Geheimdaten zeigen Radiologen-Löhne: Baume-Schneider ist empört

- Die Westschweizer Radiologiefirma 3R wurde gehackt – geleakte Daten zeigen Millionenumsätze und Luxuslöhne.
- Angestellte Radiologen erhalten standardmässig 300'000 Franken Bruttolohn pro Jahr, einzelne deutlich mehr.
- Die Firma sagt, sie orientiere sich an den Löhnen der Uni-Spitäler.
Die in der Westschweiz tätige Radiologiefirma 3R (Réseau de radiologie romand) wurde im April bereits zum zweiten Mal Opfer eines Hackerangriffs. Die Hacker stellten Daten ins Netz, die zeigen, wie lukrativ das Geschäft mit MRT-Untersuchungen ist. Der «Beobachter» schreibt unter Bezug auf die geleakten Daten von der «zuverlässigsten Gelddruckmaschine im Schweizer Gesundheitssystem».
Die 3R-Gruppe erzielte demnach unter anderem mit den Bildern aus der Röhre zur Erkennung von Tumoren, Brüchen oder Gefässverschlüssen im Jahr 2023 einen Umsatz von 77,4 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen belief sich auf 12,9 Millionen Franken.
Standardmässig 300'000 Franken plus Boni
Die Daten zeigen auch die Löhne auf. So erhielten die angestelten Fachärztinnen und Fachärzte standardmässig einen Brutto-Jahreslohn von 300'000 Franken. Bei manchen lag aber noch deutlich mehr drin. So bekam ein Radiologe mit Standortleiter-Funktion 285'000 Franken im Jahr, arbeitete aber nur mit einem 60-Prozent-Pensum. Hochgerechnet auf 100 Prozent wäre das ein Jahreslohn von 475'000 Franken.
Eine Kollegin mit einem 25-Prozent-Pensum erhielt 90'000 Franken. Damit bekommt sie mit anderthalb Tagen Arbeit pro Woche mehr als den Schweizer Medianlohn von 84'300 Franken für eine Vollzeitstelle.
Noch nicht eingerechnet sind die umsatzabhängigen Boni. Diese sollen sich laut Bericht auf 18 Prozent des zusätzlich erzielten Umsatzes belaufen, wenn sie ihre persönlichen Jahresziele übertreffen. So soll ein Radiologe im Jahr 2025 neben dem Grundgehalt von 400'000 Franken fast 200'000 Franken Boni erhalten haben.
Hauptsächlich von Grundversicherung finanziert
Als erstes Medium berichtete das Westschweizer Fernsehen «RTS» Ende Juni über die geleakten Löhne. Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider bezeichnete gegenüber dem Sender die Gehälter und besonders die umsatzgetriebenen Boni «schwer akzeptabel». Denn die Vergütung wird zum grössten Teil mit Geldern aus der Grundversicherung finanziert.
Baume-Schneider sagte: «Wenn es finanzielle Anreize gibt, mehr Untersuchungen durchzuführen, stehen wir im völligen Widerspruch zum Geist des Krankenversicherungsgesetzes und zur Kosteneindämmung. Man sieht, dass das nicht legal ist.» Auch der Krankenkassenverband Prioswiss und selbst der Ärzteverband FMH zeigten sich kritisch gegenüber umsatzabhängigen Bonussystemen.
Was denkst du über die hohen Gehälter und umsatzabhängigen Boni für Ärzte, die durch die Grundversicherung finanziert werden?
Die Firma verteidigt das Vergütungssystem gegenüber dem «Beobachter» damit, dass sie keine Boni im eigentlichen Sinn auszahle, sondern lediglich variable Lohnbestandteile. Sie seien eine Entschädigung für die Radiologen, die bereit seien, mehr zu arbeiten als andere.
Die Entschädigung sei auch kein Ansporn, mehr zu machen, als medizinisch notwendig, weil das schon systembedingt nicht möglich sei.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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