Heizöl und Benzin immer teurer – solltest du jetzt abwarten?

- Heizöl kostet im Kanton Zürich aktuell rund 1.60 Franken pro Liter, Mitte Juni waren es noch etwa 1.10 Franken.
- Ökonom Norbert Rücker sieht Chancen auf sinkende Preise und empfiehlt, wenn möglich, mit der Bestellung zuzuwarten.
- Einen grossen Preisrückgang erwartet er nicht in wenigen Tagen – sein Blick richtet sich auf die kommenden drei Monate.
Heizen und Autofahren gehen derzeit ins Geld. Für eine Heizölbestellung zwischen 3001 und 6000 Litern lag der Richtpreis im Kanton Zürich am 8. September bei 161.60 Franken pro 100 Liter. Mitte Juni waren es noch 115.80 Franken, wie Zahlen des Hauseigentümerverbands Kanton Zürich zeigen.
Auch Autofahrer spüren den Preisschub. Die Preise steigen auf ein Allzeithoch. Aktuelle Daten von TCS zeigen einen durchschnittlichen Benzinpreis von rund 2.05 Franken pro Liter, Diesel kostet rund 2.30 Franken. Noch Anfang September lagen beide Preise einige Rappen tiefer.
Darum ist Heizöl derzeit so teuer
Eine wichtige Rolle spielen die Spannungen im Nahen Osten. Zuletzt hat die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz ihre Kontrolle im Jemen ausgeweitet. «Saudi-Arabien hat auf die Gefahr durch die Huthi-Rebellen bereits reagiert und liefert sein Öl nun nach Norden, via Ägypten und das Mittelmeer auf den Weltmarkt. Diese Route ist aber wesentlich länger und benötigt mehr Schiffe. Dies hat ebenfalls zum Anstieg der Preise auf den Energiemärkten beigetragen», sagt Ökonom Norbert Rücker.
Zum Experten
Doch nicht nur der Rohölpreis treibt die Kosten. «Die Basis bildet der Preis für Rohöl wie Brent. Hinzu kommt ein Aufschlag für die daraus hergestellten Produkte wie Diesel und Heizöl», erklärt Rücker. Sind Raffineriekapazitäten knapp, können sich diese Produkte stärker verteuern als das Rohöl selbst. In der Schweiz kommen Transportkosten hinzu: Trockenheit und tiefe Rheinpegel haben die Frachten zusätzlich verteuert. Hinzu kommt der vorübergehende Produktionsunterbruch der Raffinerie Cressier, die normalerweise etwas mehr als 30 Prozent des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten deckt.
Soll ich jetzt bestellen oder warten?
Für Hausbesitzer stellt sich deshalb die entscheidende Frage: Sollte man bei rund 1.60 Franken pro Liter bestellen – oder darauf setzen, dass die Preise wieder sinken?
Rücker sieht Anzeichen dafür, dass ein Teil dieser aussergewöhnlichen Preisaufschläge wieder verschwinden könnte. «Die Frachtkosten sind bereits zurückgekommen. Auch die zusätzlichen Aufschläge auf Diesel und Heizöl dürften sich wieder normalisieren», sagt Rücker.
Der Experte sieht durchaus Chancen für jene, die noch etwas Zeit haben: «Wer es sich erlauben kann, könnte mit Zuwarten belohnt werden.» Der Experte erwartet die Entspannung allerdings nicht zwingend innerhalb weniger Tage. Sein Blick richtet sich auf die kommenden drei Monate.
Wie gehst du mit den steigenden Heizölpreisen um?
Könnte der Preis noch steigen?
Dass Heizöl in nächster Zeit noch teurer wird, hält Rücker derzeit für das weniger wahrscheinliche Szenario. Dafür spricht aus seiner Sicht, dass sich einige der Faktoren, die den Preis zuletzt zusätzlich nach oben getrieben haben, bereits abschwächen. «Wir beobachten aber auch, dass sich der Ölmarkt zusehends von der Geopolitik löst und die Versorgung eigentlich viel besser ist als zu Beginn der Krise befürchtet», so Rücker.
Ausgeschlossen ist ein neuer Preisschub aber nicht. Neue Schäden oder Angriffe auf wichtige Pipelines oder Raffinerien könnten das Angebot erneut verknappen und die Preise für Diesel und Heizöl nach oben treiben. Ein weiteres Risiko liegt praktisch vor der Schweizer Haustür: Bleibt es trocken und normalisieren sich die Rheinpegel nicht, könnten die Transportkosten erneut zum Problem werden.
Wird es Lieferengpässe geben?
Rücker befürchtet kein Szenario von grossen Lieferengpässen. Bereits im Frühjahr seien grosse Versorgungsprobleme und eine Ölkrise diskutiert worden. «Einige der damaligen Risikoszenarien sind tatsächlich eingetreten – dennoch sind die Folgen weniger dramatisch ausgefallen als befürchtet», so Rücker.
«Die Strasse von Hormus war nie ganz zu», sagt Rücker. Gleichzeitig seien die weltweiten Lagerbestände gut gewesen und alternative Transportrouten ausgebaut worden. Die Weltwirtschaft und auch die Schweizer Wirtschaft hätten die Situation deshalb bislang vergleichsweise gut verkraftet.
Zusätzlich spielen auch Veränderungen bei der Nachfrage eine Rolle. «China etwa importiere weniger Öl. Dahinter steht auch die schnelle Energiewende des Landes, die zu einer strukturell sinkenden Nachfrage beiträgt.»

Benzin über 2 Franken – wird Tanken noch teurer?
Die Entwicklung der Energiepreise trifft auch Autofahrer an der Zapfsäule. Benzin liegt derzeit im Schnitt wieder über zwei Franken pro Liter, Diesel ist noch deutlich teurer geworden.
Für deren weitere Preisentwicklung gilt laut Rücker im Wesentlichen dasselbe wie beim Heizöl. Auch hier bestimmen Rohölpreis, Raffineriekapazitäten, Produktaufschläge und schweizspezifische Kosten den Preis. «Eine Preisprognose kann ich nicht machen. In den kommenden Monaten sehe ich aber auch an der Zapfsäule Chancen auf Entspannung.»
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Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.
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