Kobe (18) fand Goldschatz – beim Finderlohn stehen alle Schlange

- Der 18-jährige Kobe Philips entdeckte bei Bauarbeiten in Dendermonde einen Goldschatz im Wert von rund neun Millionen Euro.
- Wem das Gold gehört, ist unklar – mögliche Erben der früheren Eigentümerfamilie Van Assche sowie die belgischen Steuerbehörden melden Ansprüche an.
- Anwalt Luc Stolle hält zehn Prozent Finderlohn – rund 900'000 Euro – für eine grosszügige, aber mögliche Lösung für Kobe und seine Kollegen.
Der Belgier Kobe Philips sollte seinen Job bei der Baufirma De Brand in Dendermonde wohl vorerst behalten. Der 18-Jährige stiess vergangenen Dienstag bei Arbeiten an einem alten Gebäude auf einen verborgenen Goldschatz im Wert von rund neun Millionen Euro. Der Student hofft «natürlich auf einen Finderlohn». Bis er tatsächlich Geld sieht, könnte es allerdings lange dauern.
Zunächst muss geklärt werden, wem der Schatz überhaupt gehört. Wie die belgische Zeitung HLN berichtet, stammt das Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert. Es gehörte einst der Familie des Unternehmers Theophilus Van Assche, die dort ab 1899 eine Brauerei betrieb. Diese wurde 1970 geschlossen.
Heute wird das Gebäude von der Wohlfahrtsorganisation CAW Ostflandern renoviert. Geplant sind Büros und Wohnungen. Doch der überraschende Fund wirft nun komplizierte Eigentumsfragen auf. «Die neun Millionen Euro könnten immer noch in den Händen entfernter Erben oder der belgischen Steuerbehörden landen», schreibt HLN.

Viele hoffen auf einen Anteil
Ganz leer dürfte Kobe dennoch nicht ausgehen. Der 18-Jährige sollte an jenem Tag gemeinsam mit seinen Arbeitskollegen ein Rohr für die Abwasseranlage des Gebäudes verlegen. Dafür mussten die Arbeiter einen Teil des Fundaments entfernen – und stiessen dabei auf den Schatz.
Nun hoffen auch Kobes Kollegen auf einen Anteil an einem möglichen Finderlohn. Ansprüche könnten zudem der Bauleiter und die Baufirma geltend machen. Ihre Begründung: Schliesslich hätten sie Kobe mit den Arbeiten beauftragt.
Selbst der Architekt könnte sich in die Reihe der möglichen Anspruchsteller einreihen, erklärt der Genter Anwalt Luc Stolle gegenüber HLN. Ohne dessen Plan wäre das Gold schliesslich womöglich nie entdeckt worden. So entstehe schnell «ein Geflecht aus Beteiligten und Leuten, die meinen, einen Anteil zu beanspruchen».
Zehn Prozent Finderlohn?
Stolle sieht für Kobe und seine Kollegen dennoch gute Chancen auf eine Belohnung. Entscheidend sei, dass sie weder Mieter noch Eigentümer des Gebäudes seien. Deshalb komme für sie eine Finderprovision infrage.
Wie hoch diese ausfällt, ist allerdings nicht festgelegt. Das Gesetz verlangt laut Stolle lediglich eine «angemessene» Entschädigung. Feste Prozentsätze gibt es nicht. Zehn Prozent – bei neun Millionen Euro immerhin 900'000 Euro – wären aus Sicht des Anwalts eine grosszügige Lösung. Dabei handle es sich jedoch lediglich um seine persönliche Einschätzung. Kommt es zum Streit, müsste ein Gericht über die Höhe entscheiden.

Suche nach Erben könnte Jahre dauern
Zuvor beginnt allerdings die Suche nach dem rechtmässigen Eigentümer. Die Gemeinde sei verpflichtet, mögliche Besitzer oder Erben ausfindig zu machen, erklärt Stolle. Dabei könnten selbst entfernte Verwandte wie Cousins infrage kommen.
Meldet sich ein Erbe, würde das Gold als Erbschaft behandelt und entsprechend besteuert. Bei einem Vermögen dieser Grössenordnung könne ein Steuersatz von 55 Prozent anfallen.
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Findet sich während fünf Jahren niemand, könnte wiederum der heutige Eigentümer des Gebäudes Ansprüche auf den Schatz erheben. Die Steuerbehörden dürften laut Stolle zuvor allerdings genau prüfen, woher das Gold ursprünglich stammt und wie es erworben wurde.
Heimlich einstecken wäre keine gute Idee gewesen
Dass Kobe nichts von dem Gold heimlich an sich genommen hat, hält der Anwalt für ausgesprochen vernünftig. Einen Schatz dieser Grössenordnung unbemerkt zu Geld zu machen, wäre praktisch unmöglich.
Millionenbeträge könnten nicht einfach bar ausgezahlt werden, weshalb digitale Transaktionen nötig wären. Banken wiederum seien verpflichtet, verdächtige Geldbewegungen den zuständigen Behörden zur Bekämpfung von Geldwäsche zu melden. Wer plötzlich mit Gold im Millionenwert auftaucht, «sollte deshalb eine überzeugende Erklärung für dessen Herkunft haben».
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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