Legendärer Nirvana-Videoclip – Der Tag, als Nirvana das «Smells Like Teen Spirit»-Video drehte

«Nirvana braucht DICH für ihr neues Musikvideo», stand auf dem Flyer, den die Band zwei Tage vor dem Dreh bei ihrem Konzert im Roxy Los Angeles im Publikum verteilte. Rund 40 Statistinnen und Statisten erschienen gegen Mittag in einer leeren Studiohalle ausserhalb von Los Angeles.
Inspiriert zum Videoclip wurde Kurt Cobain vom Teenager-Kultfilm «Over the Edge» von Jonathan Kaplan aus dem Jahr 1979, dem ersten Film mit Matt Dillon, in dem Jugendliche einer High School eine ganze Stadt verwüsten. Ausserdem liebte er den Film «Rock & Roll Highschool», in dem die Ramones mitwirkten.
Als Regisseur des Videos wählte die Plattenfirma «Geffen Records» Samuel Bayer, einen Absolventen der New Yorker «School of Visual Arts». Es war sein allererster Job. Bayer führte sich am Filmset von Anfang an auf wie ein strenger Lehrer, rügte Statisten, versuchte, Band und Publikum im Zaum zu halten.
Courtney Love: «Kurt hasste den Regisseur»
«Es war wie in der Schule», sagte Kurt Cobain in der Biografie «Come as you are: The Story of Nirvana» über den Regisseur. «Kurt hasste Sam Bayer», erzählte Cobain-Witwe Courtney Love dem New York Magazine. «Für ‹Teen Spirit› wollte Kurt dicke Cheerleader, er wollte schwarze und weisse Jugendliche. Er wollte der Welt zeigen, wie beschissen die High School ist – aber Bayer hat heisse Mädels ins Video gepackt. Das Verrückte ist: Es hat trotzdem funktioniert.»
Statisten ausser Rand und Band
«Der Regisseur hatte ein lautes Megafon», erinnerte sich Schlagzeuger Dave Grohl gegenüber «Newsweek». «Als der erste Refrain kam, war das Publikum völlig ausser Rand und Band. Aber der Regisseur schrie herum, sie sollten sich alle beruhigen, sonst würden sie hinausgeschmissen.»
Je länger der Dreh dauerte, desto genervter war die Band, und die Statistinnen langweilten sich. Kurt Cobain trank Whiskey zwischen den Einstellungen. Irgendwann forderte er das Publikum selbst auf, von der Tribüne runterzukommen und sich unter die Band zu mischen.
«Video war entscheidend für den Erfolg des Songs»
Cobain überzeugte Regisseur Bayer, dass das Video in totaler Anarchie enden müsse. Die Statisten stürmten das Set und begannen, alles auseinanderzunehmen. Auch die Instrumente wurden zerstört. Aus diesem Tumult wurde die letzte Minute des Videos, und Kurt Cobain hatte seine Unabhängigkeit gegenüber Management und Plattenfirma erneut unter Beweis gestellt.
«Das Video war der entscheidende Faktor für den Erfolg des Songs», erzählte Dave Grohl dem Musikmagazin «NME». Nachdem es im September zum ersten Mal auf MTV lief, begann der Hype um Nirvana so richtig.
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