«Kriegserklärung»: Eskaliert die Lage am Horn von Afrika erneut?

- Die Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea am Horn von Afrika haben sich mit gegenseitigen Kriegsvorwürfen weiter verschärft.
- Eritreas Informationsminister bezeichnet eine äthiopische Forderung aus 2023 als «Kriegserklärung»; die EU warnt vor einer Eskalation.
- Schätzungen zufolge halten sich bis zu 8000 eritreische Soldaten in der nordäthiopischen Region Tigray auf.
Die Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea in Ostafrika haben sich mit einem verbalen Schlagabtausch und Kriegsrhetorik zwischen den beiden Nachbarländern weiter verstärkt. Der eritreische Informationsminister Yemane Gebremeskel warf dem äthiopischen «Regime» am Freitag im Onlinedienst X vor, es führe seit mehr als drei Jahren einen «nicht provozierten Angriffskrieg gegen Eritrea».
Der äthiopische Aussenminister Gedion Timothewos hatte zuvor erklärt, die Stationierung eritreischer Soldaten in der nordäthiopischen Grenzregion Tigray sei ein «klarer Akt der Aggression, der die Ausübung des äthiopischen Rechts auf Selbstverteidigung rechtfertigt».
Bis 8000 Eritrea-Soldaten in Nordäthiopien
Das Schreiben war am Donnerstag an die französische Vertretung bei den Vereinten Nationen geschickt worden. Aus Diplomatenkreisen wurde der Nachrichtenagentur AFP bestätigt, dass das Dokument an alle Mitglieder des UN-Sicherheitsrats geleitet worden sei. Aus internationalen Sicherheitskreisen erfuhr AFP, dass sich Schätzungen zufolge bis zu 8000 eritreische Soldaten in der nordäthiopischen Region Tigray aufhalten.
International wächst die Furcht vor einer Ausweitung des Konflikts am Horn von Afrika. Ende vergangener Woche hatten äthiopische Regierungstruppen im Tigray-Konflikt offenbar die volle Kontrolle über die Hauptstadt der Rebellen-Provinz übernommen. Die Führung und Kämpfer der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) hatten Mekele verlassen.
Auf dieses Gebiet konzentrieren sich die Kämpfe
Die Kämpfe im Norden Äthiopiens waren am 23. September wieder aufgeflammt. Die TPLF startete Angriffe in den an Tigray angrenzenden Provinzen Amhara und Afar, wurde aber von Regierungstruppen und verbündeten Milizen zurückgedrängt.
Äthiopien wirft Eritrea, dem Sudan und Ägypten vor, die TPLF zu unterstützen. Die drei Länder weisen dies zurück. Äthiopien wiederum sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, die RSF-Miliz im Sudan zu unterstützen.
Die TPLF hatte Äthiopien von 1991 bis 2018 dominiert, verlor mit dem Aufstieg von Ministerpräsident Abiy Ahmed aber ihren Einfluss auf die Zentralregierung. Im April vertrieb sie die von der Zentralregierung eingesetzte Verwaltung aus Tigray und übernahm dort wieder faktisch die Kontrolle.
Blutiger Konflikt forderte 600'000 Tote in zwei Jahren
Im Krieg zwischen der äthiopischen Armee und der TPLF von November 2020 bis November 2022 waren nach Schätzungen der Afrikanischen Union wahrscheinlich mehr als 600'000 Menschen getötet worden. Eritrea hatte sich Anfang der 90er Jahre nach einem drei Jahrzehnte währenden Krieg von Äthiopien abgespalten. 1993 erklärte es sich für unabhängig.
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Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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