Krimiautorin – Wie ein Anruf Christine Brands Leben veränderte

Als Tochter eines Bestatters war Christine Brands Leben früh vom Tod geprägt. Sie wusste bereits als Kind, wie man am Telefon mit Menschen spricht, die gerade einen Angehörigen verloren haben.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 6. Als Christine Brand erfuhr, dass Federica de Cesco ihr erstes Buch mit 14 geschrieben hatte, wollte sie das auch. Der Schritt dauerte bei ihr etwas länger, obschon sie immer gerne geschrieben hat. Bildquelle: zVg.
-
Bild 2 von 6. Christine Brand wuchs im Emmental zusammen mit einer Schwester auf. Bildquelle: zVg.
-
Bild 3 von 6. Als Tochter eines Bestatters machte Christine Brand schon als Kind Bekanntschaft mit dem Tod. Im Gegensatz zu anderen Familien war er bereits in ihrer Kindheit omnipräsent. Bildquelle: zVg.
-
Bild 4 von 6. Der erste Berufswunsch der heutigen Erfolgsautorin Christine Brand war Detektivin. Bildquelle: zVg.
-
Bild 5 von 6. Christine Brand ist ein Kind, dass nie von Heimweh geplagt war und gerne unterwegs war. Bildquelle: zVg.
-
Bild 6 von 6. Vor Hunden hat Christine Brand grundsätzlich keine Angst. Nur in Indien kam es mal zu einem Zwischenfall, als ein aggressiver Hund sie ins Bein biss. Als 13-Jährige war ihr Berufswunsch Detektivin. Bildquelle: zVg.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Später besuchte Christine Brand das Lehrerseminar und schwänzte als 19-Jährige die Schule, um als Zuschauerin einen Prozesstag am Gericht zu verfolgen. Lehrerin wurde sie nie, aber Gerichtsreporterin. Es war die Neugier, die sie antrieb.
Es gibt immer noch Fälle, wo ich nicht verstehe, wieso jemand eine Tat begeht.
Die Lebenswege, die in einem Gerichtssaal aufeinanderprallen, interessierten sie. Weshalb Täter zu Täter werden, könne sie manchmal nachvollziehen. «Es gibt immer noch Fälle, wo ich nicht verstehe, wieso jemand eine Tat begeht.»
Aliyah wurde in der Nacht auf Samstag, 8. April 2023 in Bellach bei Solothurn getötet. Sie war erst 17 Jahre alt. Christine Brand hat die Angehörigen nach dem Mord über zwei Jahre lang begleitet und zusammen mit Alayahs Mutter einen mehrteiligen Podcast produziert.
Eine Ader zum Morbiden
Auch wenn ihr eigenes Verhältnis zum Tod ein entspanntes ist, werde er in der Schweizer Gesellschaft tabuisiert, so Brand. «Wenn im Altersheim jemand stirbt, muss der Leichenwagen zum Hintereingang fahren.»
Für Christine Brand war der Tod schon als Kind allgegenwärtig. Als Bestatter-Tochter schminkte sie die Urgrossmutter im Sarg, der Leichenwagen wurde als Familienauto genutzt.
Dadurch habe sie sehr früh gelernt, dass jeder Mensch, ob jung oder alt, jederzeit sterben kann. «Es ist ein Privileg, so aufwachsen zu dürfen», sagt Christine Brand, die heute zu den erfolgreichsten Schweizer Krimiautorinnen zählt.
Oben wehrst du dich gegen den Mann und unten beisst dich der Hund.
Zu Christine Brands Leidenschaften gehört nicht nur das Schreiben, sondern auch das Reisen. So ist sie in Indien selbst einmal in eine heikle Situation geraten. In Rajasthan sei sie in einer engen Gasse auf einen aggressiven Hund getroffen. Als sie nicht an ihm vorbeikam, sei ein Inder herbeigeeilt. Statt ihr zu helfen, habe dieser sie begrabscht. Gleichzeitig sei sie vom Hund ins Bein gebissen worden.
