Israel sieht Rückhalt schwinden
Constanze Stelzenmüller, Expertin für Außen- und Sicherheitspolitik, rät Europa, aus einer Position der Stärke heraus Gespräche zu suchen, und sich für eine rationale Handelspolitik einzusetzen.
04.11.2026 | 6:20 minEs war der Versuch Donald Trumps, eine symbolträchtige Entscheidung so aussehen zu lassen, als sei sie eine Lappalie: "Israel braucht unser Geld nicht", konstatiert der US-Präsident am Tag der Midterms. Gemeint ist die Militärhilfe, mit der die USA Israel stets unterstützt hatten - rund vier Milliarden Dollar pro Jahr. "
Wir werden nicht mehr bezahlen.
Donald Trump, US-Präsident
Das sagte der US-Präsident - der ganz offen davon sprach, dass die amerikanischen Wähler dies nicht mehr wollten.
Israel überrascht von Ankündigung
Anders als von den USA suggeriert, sorgte die Ankündigung in Israel für eine ziemliche Überraschung. Medienberichten zufolge zeigten sich Regierungsvertreter "erstaunt" über diesen Schritt.
Zwar hatte Premierminister Netanjahu wiederholt gefordert, Israel müsse sich langfristig unabhängiger von amerikanischer Unterstützung machen. In derartigen Statements schien aber das Wort "langfristig" mindestens so stark gewichtet wie das Wort "unabhängig". Die Rede war eher von einem schrittweisen Ausstieg aus der Militärhilfe.
Sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat gewinnen die Demokraten eine Mehrheit. Selbst einige Hochburgen der Republikaner gehen bei den Midterms dieses Mal an die Rivalen.
05.11.2026 | 2:00 minWie man es dreht und wendet: Die Botschaft, die viele Israelis dem Verhalten Trumps entnehmen können, lautet: Eine Abkehr von Israel könnte sich politisch auszahlen. Das schmerzt. Die Zäsur hatte sich dann auch unmittelbar nach der Wahl angekündigt.
So verwies US-Vizepräsident Vance auf Umfragen unter einstigen Trump-Wählern. Darin wünschten sich viele eine Veränderung der amerikanisch-israelischen Beziehungen. Jahrzehntelang galt die Unterstützung Israels in der amerikanischen Politik als überparteilicher Konsens. Jetzt nicht mehr.
Der Blick auf Israel verändert sich
Besonders sichtbar wird die Veränderung der politischen Landschaft im neu gewählten Kongress. Mit Abdul El-Sayed aus Michigan zieht ein Politiker in den Senat ein, der die bisherige US-Politik gegenüber Israel scharf kritisiert. Er fordert schon lange ein Ende der Militärhilfe und argumentiert, amerikanische Steuergelder sollten für Projekte im eigenen Land ausgegeben werden.
Trump nutze jetzt die Außenpolitik, um in der Diskussion zu bleiben, so Politikwissenschaftler Prof. Christian Lammert. Die Berechenbarkeit seiner Außenpolitik würde damit noch weiter schwinden.
04.11.2026 | 17:31 minAll das kommt für die Regierung Netanjahu zur Unzeit. Wie in Amerika haben auch hier in Israel wichtige Parlamentswahlen stattgefunden. Auch hier geht es womöglich um einen deutlichen Kurswechsel in der bisherigen Politik. Und so kann es kaum verwundern, dass nicht nur der wichtigste Herausforderer Netanjahus, Gadi Eisenkot, das Abrücken der USA von Israel für seine Zwecke nutzt.
Opposition greift Netanjahu scharf an
"Die Tatsache, dass das Verteidigungsestablishment ebenso wie die israelischen Bürger aus den Medien von einer Veränderung der strategischen Beziehungen zu den USA erfährt, zeigt, wie sehr Netanjahus Verhalten eine echte Gefahr darstellt", erklärte Eisenkot in einer Stellungnahme. "Man kann ihm nicht mehr vertrauen, und er muss abgelöst werden."
Kein Lager hat die Mehrheit
:Wahl in Israel: Alle Stimmen ausgezählt - Patt bleibtDie erwartete Patt-Situation nach der Wahl in Israel hat sich bestätigt. Nach Auszählung aller Stimmen haben beide großen politischen Lager die absolute Mehrheit verfehlt.
mit Video4:00
Yair Golan, Vorsitzender der Demokratischen Partei, kritisiert Netanjahu ebenfalls scharf und schreibt auf X: "Gerade zu einem Zeitpunkt, an dem Israels Verteidigungsausgaben enorme Ausmaße erreicht haben (…) und nachdem die Luftabwehrkapazitäten nach einem so langen Krieg erschöpft sind - verbucht Netanjahu einen weiteren massiven Misserfolg auf sein Konto."
Sonderstellung nicht mehr selbstverständlich
Die Kritik wirkt in Teilen übertrieben. Denn von einem Bruch der Beziehungen zwischen den USA und Israel kann im Moment keine Rede sein. Die militärische Zusammenarbeit, die Geheimdienstkooperation und die strategischen Interessen beider Staaten bleiben eng miteinander verknüpft. Was aber gerade die Midterms gezeigt haben, ist, dass Israels Sonderstellung in den USA nicht mehr selbstverständlich ist.
Nach dem Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat Shakuntala Banerjee die Stimmung in der Hauptstadt Washington eingefangen.
04.11.2026 | 2:23 minÜber dieses Thema berichtete unter anderem das ZDF spezial am 04.11.2026 ab 19:25 Uhr.
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