Folgen des Hitzesommers – Grundwasser durch die Gegend pumpen: Das geht, ist aber aufwendig

Im Aargauer Suhrental haben die Gemeinden einen Versuch gewagt. Entstanden ist er aus der Not, weil das Grundwasser im Tal im Mittelland nach wie vor sehr knapp ist. Wie wäre es, wenn man Wasser von Aarau, ganz unten im Tal, quer durch alle Gemeinden hoch nach Reitnau pumpt? Geht das überhaupt und kommen die Gemeinden so zu mehr Trinkwasser?
Ja, das geht. Es ist aber sehr aufwendig und eigentlich illegal. Das ist die Erkenntnis aus einem einzigartigen Versuch im Aargau. Die Kantonshauptstadt Aarau hat das Grundwasser für den kurzzeitigen Versuch freiwillig geliefert. Weil Aarau zu viel Grundwasser hochgepumpt und damit die Konzession des Kantons überstrapaziert hat, ist das rein rechtlich gesehen eigentlich «illegal».
18 Kilometer für den «Krisenfall Wasser»
Während 16 Tagen haben Gemeinden im Suhrental den Versuch gewagt. Über rund 18 Kilometer wurde das Grundwasser von Aarau nach Reitnau gepumpt.
Im August wurden so total 3000 Kubikmeter Wasser aus dem Grundwasserstrom der Aare nach Reitnau hochgepumpt. Während jeweils zehn bis zwölf Stunden waren die sogenannten Stufenpumpwerke in Betrieb.
Viele Schweizer Gemeinden haben ihre Wasserversorgungen mit Ringleitungen zusammengelegt. Für den Fall, dass das Wasser in einem Reservoir verunreinigt wäre. Dann könnte eine Gemeinde einen Teil ihres Wassers zur Nachbargemeinde pumpen, um das verunreinigte Wasser zu verdünnen. Diese Ringleitungen waren aber nie darauf ausgerichtet, in Hitzeperioden Grundwasser durch die Gegend zu pumpen.
Die Strecke durchs Aargauer Suhrental bewältigt man im Auto in rund 20 Minuten. Der Transport von Grundwasser über diese Strecke ist hingegen komplex: «Das Wasser wird von Reservoir zu Reservoir gepumpt, dann wieder ins nächste Dorf hinuntergelassen, dann wieder ins nächste Reservoir hochgepumpt», erklärt Walter Wyler, Präsident des Grundwasserverbandes Suhrental.
Technisch sei die schrittweise «Pumperei» möglich, aber aufwendig: «Wir mussten immer wieder die Betriebssysteme überwachen. Wie hoch ist der Reservoirstand? Wie viel darf ich pumpen? Dann wurde das Wasser wieder eine Stufe weitergelassen.»
Es ist also nicht möglich, in Aarau einen Knopf zu betätigen, damit das Wasser selbstständig seinen Weg das Tal hinauf findet. «Man müsste einiges investieren, um ein zentrales Betriebssystem zu haben», so Wyler von der Wasserversorgung Suhrental.
Dank des Versuchs habe man aber nun eine kurzzeitige Lösung für den absoluten Notfall, den «Krisenfall Wasser», wie ihn die Suhrentaler Gemeinden nennen.
Wasser sparen – oder es drohen Bussen
Die Gemeinden im Suhrental haben die Bevölkerung wegen der Wasserknappheit bereits im Sommer dazu aufgerufen, ihren Wasserverbrauch stark einzuschränken. Kein Gartenwässern, kein Autowaschen, kein Schwimmbadfüllen. Trotzdem wurde das Grundwasser immer knapper.
Wasser das Tal hinauf zu pumpen, sei nur in Ausnahmefällen möglich und ersetze die Aufrufe zum Wassersparen nicht, erklärt Walter Wyler.
Denn die Wassersituation bleibt angespannt: «Wenn es nicht wochenlang regnet, kommen wir in den Zustand, dass wir die Bevölkerung erneut zum Sparen auffordern müssen», sagt Walter Wyler.
Bisher war das eine Aufforderung; künftig könnte es eine Verfügung mit Bussandrohung sein. Der Hitzesommer 2026 ist also auch im Aargauer Suhrental noch nicht ausgestanden.
Regionaljournal Aargau Solothurn, 16.9.2026, 6:31 Uhr ; buec;ledn;ulrs;wilh
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.