Korrektur an den Börsen – Warum sind die Börsen rund um den Globus eingebrochen?

Was ist passiert? Die Aktienmärkte in den USA und Asien haben massive Verluste verzeichnet. Der US-Technologieindex Nasdaq Composite verlor am Donnerstag 5.5 Prozent, der Dow Jones 3.4 Prozent. Der breit gefasste S&P 500 büsste 4.4 Prozent ein. Am Freitag setzte sich der Ausverkauf in Asien fort: Südkoreas Leitindex Kospi brach im Frühhandel um mehr als acht Prozent ein, Japans Nikkei rund sechs Prozent. Auch die chinesischen Börsen gaben nach.
Kurzeinschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann
Die Furcht vor mehr Regulierung der KI- und Tech-Industrie lässt die Aktienkurse rund um den Globus purzeln. Nach dem Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen zeichnet sich ab: Die führenden Technologiekonzerne in den USA werden wohl den Ausbau der Rechenzentren in Bundesstaaten wie Texas nicht mehr so ungehindert vorantreiben können wie bislang. Auch sonst dürfte die Nutzung der Künstlichen Intelligenz strenger geregelt werden.
Dieser KI-Dämpfer hat an der technologielastigen US-Börse Nasdaq am Donnerstag zu Kursverlusten geführt. Nahezu weltweit erzittern die Aktienmärkte, weil der Höhenflug der letzten Monate grösstenteils auf dem KI-Boom beruhte. Ob sich nach der scharfen Korrektur in Asien die Verkaufswelle an den europäischen Märkten fortsetzt, bleibt abzuwarten. Mit starken Schwankungen ist zu rechnen.
Warum brechen die Kurse ein? Auslöser des massiven Ausverkaufs waren die US-Zwischenwahlen. Anlegerinnen und Anleger fürchten nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen strengere Regeln für Künstliche Intelligenz. Die Partei hat beide Parlamentskammern erobert und gilt gegenüber der Technologie als skeptischer als die Republikaner. Besonders im Fokus steht der Ausbau von Rechenzentren. Diese sind für KI-Anwendungen zentral, stossen aber wegen ihres hohen Strom- und Wasserbedarfs zunehmend auf Widerstand.
SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart sieht in den Wahlen «eine Art Referendum gegen KI».
«Viele Menschen in den USA wollen die Datenzentren nicht ihrem Backyard, wegen der Sorge um Wasser- und Stromknappheit – auch viele Republikaner nicht.» In mehreren Bundesstaaten seien entsprechende Initiativen angenommen worden. «Die Regulierung auf nationaler Ebene ist das eine – was auf den unteren Ebenen passiert, ist aus meiner Sicht entscheidender.»
Was belastet die Börsen zusätzlich? Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap verweist auch auf die Gefahr steigender Ölpreise. Hintergrund sind iranische Angaben, wonach erneut mehrere Tanker in der Strasse von Hormus beschädigt wurden. Südkorea ist stark auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen.
Welche Unternehmen trifft es besonders? Vor allem Chiphersteller und ihre Zulieferer. Werden weniger Rechenzentren gebaut, könnte die Nachfrage nach ihren Produkten sinken. Nvidia verlor gut neun Prozent. Noch heftiger erwischte es mit Seagate, Western Digital und Sandisk grosse Werte aus dem Speicherbereich, die um bis zu 22 Prozent einbrachen. Ihre Speicherprodukte werden in Rechenzentren eingesetzt. Auch in Asien gerieten Branchengrössen wie Samsung, SK Hynix und TSMC unter Druck. Viele dieser Aktien hatten zuvor stark vom KI-Boom profitiert.
Wie reagieren die Behörden? Die Börse in Seoul setzte den Handel wegen der heftigen Verluste für 20 Minuten aus. Eine solche Unterbrechung soll verhindern, dass Panikverkäufe die Kurse weiter nach unten treiben. Südkoreas Regierung berief zudem ein Notfalltreffen ein. Sie bezeichnete die wirtschaftlichen Fundamentaldaten als solide und stellte bei Bedarf weitere Massnahmen in Aussicht.
Was bedeutet das für die Schweizer Börse? In der Schweiz zeichnet sich heute ein schwächerer Start ab. Der Broker IG taxiert den Leitindex SMI vorbörslich rund 0.7 Prozent tiefer. Bereits am Vortag hatte der Index knapp 0.4 Prozent verloren. Am Mittwoch wurden aber noch Rekorde verzeichnet. Die Kurse bewegen sich also weiterhin auf hohem Niveau.
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