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Friday, October 30, 2026

Verschollener Giftaffe taucht nach Jahrzehnten wieder auf

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  • Der Bangka-Plumplori galt seit 1937 für die Wissenschaft als verschollen.
  • Nun hat eine Studie gezeigt, dass er noch immer auf der indonesischen Insel Bangka lebt.
  • Ein Team um Langka Sani belegt in einer Studie mehr als 90 Nachweise der giftigen Primatenart.
  • Sein Lebensraum schrumpft wegen Brandrodungen, zudem werden die Tiere illegal als Haustiere gehandelt.

Seit 1937 fehlte vom Bangka-Plumplori offiziell jede wissenschaftliche Spur. Das verschaffte dem Affen einen Platz auf der Most-Wanted-Liste der verschollenen Primaten der Naturschutzorganisation Re-wild. Doch verschwunden war der nachtaktive Primat mit dem giftigen Biss nur aus der Fachliteratur.

Wie sich nun zeigt, scheint er auf der indonesischen Insel Bangka, die ihm seinen Namen gab, relativ verbreitet vorzukommen. In einer neuen Studie konnte ein Forschungsteam um Langka Sani vom Alobi Wildlife Rescue Center mehr als 90 Nachweise dieser Art auf der Insel belegen. So viele Tiere wurden von 2015 bis 2025 aus Gärten, Häusern, von Strassen und unter Stromleitungen gerettet, im Tierschutzzentrum gepflegt und, falls sie überlebten, wieder ausgewildert.

Von wegen ausgestorben: Dieser Bangka-Plumplori ist eines von 86 Exemplaren, die vom Alobi Wildlife Rescue Center gerettet und ausgewildert wurden.

Von wegen ausgestorben: Dieser Bangka-Plumplori ist eines von 86 Exemplaren, die vom Alobi Wildlife Rescue Center gerettet und ausgewildert wurden.Andre Septian/Alobi Wildlife Rescue Center

Süss, aber gefährlich

Mit seinen Kulleraugen mag der Bangka-Plumplori (Nycticebus bancanus) niedlich wirken, mit ihm zu kuscheln, sollte man aber tunlichst vermeiden. Denn er verfügt an der Innenseite seiner Oberarme über Drüsen, die ein Sekret produzieren. Wird er in die Enge getrieben, leckt er dieses Sekret auf und vermischt es mit seinem Speichel. Und diese Mixtur hat es in sich. Sie kann beim Menschen eine tödliche allergische Reaktion auslösen.

Bangka-Plumploris kommen ausschliesslich auf der indonesischen Insel Bangka nahe Borneo vor. Die etwa 12'000 Quadratkilometer grosse Insel teilen sich die Affen unter anderem mit rund einer Million Menschen. Insgesamt gibt es acht Arten in der Gattung der Plumploris. Sie gelten als die einzigen giftigen Primaten der Welt.

Bis zu seiner vermeintlichen Wiederentdeckung stand der Bangka-Plumplori bei der Weltnaturschutzunion IUCN auf der Liste der «möglicherweise ausgestorbenen» Tiere. Von dieser Liste kann er zwar gestrichen werden. Trotzdem bedeuten die Sichtungen keine Entwarnung. Denn Brandrodungen für Zinnminen und Palmölplantagen lassen den Lebensraum der Primaten bedenklich schrumpfen. Ausserdem sind Bangka-Plumploris aufgrund ihres niedlichen Aussehens in Teilen Asiens als Haustiere beliebt, weshalb sie illegal gefangen und verkauft werden.

Derzeit fehlen ausgewiesene Schutzgebiete für die Primaten auf der Insel. Insgesamt konnte das Alobi Wildlife Rescue Center 86 Exemplare auswildern. Wie gross der Bestand aber tatsächlich ist, weiss niemand. Die Studienautoren fordern deshalb ein Schutzprogramm auf der Insel und gezielte Nachzuchten, um die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift «Spixiana» (PDF) veröffentlicht.

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Jean-Claude Gerber

Jean-Claude Gerber (jcg) arbeitet seit 2005 für 20 Minuten. Er ist seit 2013 Leiter des Ressorts Wissen, History und Digital und seit 2020 Blattmacher.

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