Er helfe dabei, real existierende Unsicherheiten zu mindern, indem er zukünftige Ereignisse bereits in die aktuellen Preise einfliessen lässt. So seien zum Beispiel die Gaspreise im Handel nach der Schliessung der Strasse von Hormus bereits angestiegen, bevor die Lieferengpässe tatsächlich spürbar geworden seien, sagt Ingmar Schlecht, Strommarkt-Experte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Dies ermöglichte es den Konsumentenländern, frühzeitig Gas zu sparen und nach alternativen Lieferanten zu suchen. Diese stabilisierende Wirkung bleibt laut Andreas Tresch, Managing Partner beim Energiedienstleister Enerprice, trotz den unruhestiftenden Tweets bestehen – allerdings wohl zu einem etwas höheren Preis.
Was heisst das für die Konsumentinnen und Konsumenten?
Die zunehmende Unberechenbarkeit durch politische Tweets bleibt für die Verbraucher von Strom nicht ohne Folgen. Da die Unsicherheit im Markt wächst, müssen Händler höhere Risiken eingehen. Und entsprechend erhöhen sie ihre sogenannten Risikozuschläge. Diese höheren Absicherungskosten der Energieunternehmen werden letztlich an die Endkunden weitergegeben, was zu steigenden Strompreisen für Konsumentinnen und Konsumenten führen kann.
Wie reagiert Alpiq?
Alpiq fahre die Risiken im Handelsgeschäft weiter zurück, betont Alpiq-Chefin Antje Kanngiesser. Damit schrumpft ein Geschäftsbereich, der für Alpiq und auch andere Schweizer Energiekonzerne traditionell wichtig war und der immer wieder in beträchtlichem Umfang zum Gewinn beigetragen hat.
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