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Sunday, October 11, 2026

Tödlicher Angriff auf Flughafen Riad: Wer stoppt die Huthi?

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Die Huthi-Rebellen kämpfen gegen die Regierung des Jemen und werden von Iran unterstützt.

Die Huthi-Rebellen kämpfen gegen die Regierung des Jemen und werden von Iran unterstützt.Osamah Yahya/dpa

Darum gehts

  • Am Samstag griffen die Huthi den internationalen Flughafen Riad an. Dabei gab es zwölf Tote und über 300 Verletzte.
  • Die Eskalation im Jemen-Konflikt gefährdet Saudi-Arabiens wirtschaftliche Erneuerung und destabilisiert die gesamte Region.
  • Laut Politologin Elham Manea von der Universität Zürich verfolgen die Huthi klare strategische Ziele.

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der jemenitischen Huthi-Miliz eskaliert weiter: Am Samstag starben bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen von Riad zwölf Menschen, über 300 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Wie stark sind die Huthi tatsächlich, was wollen sie – und wie reagieren Saudi-Arabien und andere Staaten auf die Angriffe? Fragen an die Politologin Elham Manea von der Universität Zürich.

Professorin Manea, die Huthi kontrollieren eine weltweit wichtige Schiffsroute und haben den Saudis den Luftkrieg erklärt. Wie stark sind sie tatsächlich?

Die Huthi werden oft unterschätzt, auch weil sie vorschnell als verlängerter Arm Irans gelten. Iran unterstützt sie zwar militärisch, doch die Bewegung hat im Jemen über Jahre eigene Fähigkeiten aufgebaut.

Früher importierte sie Drohnen und Raketen aus Iran, heute produziert sie diese auch selbst. Zudem erhält sie Material aus weiteren Ländern, etwa aus China. Seit der Übernahme von Jemens Hauptstadt Sanaa 2014 und besonders während der Phasen von Waffenruhe haben die Huthi ihre Ressourcen zudem in ihre militärische Stärke investiert.

«Die Huthi brauchen den Krieg, um in Sanaa weiter regieren zu können.»

Prof. Dr. Elham Manea

Wie breit ist die Miliz im Jemen selbst verankert?

Sie wird jeweils regional stark unterstützt – besonders in Saada im Norden. Ihre Bewegung entstand auch aus wirtschaftlicher, politischer, kultureller und religiöser Marginalisierung heraus. Der saudisch geführte Krieg hatte 2015 zudem einen Gegeneffekt: Die Art der Kriegsführung, das Handelsembargo und die Hungersnot lösten in den von den Huthi kontrollierten Gebieten eine nationalistische Reaktion aus.

Gleichzeitig gibt es grossen Widerstand gegen ihre sehr repressive Herrschaft. Sie finanzieren sich mit Abgaben und Steuern, und wer sich gegen sie stellt, bezahlt dafür einen hohen Preis, häufig mit dem Leben.

Was für Ziele verfolgen die Huthi mit den Angriffen?

Sie wollen die Kosten für Saudi-Arabien erhöhen. Denn das Königreich braucht dringend Sicherheit und Stabilität für seine wirtschaftliche Erneuerung und Diversifizierung. Die Huthi wollen das Land aus einer Position der Stärke heraus zu Verhandlungen zwingen. Ihr Ziel ist, als Regierung im Norden des Jemen anerkannt zu werden, ein Ende des Embargos zu erreichen und Mittel für den Wiederaufbau zu erhalten. Aber: Sie brauchen den Krieg auch, um in Sanaa weiter regieren und Anhänger mobilisieren zu können.

Warum ist die international anerkannte jemenitische Regierung so schwach?

Der seit 2014 andauernde jemenitische Bürgerkrieg führte zu einem korrupten Vetternsystem und einer Kriegswirtschaft, von der viele Beteiligte profitieren. Dazu kommt die Zersplitterung der gegen die Huthi gerichteten jemenitischen Kräfte. Die Huthi sind dagegen stark zentralisiert und können unter ihrem Führer Abdulmalik al-Huthi Entscheidungen rasch umsetzen. Das hat aus einer lokalen Protestbewegung einen regionalen Akteur gemacht.

«Die Region erlebt eine historische Phase.»

Prof. Dr. Elham Manea

Wie werden die Saudis auf die jüngsten Angriffe reagieren?

