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Saturday, November 7, 2026

Biodiversität und Klimaschutz – Indien kämpft mit künstlichen Korallenriffen gegen Insel-Erosion

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Biodiversität und Klimaschutz Indien kämpft mit künstlichen Korallenriffen gegen Insel-Erosion

Künstliche Riffe, angesiedelte Korallen und renaturiertes Seegras sollen Inseln vor dem Meer retten.

07.11.2026, 21:38

Vor Südindiens Küste kämpfen 21 Inseln gegen das Versinken: Neue Riffe, angesiedelte Korallen und renaturiertes Seegras sollen sie vor dem Meer retten. Denn ohne Seegras gibt es weniger Fische und damit weniger Ertrag für die Fischer.

Und die Korallenriffe wirken als natürliche Wellenbrecher: Sie schützen auch das südindische Festland vor verstärkten Sturmfluten durch den Klimawandel.

Die 21 Inseln vor der südindischen Küste sind unbewohnt. Doch wenn sie im Meer verschwinden, hat das dramatische Auswirkungen auf Menschen und Tiere. Rund um die Inseln befinden sich üppige Seegrasflächen, die wichtig sind für die Biodiversität.

Im dichten Seegras sind Laich-, Brut- und Aufwuchsgebiete für viele Fischarten und andere Meeresbewohner. Deshalb stehen die Inseln unter strengem Naturschutz.

Schwimmende Arbeitsplattform mit Bagger und Stahlkonstruktionen auf dem Meer.
Legende: Elementen aus Beton werden als künstliche Riffe genutzt. AFP

Doch diese Biotope sind gefährdet. Durch den Klimawandel, steigende Meeresspiegel und Sturmfluten verlieren die Inseln an Landfläche. Die Insel Kariyachalli hat bereits 80 Prozent Landfläche verloren. Zwei andere Inseln sind im Meer verschwunden.

Ihr Untergang muss gestoppt werden, darin sind sich der indische Staat und die Wissenschaft einig. Deshalb werden nun über 8000 künstliche Riffmodule vor Kariyachalli im Meer versenkt. Tonnenschwere Konstruktionen werden an sorgfältig ausgewählten Stellen auf dem Meeresboden platziert. Die Riffe brechen die Kraft anrollender Wellen. Dafür wurden Strömungen, Meeresbodenverhältnisse und Wellenmuster einberechnet.

Resistentere Korallenarten

Auf der Oberfläche der künstlichen Riffe bringen Taucher neue Korallen an. Es sind Korallenarten, die resistenter sind, und die steigenden Meerestemperaturen wegen des Klimawandels eher überleben.

Das Projekt ist teuer und kostet umgerechnet über 140 Millionen Franken. Finanziert wird das zum grossen Teil von der Weltbank, aber auch vom indischen Staat.

Die zuständige Beamtin Supriya Sahu des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu erklärt, dass das Projekt eben auch viele Vorteile vereint. Die Bevölkerung sei dort von der Küstenwirtschaft abhängig: «Wir müssen deren Widerstandsfähigkeit sichern, etwa gegen Erosion, Sturmfluten, Hochwasser und Zyklone oder den Anstieg des Meeresspiegels», erklärt sie.

Es sei ein beispielhaftes Projekt – weil es ganzheitlich aufgebaut sei und mehrere Ziele gleichzeitig verfolge, so die Einschätzung von SRF-Klimaexperte Klaus Amman:

«Klimaschäden reduzieren, die Artenvielfalt fördern und gleichzeitig das wirtschaftliche Überleben der Küsten-Bewohner sichern – das Projekt verbindet vieles. Umgerechnet kostet das Projekt rund 144 Millionen Franken. Das ist viel Geld – doch letztlich ist es günstiger, in präventive Massnahmen zu investieren, als später die Schäden zu bezahlen, die durch den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität entstehen. Allerdings überleben auch die neuen Riffe nur, wenn die Erderwärmung gestoppt werden kann.»

Taucher bringen am Meeresboden auch Gerüste für neue Seegraswiesen an. Dabei helfen die einheimischen Fischer und Salzarbeiterinnen, die sich so nebenbei einen Zusatzverdienst erarbeiten.

Anpflanzen von Seegras

Die Helfer fahren per Boot zur schrumpfenden Insel Kariyachalli hinaus und zimmern dort Tausende hölzerne Rahmen. An diesen werden anschliessend Tausende Seegras-Triebe in aufwändigster Handarbeit befestigt. Diese Rahmen werden dann von Tauchern am Meeresboden verankert, wo später Seegraswiesen entstehen. Sie sollen wieder Brutgebiete für Fische ermöglichen.

Langfristig soll das Projekt die lokale Wirtschaft unterstützen: rund 100’000 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Vorgesehen ist auch die Schulung von 70’000 Menschen im Bereich des nachhaltigen Öko-Tourismus.

Durch die künstlichen Riffe konnte die Erosion bei der Nachbarinsel Vaan bereits gestoppt werden. Dort wurden rund 10'000 Riffmodule auf dem Meeresboden verankert – welche die Wellen brechen. Und auf Shingle Island überstanden die neu gepflanzten Korallen die gefürchtete Korallenbleiche (durch marine Hitzewellen) besser als ältere Kolonien.

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