Möbelfabrik Zesar in Tavannes – Was die Entwicklung von Schulmöbeln über die Gesellschaft erzählt

Es dröhnt und brummt in der Werkstatt von Zesar am Rande des Dorfes Tavannes im Berner Jura. Überall grosse Maschinen – an jeder sitzt oder steht ein Mitarbeiter. Einer bohrt Löcher in ein Stahlrohr, ein anderer stellt den Schweissroboter ein, ein dritter schneidet lange Stahlrohre auseinander.
Seit 100 Jahren werden hier unter anderem Möbel für Schulzimmer hergestellt. Vor allem Tische, Pulte und Stühle. Zuschneiden, Löcher stanzen, schweissen, Oberflächen behandeln, montieren – bei Zesar wird noch jeder Produktionsschritt selbst gemacht. Man wolle die Abhängigkeit vom Ausland so gering wie möglich halten, sagt Co-CEO Marc Liechti: «Wenn wir alles selber machen, sind wir sicher, dass es funktioniert.»
Zesar – eine 100-jährige Geschichte
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Die Zesar SA in Tavannes wurde 1926 gegründet und zählt heute zu den etablierten Schweizer Herstellern von Schul-, Objekt- und Industriemobiliar.
Am Anfang stellte die Firma Stahlrahmen und Ersatzteile für Velos her. Dann folgte ein Wendepunkt: Holzbänke und Holzstühle wurden nach und nach durch designorientierte Stahlmöbel ersetzt.
Zesar erkannte diese Entwicklung und engagierte sich konsequent in diesem Bereich. Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit spezialisierte sich das Unternehmen auf die Produktion von Mobiliar.
Die Firma beschäftig heute in Tavannes rund 60 Mitarbeitende. Entwicklung, Produktion und ein grosser Teil des Know-hows sind bis heute am Standort Tavannes konzentriert.
Die Anforderungen an Schulmöbel haben sich in den 100 Jahren der Firmengeschichte verändert: Heute müssen sie flexibel und ergonomisch sein. Das heisst, die Höhe ist verstellbar. Alle Kanten sind abgerundet, es gibt keine Druckpunkte am Körper. Ein Stuhl muss bequem sein, egal ob man frontal, seitwärts oder rückwärts darauf sitzt.
Dem war nicht immer so: In den 1930er- und 1940er-Jahren waren die Stühle und Tische noch schwer und am Boden verschraubt. Sie konnten weder verschoben noch in der Höhe verändert werden. Heute passen sich die Möbel den Kindern an, früher mussten sich die Kinder den Möbeln anpassen.
Geändert hat sich das ab den 1950er‑Jahren. «Da hat man gemerkt, dass solche Pulte für die Gesundheit schädlich sein können», so Marc Liechti. Und auch für das Lernen seien die alten Möbel nicht förderlich gewesen. Ausserdem hat sich der Unterricht allgemein gewandelt, weg vom Frontalunterricht. Auch diese Entwicklung spiegelt sich im Schulmobiliar.
Lernlandschaften statt Frontalunterricht
Heute produziert Zesar nicht mehr starre Pultreihen, sondern Möbel für sogenannte Lernlandschaften. Das sind Klassenzimmer mit verschiedenen Ecken. In einer wird zum Beispiel an Pulten gearbeitet, in einer anderen stehen Hocker oder Bänke, auf denen man in Ruhe lesen kann.
In der Fabrik von Zesar in Tavannes gibt es auch einen Showroom, in dem Lehrpersonen die Möbel anschauen, verschiedene Einrichtungen ausprobieren und eigene Ideen testen können. Es gehe darum, für jede Situation die geeignete Lösung zu finden, sagt Marc Liechti. «Am Ende müssen die Lehrpersonen damit arbeiten.»
Rund jedes zehnte Schulmöbel in Schweizer Klassenzimmern kommt aus der Fabrik in Tavannes. Doch wie viele Schweizer Unternehmen kämpft auch Zesar mit immer grösserer Konkurrenz aus dem Ausland, die Schulmöbel deutlich billiger verkauft.
«Wir liefern Schweizer Qualität mit lokalen Produkten, das kostet. Und das ist die Herausforderung, die wir haben», sagt Co-CEO Marc Liechti. Zurzeit gibt es keine Pläne, Teile der Produktion ins billigere Ausland zu verlegen. Um zu bestehen, gebe es nur ein Rezept: Auch in den nächsten 100 Jahren gut zu arbeiten.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17.09.2026, 17:30 Uhr ; kemo;stat;noes
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