Schütze hat "radikale Ansichten": Polen nennt Todesschüsse von Krakau Terror

Schütze hat "radikale Ansichten"Polen nennt Todesschüsse von Krakau Terror
08.11.2026, 12:46 Uhr

Solch einen brutalen Anschlag hat Polen noch nie erlebt, sagt Ministerpräsident Tusk. In der Touristenmetropole Krakau erschießt ein Mann sechs Menschen. Ein Polizist ringt mit dem Tod. Das Motiv des Schützen ist noch unklar.
Polen unter Schock: Sechs Menschen werden auf dem Marktplatz von Krakau erschossen, drei weitere Tote in der Kleinstadt Ostrowiec Swietokryzskie gefunden. Wegen der Schwere des Verbrechens, begangen mutmaßlich durch einen 24-jährigen Polen, ermittelt die Staatsanwaltschaft des Landes wegen Terrorismus. Die Ermittler sprachen nicht ausdrücklich von einem politischen Motiv. Ministerpräsident Donald Tusk ordnete zwei nationale Trauertage an.
Ermittelt werde wegen der Tötung von sechs Personen sowie des versuchten Mordes an zahlreichen weiteren Personen, darunter Polizeibeamte, "wobei diese Tat einen terroristischen Charakter aufwies", teilte die Staatsanwaltschaft auf der Plattform X mit.
Zugleich werde wegen der Tötung von drei Personen in der Stadt Ostrowiec Swietokrzyski ermittelt. "Das Beweismaterial deutet darauf hin, dass diese Taten von derselben Person begangen wurden", hieß es. In der Stadt zwei Fahrtstunden nordöstlich von Krakau waren im Wohnhaus der Familie Vater, Mutter und Schwester des mutmaßlichen Todesschützen tot mit Schussverletzungen aufgefunden worden.
Tusk: Noch nie ein so drastischer Fall in Polen
Der 24-Jährige hatte am Samstag aus einem Auto heraus wahllos auf Passanten auf dem Marktplatz der zweitgrößten Stadt Polens geschossen. Das Motiv ist noch unklar. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und dementierte Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen Komplizen. Der Täter soll nach ersten Erkenntnissen "sehr radikale Ansichten" vertreten haben, wie Innenminister Marcin Kierwinski sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.
"Bis jetzt hatten wir in Polen noch keinen so drastischen Fall von Terrorismus, denn so muss man diesen brutalen Angriff auf lebende Menschen in Krakau nennen", sagte Regierungschef Tusk, der am Samstag nach Krakau eilte.
Der Angreifer, der Medien zufolge Micha O. heißt, wurde bei dem darauffolgenden Polizeieinsatz lebensgefährlich verletzt. Er wird derzeit im Krankenhaus behandelt. Der 24-Jährige hatte auf seiner Flucht sein Auto an einer Kreuzung stehen lassen und dann auf die Einsatzkräfte geschossen. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. Der Zustand des schwerverletzten Beamten sei stabil, erklärte das Innenministerium laut der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Die polnische Polizei rief dringend zu Blutspenden auf, weil der Beamte die seltene Blutgruppe AB Rhesus+ habe. Von dem Militär und anderen Behörden kamen ähnliche Aufrufe.
Auch Deutscher unter Verletzten
Auf dem Marktplatz warten stets Kutschen mit geschmückten Pferden auf Fahrgäste für eine Stadtrundfahrt. Mehrere Droschkenkutscher seien schwer verletzt worden, teilte der Verein Krakauer Kutscher PAP zufolge mit. "Zwei kämpfen um ihr Leben", sagte die Vorsitzende Dorota Litwicka. Mehrere Pferde erlitten demnach leichte Verletzungen.
Der Marktplatz der Stadt mit seinen Renaissancebauten zieht Touristen aus aller Welt an. Auch mehrere Ausländer zählen zu den Opfern. Von den sechs Todesopfern stammten vier aus Polen, eins aus Großbritannien, eine Frau sei Ausländerin, teilte die Polizei PAP zufolge mit. Das Alter der Toten lag nach Angaben der Woiwodschaft Kleinpolen zwischen 32 und 61 Jahren.
Fünf Personen aus Deutschland, Großbritannien, Portugal, Österreich und Russland seien verletzt worden. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es auf Anfrage, man könne bestätigen, dass bei dem Angriff eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verletzt worden sei.
Am Sonntagmorgen war der Ort des Angriffs auf dem von Touristen viel besuchten Hauptmarktplatz weiter abgeriegelt. Trauernde zündeten in der Nähe Kerzen an und legten Blumen ab. Die Regierung ordnete für Sonntag und Montag Staatstrauer an. In der Stadt waren schwarze Flaggen und die polnische Landesflagge mit Trauerbändern zu sehen.
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