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Sunday, November 1, 2026

Bestattungswegweiser hilft – Wenn der Tod kommt und niemand vorbereitet ist

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Bestattungswegweiser hilft Wenn der Tod kommt und niemand vorbereitet ist

Nach einem Todesfall müssen Angehörige oft schnell Entscheidungen treffen. Ein neuer digitaler Bestattungswegweiser gibt eine erste Orientierung.

01.11.2026, 16:14

Die Familie sitzt beim Trauergespräch bei der Gemeinde. Die Mutter ist gestorben. Jetzt müssen die Angehörigen Entscheidungen treffen: Soll sie kremiert oder erdbestattet werden? Familiengrab oder Gemeinschaftsgrab? Niemand weiss genau, was die Verstorbene gewollt hätte.

Digitale Hilfe im Trauerfall

Solche Situationen stehen im Mittelpunkt eines neuen digitalen Bestattungswegweisers, der in den Gemeinden Thalwil ZH, Illnau-Effretikon ZH, Menzingen ZG und Muri AG getestet wird.

Die Onlineplattform soll Angehörige nach einem Todesfall durch die wichtigsten organisatorischen Fragen führen. Sie erklärt Bestattungsformen, zeigt die Möglichkeiten in einer Gemeinde auf und hilft, sich auf das Gespräch mit dem Bestattungsamt vorzubereiten.

Engelsstatue auf einem Friedhof vor Grabsteinen.
Legende: Der digitale Bestattungswegweiser steht den Pilotgemeinden kostenlos zur Verfügung. Finanziert wird die Arbeit an der Plattform durch Beiträge von Stiftungen. Keystone/Regina Kühne

Hinter dem Projekt steht Fabian Biasio, Gründer der Plattform «Letzte Reise». Die Idee entstand aus einer persönlichen Erfahrung. Als sein Vater auf der Palliativstation des Universitätsspitals Zürich starb, verbrachte Fabian Biasio viel Zeit an dessen Krankenbett.

Erst in dieser Situation wurde ihm bewusst, wie wenig er über die Abläufe nach einem Todesfall wusste. Aus dieser Erfahrung entwickelte er die Informationsplattform «Letzte Reise» – und später den digitalen Bestattungswegweiser.

Der Wegweiser soll vor allem bei der ersten Orientierung helfen. Laut Fabian Biasio liegt ein wesentlicher Vorteil darin, dass wichtige Informationen jederzeit verfügbar seien und man nicht an die Öffnungszeiten einer Gemeindeverwaltung gebunden sei.

Wenn der Abschied zum Verwaltungsakt wird

Die Praxis zeigt aber, dass die grössten Schwierigkeiten oft schon vor den administrativen Fragen beginnen. Marcel Frei, Leiter des Bestattungsamts Thalwil, erlebt regelmässig, wie überfordert Angehörige nach einem Todesfall sind.

Viele wüssten nicht, wie es weitergeht oder welche Entscheidungen sie treffen sollen. Bereits die Wahl zwischen Kremation und Erdbestattung könne zur Herausforderung werden. Nicht selten entstehen Diskussionen darüber, was die verstorbene Person gewollt hätte. Manchmal müsse das Bestattungsamt sogar zwischen den Angehörigen vermitteln, sagt Marcel Frei.

Ähnliche Erfahrungen macht der Zürcher Bestatter Urs Gerber. Wenn er mit seinem Team eine verstorbene Person abholt, sind viele Angehörige schon bei einfachen Fragen verunsichert. Was soll die verstorbene Person anziehen? Welche Kleidung hat sie gern getragen?

Oft beginne die Unsicherheit schon bei solchen Details. Für Urs Gerber ist das ein Zeichen dafür, dass der Tod in der heutigen Gesellschaft weitgehend aus dem Alltag verschwunden sei. Früher sei zu Hause gestorben und Abschied genommen worden. Heute werde das Thema oft verdrängt.

Viele Familien sprechen kaum oder nie darüber, wie sie sich eine Bestattung oder eine Abdankung vorstellen. Kommt es dann zu einem Todesfall, können unterschiedliche Vorstellungen innerhalb der Familie aufeinander treffen.

Der digitale Bestattungswegweiser kann solche Konflikte nicht verhindern. Er liefert jedoch Antworten auf organisatorische Fragen und ermöglicht es Betroffenen, sich in Ruhe auf Gespräche mit Behörden und Bestattungsunternehmen vorzubereiten.

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