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Sunday, September 6, 2026

Wer mit wem in Magdeburg?: Das sagt der Koalitionsrechner zur Wahl in Sachsen-Anhalt

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Wer mit wem in Magdeburg?Das sagt der Koalitionsrechner zur Wahl in Sachsen-Anhalt

06.09.2026, 18:28 Uhr

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Gebannt blickt Deutschland nach Sachsen-Anhalt. Welche Folgen ergeben sich aus den Ergebnissen der Landtagswahl? Erste Prognosen deuten es an: Die Verhältnisse im Magdeburger Landesparlament werden sich grundlegend verändern. Welche Koalitionen sind rein rechnerisch möglich?

Sachsen-Anhalt hat gewählt, die Wahllokale haben geschlossen: In dem Bundesland mit seinen rund 2,1 Millionen Einwohnern zeichnen sich veränderte Machtverhältnisse im Landtag ab. Die AfD fährt ersten Prognosen zufolge einen deutlichen Wahlsieg ein. Die CDU rutscht demnach ab auf Platz 2.

SPD und Linke liegen in den Prognosen bisher gleichauf. Sicher im Landtag werden voraussichtlich auch die Grünen vertreten sein. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) muss um den Einzug ins Landesparlament noch zittern. Die FDP dürfte deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Welche Koalitionsoptionen stehen in Sachsen-Anhalt theoretisch offen?

Hinweis: Die Infografiken zur Landtagswahl 2026 werden ab 18.00 Uhr mit dem Eintreffen der ersten Prognose laufend aktualisiert.

Der erst seit Januar amtierende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, konnte kaum darauf hoffen, die bisher regierende Koalition aus CDU, SPD und FDP ohne Anpassungen fortzusetzen. In den Umfragen hatten sich kräftige Einbußen für Schulzes CDU bereits abgezeichnet - und insbesondere auch für seine bisherigen Koalitionspartner. Vor allem die FDP entwickelt sich in Schulzes Koalitionsplanungen zum Sorgenkind: Der Wiedereinzug der Liberalen in den Landtag scheint gescheitert.

Welche Partei den Wählerauftrag zur Regierungsbildung beansprucht, ist noch offen: Der kräftige Vorsprung der Rechten lässt sich für den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund nur unter bestimmten Voraussetzungen in ein tragfähiges Bündnis übersetzen. Für die Rechtspopulisten reicht es voraussichtlich nicht zur absoluten Mehrheit. Siegmund müsste sich wohl mindestens einen Koalitionspartner suchen. Die Auswahl ist jedoch aufgrund der politischen Distanzen zu den übrigen Parteien eng begrenzt.

Zahl der Parteien im Parlament könnte sinken

Bisher waren im Magdeburger Landtag mit CDU, AfD, Linken, SPD, FDP und Grünen insgesamt sechs Fraktionen vertreten. Nach der Wahl könnte sich die Anzahl der Parteien im Landesparlament auf fünf verringern. Knapp wird es insbesondere für Wagenknechts BSW.

Dabei könnte dem Bündnis Sahra Wagenknecht eine entscheidende Rolle zukommen: Das aus einer Abspaltung von der Linkspartei hervorgegangene Projekt hofft, in Sachsen-Anhalt erstmals in den Landtag einzuziehen. BSW-Politiker signalisierten der AfD bereits im Vorfeld ihre Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit.

Aus den sich abzeichnenden Mehrheitsverhältnissen ergeben sich in Sachsen-Anhalt insgesamt neue politische Perspektiven. Der Koalitionsrechner skizziert mögliche Szenarien: Mit dem BSW im Landtag käme die AfD in Sachsen-Anhalt womöglich auf eine knappe Mehrheit der Sitze - falls es zu einer Koalition der AfD mit dem BSW käme. Ohne das BSW im Landtag zeichnet sich für die AfD - knapp - keine tragfähige Mehrheit ab.

Die Schwelle zur erforderlichen Mehrheit liegt regulär bei 42 Sitzen. Ein leichter Weg ins Amt des Ministerpräsident wäre es nicht: AfD-Spitzenkandidat Siegmund müsste selbst im Fall eines Wahlerfolgs des BSW eine schwer berechenbare Links-Rechts-Koalition mit starkem Einfluss der BSW-Führungsfigur Wagenknecht eingehen. Eine solche Kooperation ist selbst innerhalb der Rechtspartei umstritten.

