28 Lernende verlieren drei Tage vor Lehre ihren Ausbildungsplatz

Am Freitag, dem 14. August, um 15.59 Uhr, landete eine E-Mail im Postfach von 28 Genfer Lernenden in Mediamatik und Digital Business Development. Als sie diese öffneten, dürfte ihnen der Boden unter den Füssen weggezogen worden sein: Sie standen ohne Ausbildungsplatz da – drei Tage vor dem eigentlichen Start.
Die schlechte Nachricht stammte vom Genfer Amt für Berufsberatung und Aus- und Weiterbildung. Dieses teilte mit, dass «die Generalversammlung von 3Sheds Genf beschlossen hat, ein Verfahren zur Einstellung der Tätigkeit einzuleiten. In diesem Zusammenhang sieht sich das OFPC gezwungen, dem Unternehmen seine Ausbildungsbewilligung zu entziehen.»
Keine Alternativlösung gefunden
Der Vorgang hat die Lernenden von 3Sheds in eine ungewisse Lage gebracht. Die Behörden erklärten, es habe verschiedene Ausbildungsbetriebe im Kanton angefragt, die möglicherweise Stellen schaffen könnten – ohne Erfolg. Kurzerhand hat das Amt selbst drei Ausbildungsplätze geschaffen, auf die sich die Betroffenen bewerben können. Wer keine Stelle erhält, wird mit den Worten vertröstet, dass «gemeinsam aktiv nach Lösungen gesucht» werde. Zwei der Lernenden haben inzwischen eine Anschlusslösung.
Das sagt 3Sheds
Olivier Poletti ist Geschäftsführer von 3Sheds. Er erklärt, die Organisation habe für das Ausbildungsjahr 2026/27 ein Verbot erhalten, Lernende zu rekrutieren. Den Grund dafür nannte er nicht und ergänzte, das Verbot sei nie «in Form einer schriftlichen, begründeten Verfügung mit Rechtsmittelbelehrung» mitgeteilt worden.
Weil sich der Betrieb zusätzlich in einer «schwierigen wirtschaftlichen Lage» befunden habe, habe man sich zur Aufgabe der Geschäftstätigkeit entschieden.
Das sagen die Behörden
Das zuständige Bildungsministerium teilt mit, 3Sheds sei die Ausbildungsbewilligung entzogen worden, weil «Schwierigkeiten im Betrieb und den Ausbildungsbedingungen» festgestellt worden seien. Man habe Jugendliche keiner Ausbildungssituation aussetzen wollen, «die bereits Schwierigkeiten aufwies» und «die Qualität ihrer Ausbildung zu wahren». 3Sheds sei aber nicht dazu verpflichtet gewesen, den Betrieb einzustellen.
Auch Schwierigkeiten im Kanton Waadt
3Sheds hat auch wirtschaftliche Probleme im Kanton Waadt. Die Ausbildung von rund 50 Lernenden in Mediamatik ist dort gefährdet, wie «L'impertinent» enthüllt hat. Betroffen ist der Verein 3Sheds Waadt – «eine eigenständige juristische Einheit» gegenüber seinem Genfer Pendant, wie Olivier Poletti ausdrücklich betont. Für 20 Betroffene konnte eine Anschlusslösung gefunden werden.
Während der Kanton Waadt angibt, die Tätigkeit von 3Sheds «in den vergangenen Monaten» unter die Lupe genommen zu haben, erklärt das Genfer Bildungsministerium seinerseits, «die ersten Schwierigkeiten im März 2026 gemeldet wurden. Seitdem hat das Amt mehrere Massnahmen ergriffen, um die Ausbildungswege der bei 3Sheds engagierten Jugendlichen so gut wie möglich zu schützen.»
Auch Kanton Waadt betroffen
«L'impertinent» hat mehrere Aussagen von Lernenden aus beiden Kantonen erhalten. Diese kritisieren, die Ausbildung als «wackelig». Wissen werde hauptsächlich von älteren Lernenden an die Jüngeren weitergegeben. Zudem würden Youtube-Tutorials eingesetzt.
Olivier Poletti verteidigt das Modell und weist die Kritik zurück. In den vergangenen zehn Jahren hätten alle rund 350 3Sheds-Lernenden ihr Fähigkeitszeugnis erhalten. Das Bildungsdepartement bestätigt denn auch, dass diese Lernenden alle vom Bund festgelegten Anforderungen erfüllen und ihr Ausbildungsweg sowie die erworbenen Kompetenzen nicht infrage gestellt würden.
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