«Oben wehrst du dich gegen den Mann und unten beisst dich der Hund.» Absurd sei das gewesen – aber letztendlich doch glimpflich ausgegangen.
Wegweisender Anruf
Vor zehn Jahren stellte ein Anruf das geregelte Leben der Gerichtsreporterin und Hobby-Krimiautorin auf den Kopf. Ihr Literaturagent teilte mit, dass ein Verlag eines ihrer Manuskripte veröffentlichen wolle. Sie hätte 12 Stunden Zeit, Ja oder Nein zu sagen und es winke ein Vorschuss von mehreren Tausend Franken.
Ich kann arbeiten, wo immer ich will.
Als ihr klar wurde, dass sie mit dem Geld jahrelang in Indien leben könnte, gab sie ihre Wohnung und ihren Job auf und wurde zur schreibenden Nomadin. Sie müsse nicht mehr dreimal die Woche in einem Sitzungszimmer der Redaktion sitzen. «Ich kann arbeiten, wo immer ich will», so Brand. Und das tut sie.
Eben noch war Christine Brand auf Bali, wo sie an ihrem neuesten Werk gearbeitet hat. Jetzt nimmt sie für ein paar Tage in Zürich öffentliche Termine wahr und rennt von Termin zu Termin. Dabei leidet das Schreiben: «Ich bin im Verzug», erzählt sie. 195 Seiten sind geschrieben – 420 sollten es bis zum Abgabetermin Ende November sein.
«Blind» von Christine Brand wurde von SRF als sechsteilige Krimi-Thriller-Serie verfilmt und feierte Ende September 2026 Premiere.
Im Zentrum steht der blinde Barkeeper Nathaniel, der dank seiner aussergewöhnlichen Wahrnehmung in einen Kriminalfall hineingezogen wird. Gemeinsam mit der Journalistin Milla Nova und dem Kriminalpolizisten Sandro Bandini versucht er, Verbrechen und Geheimnisse aufzuklären.
Die fehlenden Seiten schreibt sie auf Sansibar. Ein Ort, der sie zu Tränen rührt, wenn sie darüber spricht. Für sie wurde die Insel zum Sehnsuchtsort.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 6. «Mir ist es auf Sansibar so wohl, weil man sehr spontan und im Moment lebt», sagt Christine Brand über ihre Sehnsuchtsdestination. Sie mag die Insel und ihre Menschen. «Mein Herz geht auf, wenn ich in Sansibar ankomme.». Bildquelle: zVg.
-
Bild 2 von 6. Als blutjunge Journalistin kam sie durch eine Pressereise erstmals nach Sansibar. Da wusste sie, dass sie alleine wiederkommen will. Bildquelle: zVg.
-
Bild 3 von 6. Es ist die Herzlichkeit der Menschen auf Sansibar, nach denen sie nun Heimweh hat, wenn sie mal nicht da ist. Gleichzeitig sei es auch nicht einfach. Bildquelle: zVg.
-
Bild 4 von 6. Sansibar ist ein armes Land, das Gesundheitssystem sei eine Katastrophe. «Man spürt dort das Leben intensiver als in der wohlorganisierten Schweiz.». Bildquelle: zVg.
-
Bild 5 von 6. Auf Sansibar könne man nichts planen, sagt Brand. Kein Plan gehe auf, weder A, B noch C oder D. Als weisse Frau mit Schweizer Geldbeutel sei sie dort sehr privilegiert. Bildquelle: zVg.
-
Bild 6 von 6. Der Terminkalender ist leer, wenn Christine Brand auf Sansibar ist. Nur der Abgabetermin ihres neusten Buches Ende November steht darin. Bildquelle: zVg.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Kommt Christine Brand von Zürich nach Sansibar, hat sie nicht das Gefühl, von einem Ort zum anderen zu reisen. «Ich habe das Gefühl, ich reise in ein anderes Leben.»
Möglich gemacht haben das ein Anruf und der Mut, mit 43 den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Manchmal reichen 12 Stunden, um sein Leben neu auszurichten.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.