Rechnerisch möglich sind wenig andere Konstellationen. Selbst Überlegungen, dass CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze an der AfD vorbei ein neues, breites Regierungsbündnis schmieden könnte, scheinen unter den bisherigen Mehrheitsverhältnissen laut Prognose schwierig. Schulze käme selbst mit SPD, Grünen und Linken auf keine erforderliche Mehrheit.

In der hypothetischen Direktwahlfrage schneidet Haseloff-Nachfolger Schulze in der Wählergunst besser ab als AfD-Mann Siegmund: 41 Prozent der Befragten würden Schulze wählen, wenn es in Sachsen-Anhalt eine Direktwahl gäbe, hieß es zum Beispiel bei Infratest dimap am 26. August. Für Siegmund würden sich demnach 39 Prozent entscheiden.

Wie könnte eine Regierungsmehrheit abseits der AfD in Sachsen-Anhalt aussehen? Eine einfache Lösung scheint bisher nicht in Sicht. Sollte Schulze mit der CDU eine Fortführung der Regierungsarbeit und das Amt des Ministerpräsidenten anstreben, müsste er sich dazu - in einem Landtag mit insgesamt sechs Parteien - neben der SPD wohl noch drei weitere Koalitionspartner suchen.

Ohne Liberale im Landtag bleibt den Christdemokraten womöglich nur der Weg in eine politisch schwer vorstellbare Vierer-Koalition mit SPD, Linken und BSW. In einem Fünf-Parteien-Landtag ohne BSW, aber mit den Grünen könnte es für Schwarz-Rot-Rot-Grün knapp reichen.

Unter Umständen könnte eine CDU-geführte Minderheitsregierung einen Ausweg bieten. Eine solche Konstellation gilt als Schulzes Wunschszenario. Die Rede ist in diesem Zusammenhang von einer "Mehrheit für der Parteien der Mitte", gemeint sind CDU, SPD und Grüne. Eine solche Minderheitsregierung wäre allerdings in allen Abstimmungen auf Unterstützung der Linken angewiesen - ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. Das Problem: Die CDU lehnt für sich in einem Parteitagsbeschluss eine Koalition und "ähnliche Formen der Zusammenarbeit" mit den Linken ebenso ab wie mit der AfD.

Überhang- und Ausgleichsmandate möglich

Die Prognosen sind allerdings noch lange nicht in Stein gemeißelt: Durch Überhang- und Ausgleichsmandate kann sich die Gesamtzahl der Abgeordneten je nach Wahlausgang erhöhen - wodurch sich auch die Schwelle zur Mehrheit entsprechend verschiebt.

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Der weitere Ablauf am Wahlabend erfolgt in den üblichen Schritten: Nach der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr dauert die Auszählung der Stimmen an. Im Laufe des frühen Abends dürften Meinungsforschungsinstitute ihre ersten, meist genaueren Hochrechnungen veröffentlichen. Auch in den Parteizentralen richten sich dann alle Augen auf die eintreffenden Zahlen. Im Fall eines klaren Wahlausgangs könnten sich die Spitzenkandidaten der Parteien schon früh zum Wahlausgang und möglichen Koalitionsaussichten äußern.

Spannend werden die Zahlen vor allem auch für das BSW mit der Frage, wie knapp das Bündnis über oder unter der Fünf.-Prozent-Hürde liegen. Im weiteren Verlauf des Abends werden die Hochrechnungen auf Basis der bis dahin eintreffenden regionalen Daten mehrfach überarbeitet und aktualisiert. Sollte das Ergebnis knapp ausfallen, könnte es eine äußerst spannende und lange Wahlnacht werden. Das vorläufige Auszählungsergebnis wird Landeswahlleiterin Christa Dieckmann voraussichtlich noch in den frühen Morgenstunden des 7. September bekannt geben. Spätestens dann werden die Menschen in Sachsen-Anhalt und in Deutschland wissen, für welche Richtung sich die Mehrheit der Wähler entschieden hat.

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