Schlaganfall kurz vor der Trauung – Anna (25) heiratet trotzdem

- Anna (25) erlitt am Morgen ihrer Hochzeit in den USA einen Schlaganfall und musste mit dem Helikopter ins Spital nach Rochester (New York) geflogen werden.
- Trotz Schwindel, Sehverlust und Sprachproblemen gab sie ihrem Bräutigam Connor (27) noch das Jawort, bevor sie ins Spital fuhr.
- Ursache war eine spontane Vertebralisdissektion – einen klaren Auslöser fanden die Ärzte nicht. Anna absolviert inzwischen täglich mehrere Stunden Physio- und Ergotherapie.
Am Morgen ihrer Hochzeit fühlt sich Anna noch völlig normal. Sie macht sich für die Trauung fertig, sitzt beim Hairstyling – dann wird ihr gegen 12 Uhr plötzlich schwindlig. Zunächst denkt sie sich nicht viel dabei.
Doch etwa eine Stunde später verändert sich alles. Anna hört ein lautes Summen im linken Ohr, der Raum beginnt sich zu drehen. Sie kann nicht mehr alleine stehen und kaum noch richtig sprechen. «Es fühlte sich an, als wäre ich betrunken», erzählt die 25-Jährige gegenüber 20 Minuten. Schmerzen oder Kopfschmerzen hat sie keine.
Zunächst denken alle an eine Panikattacke
Auch deshalb vermutet zunächst niemand einen Schlaganfall. Anna bezeichnet sich selbst als eher ängstlichen Menschen. Als Personen um sie herum sagen, Sehstörungen, Taubheitsgefühle und Probleme beim Sprechen könnten zu einer Panikattacke passen, erscheint ihr das zunächst plausibel.
Eine ihrer Brautjungfern ist Krankenschwester und überprüft Anna sogar auf typische Anzeichen eines Schlaganfalls. Doch ihr Gesicht hängt nicht auffällig, sie kann die verlangten Wörter wiederholen und zu diesem Zeitpunkt mit beiden Händen gleich stark zudrücken.
Trotzdem merkt Anna zunehmend: Das hier ist keine normale Nervosität. «Ich wusste, dass ich nervös war – aber nicht so nervös, dass sich meine Symptome dadurch erklären liessen.»
Sie geben sich trotzdem das Jawort
Anna und Connor entscheiden sich schliesslich, zumindest eine kurze Trauung durchzuführen. Anna ist währenddessen bei vollem Bewusstsein und versteht, was um sie herum passiert.
Geniessen kann sie den Moment allerdings kaum. Sie weint, weil sie bereits weiss, dass dieser Tag nicht mehr die Hochzeit werden wird, die sie sich vorgestellt hatte. Erinnern kann sie sich bis heute an alles.
Auch Connor spürt, dass etwas nicht stimmt. Gleichzeitig klammert er sich zunächst an die Hoffnung, dass tatsächlich nur die Aufregung hinter den Symptomen steckt. Als sich Annas Zustand nach rund drei Stunden noch immer nicht verbessert hat, fahren sie ins Spital.
«Plötzlich ging es um Leben und Tod»
Dort wird sofort ein CT gemacht. Rund 30 Minuten später steht fest, dass Anna in ein grösseres Spital gebracht werden muss. Ein Helikopter fliegt sie nach Rochester im US-Bundesstaat New York.
Für Connor verändert sich in diesem Moment alles. Als die Ärzte ihnen von einer Dissektion einer Wirbelarterie berichten, sei die Welt um ihn herum «schwarz» geworden. Die Hochzeit sei plötzlich völlig bedeutungslos gewesen. «Es ging nur noch um ihr Leben.» Er habe sich unweigerlich gefragt, wie sein Leben ohne Anna aussehen würde.
Die eigentliche Schlaganfalldiagnose folgt laut dem Paar erst rund 24 Stunden nach dem ersten Besuch in der Notaufnahme.
Die Ärzte finden keinen Auslöser.
Ursache noch unklar
Inzwischen kann Anna wieder laufen
Direkt nach dem Schlaganfall kann Anna weder laufen noch ihren linken Arm anheben. Selbst beim Toilettengang, beim Duschen oder beim Aufstehen aus dem Bett braucht sie Hilfe.
Doch bereits innerhalb weniger Wochen macht sie grosse Fortschritte. Mittlerweile kann sie wieder ohne Unterstützung laufen und hat auch Kraft in ihrer linken Hand zurückgewonnen. Mehrere Stunden täglich absolviert sie Physio- und Ergotherapie. Eine Sprachtherapie konnte früh beendet werden, weil ihre Sprache kaum beeinträchtigt ist.
Wie würdest du reagieren, wenn dir an deiner Hochzeit plötzlich etwas Ernstes passiert?
Behandlung kostet sie bereits Tausende Dollar
Auch finanziell hat der Schlaganfall Folgen für das frisch verheiratete Paar. Anna ist zwar krankenversichert, dennoch hätten sie bereits mehrere Tausend Dollar selbst bezahlen müssen. Hinzu kommt, dass ihre Physiotherapie noch viele Monate dauern dürfte und weitere Kosten verursacht.
Noch ist zudem unklar, wann Anna wieder vollständig arbeiten kann. Möglicherweise könne sie zunächst nur Teilzeit zurückkehren, sagt das Paar. Dadurch werde auch das monatliche Budget deutlich knapper. Um die medizinischen Kosten und die finanziellen Folgen der nächsten Monate aufzufangen, haben die Familien von Anna und Connor deshalb eine GoFundMe-Spendenaktion gestartet.
«Er sorgt dafür, dass ich das Ziel nicht aus den Augen verliere»
An ihrer Seite ist die ganze Zeit Connor. Die beiden sind seit sieben Jahren zusammen. Obwohl sie nur rund 10 bis 15 Autominuten voneinander entfernt aufwuchsen, begegneten sie sich erst an der Universität. Neun Tage nach ihrem Kennenlernen wurden sie ein Paar.
Dass er nun unmittelbar nach der Hochzeit nicht nur ihr Ehemann, sondern auch ihre wichtigste Unterstützung in der Reha ist, empfindet Connor nicht als Belastung, wie er sagt. Seine Aufgabe in ihrer Beziehung sei immer dieselbe gewesen: «Anna zu lieben.»
Auch für Anna ist seine Unterstützung entscheidend. Connor bleibt bei ihr im Spital, hilft ihr im Alltag und motiviert sie während der Rehabilitation. «Er sorgt dafür, dass ich das Ziel nicht aus den Augen verliere», sagt sie.
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Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.
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