1,6 Mio. Parkgebühr: Dieser Jet hebt wohl nie mehr von Genf ab

- Ein Aeroflot-Airbus A321 steht seit dem 27. Februar 2022 am Genfer Flughafen fest.
- Der Eigentümer, eine russische Leasinggesellschaft in Liquidation, bezahlt 30’000 Franken pro Monat für den Abstellplatz.
- Über 1600 Tagen sind damit mehr als 1,6 Millionen Franken Parkgebühren aufgelaufen.
Ein seit fast viereinhalb Jahren in der Schweiz gestrandetes Flugzeug zerfällt am Flughafen Genf zunehmend. Der Airbus A321 der Aeroflot mit dem Kennzeichen VP-BOE landete am 27. Februar 2022 in Genf-Cointrin. Wegen der EU-Luftraumsperre konnte er nicht mehr nach Russland zurückfliegen. Sein Eigentümer, eine russische Leasinggesellschaft, befindet sich inzwischen in Irland in Liquidation. «Der Eigentümer bezahlt Parkgebühren von 30’000 Franken pro Monat», sagt Jean-François de Saussure, Generaldirektor des Flughafens, gegenüber «Le Temps».
Der Flieger steht nun seit 1658 Tagen auf dem Abstellplatz P48, in dieser Zeit wurde er nur einmal bewegt. Auf seinem Rumpf steht «Г. Вишневская» – Galina Wischnewskaja war eine berühmte russische Opernsängerin, die 2012 starb. Der nach ihr benannte Airbus A321 der Aeroflot wird wohl nie mehr von Genf abheben.

Am Ende der Startbahn gestoppt
Am 27. Februar 2022 landete das Flugzeug kurz vor 15 Uhr aus Moskau in Genf. Noch am selben Nachmittag sollte es wieder starten. Die Maschine war bereits vollgetankt, Passagiere und Essen schon an Bord. Dann kündigten die EU-Staaten wegen des Kriegsbeginns in der Ukraine an, ihren Luftraum für russische Fluggesellschaften sofort zu schliessen.
Die Behörden stoppten die Maschine am Ende der Startbahn. Passagiere und Besatzung mussten aussteigen. Danach wurde das Flugzeug auf dem Abstellplatz P48 abgestellt. Nur einmal wurde die Maschine seither bewegt: Im Juni 2022 brauchte die Schweizer Luftwaffe den Platz P48 für eine UNO-Konferenz, deshalb wurde das Flugzeug an seinen heutigen Standort verschoben.
Parkgebühren von über 1,6 Millionen Franken
Pro Tag kostet der Abstellplatz umgerechnet 984 Franken. Seit dem 27. Februar 2022 sind damit mehr als 1,6 Millionen Franken angefallen. Ob die Gebühren durchgehend bezahlt wurden, wollte der Flughafen gegenüber «Le Temps» nicht bestätigen.
Genutzt wurde das Flugzeug von der grössten russischen Fluggesellschaft Aeroflot, Eigentümerin war jedoch die russische Leasinggesellschaft GTLK mit ihrer Tochterfirma GTLK Europe DAC in Dublin. Viele Linienflugzeuge gehören Leasingfirmen. Auch ein grosser Teil der Flotten von Easyjet und Swiss ist geleast.
Maurin Vonplon (mav), Jahrgang 2006, arbeitet seit August 2026 bei 20 Minuten als Praktikant im Ressort Bern.
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