Boomendes EU-Land – Europa humpelt, Polen rennt: Das sind die Gründe

Boomendes EU-Land Europa humpelt, Polen rennt: Das sind die Gründe
Von der Werkbank zur Wirtschaftsmacht: Während andere Länder in Europa stagnieren, wächst Polen scheinbar ungebremst.
Vor zwanzig Jahren war Polen die verlängerte Werkbank Europas. Die Devise: billig produzieren, was der Westen bestellt. Heute ist Polen ein wirtschaftliches Schwergewicht.
Seit dem EU-Beitritt 2004 wächst die Wirtschaft so schnell wie kaum eine andere in Europa. Die Arbeitslosigkeit ist die tiefste in der ganzen EU.
Wirtschaftsschub durch Westintegration
Polens Wirtschaft gewinnt in Europa immer weiter an Gewicht: 2025 verzeichnete es das sechstgrösste Bruttosozialprodukt in der EU. Im vergangenen Jahr hat Polen beim BIP mit der Schweiz gleichgezogen. Allerdings leben dort auch über 36 Millionen Menschen.
Von zentraler Bedeutung für Polens Aufstieg sei die Westintegration des Landes, sagt der freie Journalist Jan Opielka: «Der Beitritt in die EU hat eine technologische und infrastrukturelle Aufholjagd eingeleitet.»
Dazu nehmen die Investitionen aus dem Ausland stetig zu. So produzieren auch immer Schweizer Firmen in Polen – inzwischen sind es über 200, die viele tausend Arbeitsplätze im Land schaffen. Laut Opielka sind vor allem vergleichsweise niedrige Lohnkosten attraktiv für Firmen aus dem Ausland.
In Polen gibt es einen relativ hohen Bildungsgrad mit gut ausgebildeten Fachkräften.
Am Tropf ausländischer Investitionen hängt Polen aber nicht: Laut Opielka gibt es im Land selbst immer mehr Firmengründungen und polnische Unternehmen sind international durchaus konkurrenzfähig. «Dazu kommt, dass es in Polen einen relativ hohen Bildungsgrad mit gut ausgebildeten Fachkräften gibt.»
Nicht alle profitieren vom Boom
Der Wirtschaftsboom hat allerdings auch Schattenseiten, wie der polnische Journalist anmerkt. So seien etwa die Rechte der Arbeitnehmenden weniger gut ausgestaltet als in vielen westeuropäischen Ländern.
Und: Die Wirtschaft wächst, die Kaufkraft steigt. Beim BIP pro Kopf – einem Indikator für den individuellen Wohlstand – liegt Polen aber weiterhin unter dem EU-Durchschnitt.
Auch politischer Einfluss nimmt zu
Gerade für Menschen weiter unten auf der sozialen Leiter sei die Situation schwierig, sagt Opielka. «Zudem ist der Wohnungsmarkt inzwischen sehr dereguliert. Das hat die Mieten für viele Menschen unerschwinglich gemacht – gerade in den Zentren der Grossstädte.»
Dennoch: Opielka geht davon aus, dass sich Polens Wirtschaft weiterhin gut entwickeln wird. «Und auch politisch nimmt das Land eine immer bedeutendere Rolle in Europa ein – auch durch seine geopolitische Lage und die Nähe zur Ukraine.»
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