Saudi-Arabien wollte seit 2023 eine Formel für Frieden mit den Huthi finden. Doch die jüngste Eskalation zeigt aus saudischer Sicht, dass die Huthi unberechenbar bleiben und Gewalt auch nach einer Einigung einsetzen können.

Deshalb versucht Saudi-Arabien, mit den Emiraten wieder eine gemeinsame Linie zu finden. Ihre Rivalität hat das Lager der Huthi-Gegner gespalten und militärisch geschwächt. Die Emirate unterstützen einige der am besten organisierten jemenitischen Verbände. Ohne eine Verständigung mit Abu Dhabi wird es für Riad deshalb schwierig, den Huthi wirksam entgegenzutreten und seine Verhandlungsposition zu stärken.

Die Huthi handeln dabei nicht irrational, sondern verfolgen eigene strategische Ziele. Als der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran im Februar begann, hielten sie sich zunächst zurück. Erst als die Verhandlungen mit Saudi-Arabien nicht die erhofften Ergebnisse brachten, griffen sie stärker ein. Gewalt ist für sie auch ein Mittel, um politische Zugeständnisse zu erzwingen.

Welche Rolle spielen die USA?

Die Huthi wollen keinen Krieg mit den USA. Die Luftangriffe der USA und Israels im Frühjahr 2025 haben ihnen deutlich zugesetzt. Und für die andere Seite sind die USA unberechenbar geworden; die Golfstaaten können sich nicht mehr darauf verlassen, dass Washington ihre Sicherheit garantiert, weil die Amerikaner ihre Prioritäten nach Asien und China verlagert haben.

Deshalb sucht Saudi-Arabien Sicherheitsabkommen etwa mit Pakistan und der Türkei – auch das zeigt, dass die regionale Ordnung im Umbruch ist. Die Region erlebt tatsächlich eine historische Phase: Sie wird hinsichtlich der regionalen und internationalen Zusammenarbeit nie mehr dieselbe sein. Eine neue Ordnung ist im Entstehen, aber wie sie aussehen wird, ist noch offen.

«Die Huthi machen einen schnellen saudischen Sieg sehr schwierig.»

Prof. Dr. Elham Manea

Droht sich dieser Konflikt zu etwas noch Grösserem auszuwachsen?

Der Krieg ist bereits da, nur sehen wir vor allem die Angriffe auf Riad. Saudi-Arabien versucht seit Wochen, die Huthi gemeinsam mit jemenitischen Kräften militärisch zurückzudrängen, um eine stärkere Ausgangslage für Verhandlungen zu schaffen.

Gleichzeitig wird über Vermittler, auch aus Oman und Moskau, verhandelt. Ob daraus eine Einigung oder eine weitere Ausweitung des Kriegs entsteht, ist derzeit offen. Klar ist: Die Huthi machen einen schnellen saudischen Sieg sehr schwierig. Und die Folgen tragen vor allem die Menschen im Jemen und Saudi-Arabien.

Können die Huthi im Jemen überhaupt noch geschlagen werden?

Das kann nur eine starke jemenitische Front leisten. Entscheidend wären die südlichen, von den Vereinigten Arabischen Emiraten trainierten und finanzierten Kräfte. Diese verfolgen allerdings ihr eigenes Ziel: einen unabhängigen südlichen Staat. Darum ist die Lage so kompliziert.

Eine zweite Möglichkeit wäre Frieden. In ruhigeren Phasen habe sich bereits gezeigt, dass die Menschen die Huthi stärker an ihrer Regierungsführung messen – und daran, dass sie weder eine ausreichende Verwaltung noch öffentliche Dienstleistungen liefern.

Was bedeutet das alles für Reisen in die Region?

Die Sorge ist verständlich. Die Lage ist im Fluss, und so ist jede Planung schwierig. Aber genau das ist auch das Ziel Irans und der Huthi: Staaten, die ein anderes Zukunftsmodell zeigen wollen, sollen ihre Stabilität verlieren.

Zur Expertin

Prof. Dr. Elham Manea ist Titularprofessorin für Politikwissenschaft an der Universität Zürich und leitende Expertin an den neu eingerichteten «Nahost- und Golfstudien» am Institut für Politikwissenschaft.

Ann Guenter

Ann Guenter (gux), arbeitet seit 2012 als Auslandsredaktorin für 20 Minuten. Seit August 2015 ist sie zudem Chefreporterin International.

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