250’000 Tonnen Eis bedrohen Walliser Bergdorf

Darum gehts
- Am Hang des Weisshorns über Randa VS hängen 250’000 Tonnen Eis, die sich talwärts schieben.
- Der Eisblock bewegt sich mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag, der Kanton schätzt die Lage täglich ein.
- Gefährlich wäre ein Abbruch im Winter: Mitgerissener Schnee würde die Reichweite der Lawine stark vergrössern.
250’000 Tonnen Eis hängen derzeit am Hang des Weisshorns über der Gemeinde Randa im Wallis. Der zusammenhängende Eisblock schiebt sich derzeit mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag talwärts, wie Norbert Carlen, Ingenieur für Naturgefahren beim Kanton Wallis, gegenüber dem «Walliser Boten» erklärt.
Die ersten Schneefälle des Jahres im Hochgebirge verändern die Risikolage für das Mattertal. Deshalb verfolgt Carlen die Entwicklung gebannt. «Wir nehmen derzeit täglich eine Einschätzung der Gefahrenlage vor.»
Abbruch im Winter könnte gefährlich werden
Der Neuschnee birgt dabei nicht unbedingt eine Gefahr, weil er auf dem Eishang liegen bleibt, wie Carlen weiter erklärt. Dort rutsche er aufgrund der Neigung sowieso schnell wieder ab. Gefährlicher ist der Schnee auf dem flacheren Plateau unterhalb des Gletschers. Dieser Schnee würde im Falle eines Abbruchs des Eisblocks sicher mitgenommen werden, so Carlen zum «Walliser Boten».
Dann wäre es keine reine Eislawine mehr, sondern eine hochdynamische, kombinierte Eis-Schnee- oder Staublawine. Die Reichweite einer solchen Masse wäre um ein Vielfaches grösser als bei einem reinen Eisschlag. «Das macht mir persönlich schon ein bisschen Bauchschmerzen», so Carlen. Ein besseres Szenario würden milde Temperaturen im November bringen. Dann könnte der Eisblock in Teilmengen abbröckeln.
Randa hat schon viele Naturgefahren überlebt
In den letzten Jahrhunderten kam es in Randa immer wieder zu ganz unterschiedlichen Ereignissen am Berg, die auch die Gemeinde im Tal betrafen. Die Liste der «Ung’fälle» von Randa sei lang, heisst es im «Walliser Jahrbuch 2017» (PDF). Bis 1999 seien «nicht weniger als 20 Gletscherstürze» dokumentiert. Darunter gewaltige.
Wegen der starken Neigung des unteren Teils des Bisgletschers lösten sich in der Vergangenheit immer wieder grössere Massen und stürzten ins Tal. Im Januar 1636 brachte eine kombinierte Eis-Schnee-Lawine in Randa 37 Menschen den Tod. 84 Jahre später kamen bei einem ähnlichen Ereignis zwölf Personen ums Leben. Weitere Eis-Schnee-Lawinen in den darauffolgenden Jahrzehnten führten zu Gebäudeschäden und veränderten vor allem die Landschaft: Oftmals blockierten die niedergestürzten Eismassen den Abfluss der Vispa, wodurch es zur Bildung eines Sees kam.
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Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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