Dialog Israel–Palästina – Jugendliche aus Nahost knüpfen in Leysin Fäden der Verständigung

- Sechzehn israelische und palästinensische Aktivistinnen und Aktivisten haben während zehn Tagen in Leysin VD über den Frieden im Nahen Osten beraten.
- Eingeladen hatte sie der Lausanner Verein Coexistences, der sich für den israelisch-palästinensischen Dialog einsetzt.
- Ziel der Begegnung ist es, gemeinsam ein Aktionsprogramm für den Frieden zu entwickeln.
Seit dem 7. Oktober 2023 sind die Stimmen, die an einen Frieden im Nahen Osten glauben, in der Minderheit. Aber es gibt sie. Im Herzen der Waadtländer Alpen hat sich eine Gruppe junger Frauen und Männer damit befasst, über ihre Zukunft und die Auswirkungen des israelisch-palästinensischen Konflikts auf ihr Leben zu diskutieren.
Ihre Gemeinsamkeit: Sie haben die «Schule der Freiheit» der «Combatants for Peace» absolviert. Das ist ein Ausbildungsprogramm einer unabhängigen israelisch-palästinensischen Organisation, die das Ziel hat, eine Generation neuer Führungspersönlichkeiten auszubilden und eine gewaltfreie Lösung des Konflikts zu erreichen.
Erster Austausch mit Israelis
Mehrere dieser jungen Menschen reisten zum ersten Mal ins Ausland. Zum Beispiel Bisan, eine 20-jährige Palästinenserin aus Jenin im Westjordanland: «Es ist das erste Mal, dass ich die Gelegenheit habe, Israelis zu treffen und mehrere Tage mit ihnen zusammenzuleben. Es berührt mich sehr, mit ihnen in Dialog treten zu können.»
Das tut sie etwa mit Illay, einem 20-jährigen Israeli. Er setzt sich für die «präventive Präsenz» ein, um palästinensische Hirten vor Angriffen israelischer Siedler zu schützen. Er ist sich bewusst, dass ihre Stimmen unhörbar zu sein scheinen, aber er hält an seinen Überzeugungen fest.
«Die meisten Menschen in Israel, im Westjordanland und in Palästina glauben nicht, dass Frieden möglich ist», sagt er. «Also mache ich das, woran ich glaube, und ich hoffe, dass es eine Wirkung haben wird.»
Veränderung durch die Jungen
Für Younes, einen 23-jährigen Palästinenser, der in Ramallah im Westjordanland studiert, ist es eine enorme Herausforderung, diese Stimme einer Minderheit hörbar zu machen. «Wenn ich das Thema Frieden ansprechen will, werde ich als eine Person am Rande der Gesellschaft betrachtet», erklärt er.
Dennoch ist er überzeugt, dass nur die Jugendlichen in der Lage sind, eine Veränderung herbeizuführen. «Wir müssen bei anderen jungen Menschen ein Denken und ein Bewusstsein schaffen, durch den Austausch von Gleich zu Gleich», betont er.
Eine Verbindung schaffen
Damit beim Treffen in Leysin zwischen diesen jungen Menschen die Verständigung klappt, ist ein Team von Moderatorinnen und Übersetzern anwesend.
Eine von ihnen ist Abigail, eine 27-jährige Israelin. Sie ist die Schwester der Regisseurin des Dokumentarfilms Naza, der international grosse Beachtung fand. Sie arbeitet für die Organisation «Combatants for Peace».
Was sich die Palästinenserin Bisan vom Treffen in Leysin erhofft:
«Ihre Anwesenheit hier ist keine Selbstverständlichkeit», betont sie. «Für die meisten Palästinenserinnen und Palästinenser ist es das erste Mal, dass sie reisen. Die Israelis wiederum haben in der Regel keinen so nahen Kontakt zu Menschen aus Palästina. Hier leben wir zusammen, wir kochen, wir räumen auf. Alles Dinge, die in unserem Alltag nicht möglich sind.»
Trotz der Herausforderungen und Schwierigkeiten staunt Abigail über diese Begegnungen. «Man spürt eine unglaubliche Neugier, aber auch Unwissenheit, die angesprochen werden muss. Das ist eine grossartige Gelegenheit.»
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