Ausserplanmässige Landung – Was passiert bei einem medizinischen Notfall im Flugzeug?

Vergangenen Donnerstag musste ein Flugzeug der Swiss, das nach New York unterwegs war, wegen eines medizinischen Problems eines Fluggastes in Kanada zwischenlanden. Davor sendete der Airbus A330 ein Notsignal ab, wie der «Tages-Anzeiger» zuerst berichtete. Der betroffene Passagier wurde nach der Landung medizinisch versorgt. Die Maschine setzte ihren Flug fort.
Gleich zu einem nächsten, ähnlichen Vorfall kam es zwei Tage später auf einem Flug nach Boston. Der Airbus A350 war schon über dem Atlantik und musste wieder nach Zürich umkehren. Auf dem Rückflug habe sich der Gesundheitszustand der betroffenen Person stabilisiert, sagte Swiss gegenüber dem «Blick».
Swiss räumt auf Anfrage ein, dass es zuletzt eine ungewöhnliche Häufung von solchen ausserplanmässigen Landungen gab – in den letzten zwei Monaten musste die Airline auch mehrere Male wegen technischer Probleme wie etwa der Rauchentwicklung eines Akkus landen. «Unter den einzelnen Vorfällen besteht jedoch kein Zusammenhang», sagt Meike Fuhlrott, Mediensprecherin der Swiss.
Studie: Einer von 212 Flügen betroffen
Medizinische Vorfälle in der Luftfahrt kommen häufiger vor als angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von 2025. Rund einer von 212 Flügen ist laut Studie von einem solchen Vorfall betroffen oder eine Person von rund 26'000 Flugpassagieren. Ausgewertet wurden rund 78'000 medizinische Ereignisse an Bord von 84 Fluggesellschaften weltweit.
Dabei kam es bei 1.7 Prozent dieser Fälle zu Umleitungen des Fluges. Die häufigsten Gründe dafür waren der Verdacht auf einen Schlaganfall, Krampfanfälle, Brustschmerzen und Bewusstseinsstörungen.
«Wir empfehlen unseren Fluggästen, bei einem medizinischen Zwischenfall sofort die Kabinenbesatzung zu informieren. Die Crew ist speziell für solche Situationen geschult», sagt Meike Fuhlrott. Für die restlichen Passagiere heisse es, Ruhe bewahren – und den Anweisungen der Crew folgen. Das sei die beste Hilfe, so die Swiss-Sprecherin.
Ob ein Flug bei einem medizinischen Vorfall umgeleitet wird oder nicht, entscheidet bei Swiss die Kapitänin oder der Kapitän. Beurteilt werden etwa der Zustand der betroffenen Person, die verbleibende Flugzeit sowie geeignete Ausweichflughäfen. «Dabei kann die Crew auf verschiedene Informationen zurückgreifen, beispielsweise auf die Flugsicherung sowie auf technische oder medizinische Unterstützung am Boden», sagt Fuhlrott.
Kosten übernimmt Fluggesellschaft
Entscheidet sich die Crew für eine ausserplanmässige Landung, kann sie den Code 7700 aussenden. «Dieser Code sorgt dafür, dass die Flugsicherung einen Flug mit Priorität behandelt und unsere Crew möglichst ohne Verzögerung landen kann. Gleichzeitig wird das Flugzeug auf den Radarschirmen der Flugsicherung besonders hervorgehoben und ist damit für alle beteiligten Stellen gut sichtbar», so Fuhlrott.
Wann spricht man von Notlandung?
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Von einer Notlandung spricht man laut Swiss vor allem dann, wenn ein Flugzeug möglichst schnell landen muss – beispielsweise aufgrund eines Problems mit der Flugtauglichkeit. Bei mangelnden Alternativen kommt auch eine Landung ausserhalb eines Flughafens infrage.
Bei einem medizinischen Notfall in der Luft wird deshalb von Ausweichlandung oder ausserplanmässiger Landung gesprochen.
Kommt es zu einer ausserplanmässigen Landung, übernimmt Swiss grundsätzlich die Betreuung der Passagiere und die entsprechenden Kosten. «Dazu können beispielsweise eine Hotelübernachtung, Verpflegung sowie notwendige Transfers gehören. Auch um die Organisation der Weiterreise kümmern wir uns», sagt die Mediensprecherin.
Ob es darüber hinaus zu einer finanziellen Entschädigung für Fluggäste kommt, hängt laut Swiss vom jeweiligen Fall und Faktoren wie der Dauer der Verspätung und dem Grund für die Ausweichlandung ab.
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