Grundwasser fehlt im Aargau – Suhrental schlägt Alarm – Trinkwasser so knapp wie noch nie

- Das Trinkwasser im Suhrental wird immer knapper.
- Seit 2024 sinkt der Grundwasserpegel, und der Sommer 2026 hat die Situation verschärft.
- Der Grundwasserverband der Region schlägt Alarm und empfiehlt «drastische Massnahmen».
- Rund 15 Gemeinden sollen das Wassersparen verfügen und Bevölkerung und Firmen wenn nötig büssen.
Das Grundwasser im Suhrental AG hängt stark von der Suhre ab. Der 34 Kilometer lange Fluss fliesst vom Sempachersee durch das Suhrental nach Aarau in die Aare. Aktuell ist der Sempachersee so tief, dass eigentlich gar kein Wasser mehr abfliessen würde. Deshalb wird Seewasser in die Suhre hochgepumpt, damit die Fische im Fluss überleben.
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Bild 1 von 3. Hier wird Wasser aus dem Sempachersee in die Suhre gepumpt. See und Fluss weisen einen tiefen Wasserstand auf. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Der Sempachersee im Kanton Luzern ist so tief, wie schon lange nicht mehr. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Der Sempachersee ist an der tiefsten Stelle über 80 Meter tief. Bisher habe man sich immer auf Wasser aus dem See via Suhre verlassen können, heisst es beim Grundwasserverband Suhrental. Doch dieses Jahr sei alles anders. Bildquelle: SRF.
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Neues Grundwasser entsteht im Suhrental durch Fluss- oder Regenwasser, das im Boden versickert. Und Regen ist bekanntlich Mangelware.
Der Grundwasserpegel sinke seit zwei Jahren, sagt Andy Häfeli. Er ist Brunnenmeister für mehrere Gemeinden im Suhrental und im Grundwasserverband tätig. «Wir hatten im Winter und Frühling keine Grundwasseranreicherung. Die Bäche und Seen sind enorm tief. So ist auch unser Grundwasser. Wir sind auf einem besorgniserregenden Stand.»
Pumpwerke abgeschaltet
Einzelne Grundwasserpumpwerke wurden bereits abgeschaltet: «Wir sind in Kölliken zum Beispiel so tief, dass wir nicht mehr pumpen wollen. Wir haben nur noch einen halben Meter Wasser. Das ist für Notfälle reserviert», sagt Häfeli.
Richtig knapp ist das Wasser von Kölliken aufwärts Richtung Staffelbach, Reitnau, Moosleerau. Auch umliegende Luzerner Gemeinden kennen das Problem, heisst es beim Grundwasserverband weiter. Man sei in Kontakt, der Verband sei jedoch nur für den Aargau zuständig.
Neues Pumpwerk in 10 Jahren
Die langfristige Lösung ist geplant: ein neues Pumpwasserwerk bei Muhen, das tiefer unten Grundwasser anzapfen kann. Mit der Inbetriebnahme rechnen die Verantwortlichen allerdings erst in zehn Jahren.
Ende Sommer hat der Grundwasserverband Suhrental zudem ausprobiert, ob sich Grundwasser aus Aarau über 18 Kilometer durchs Suhrental pumpen lässt. Aarau hat genügend Grundwasser aus dem Aare-Grundwasserstrom.
Im Grundwasserverband sind 20 Gemeinden zusammengeschlossen. Die neusten Massnahmen treffen rund 15 Gemeinden. Der Grundwasserverband Suhrental spricht von einem «Krisenfall Wasser» und hat an der Sitzung des Krisenstabs beschlossen, Eskalationsstufe 2 auszurufen. Total gibt es fünf Stufen; bei der höchsten Stufe würde das Wasser abgestellt, hiess es an einer Medienkonferenz. Es würde dann per Lastwagen von ausserhalb geliefert. Diese Stufen hat der Verband in seinem Krisenkonzept festgelegt. Der Verband war überrascht, dass das Krisenkonzept schon so rasch aus der Schublade geholt werden musste.
Das Pumpen von Reservoir zu Reservoir funktioniert, ist aber technisch sehr aufwendig und kostspielig. Den rund viermal höheren Wasserpreis müssten wohl die Kundinnen und Kunden bezahlen. Und regelmässiges Pumpen müsste vertraglich geregelt werden.
Autowaschen verboten
Kurzfristig gehe es im Suhrental nur mit Wassersparen, sagt der Grundwasserverband. Er empfiehlt den betroffenen Gemeinden, Sparmassnahmen zu verfügen.
«Autowaschen und Plätze, Dächer und Solaranlagen zu waschen, ist verboten und kann durch die Gemeinde gebüsst werden», sagt Brunnenmeister Andy Häfeli. Es geht um Bussen von mehreren hundert Franken.
Industrie muss auf Wasser verzichten
Stärker treffen die Massnahmen die Industrie. Sie muss zehn Prozent Wasser einsparen, per Verfügung. Nur per Verfügung sind Bussen möglich. Ab dem 2. November gilt es ernst. Wer seine Produktion deswegen reduzieren muss, kann Kurzarbeit beantragen, heisst es beim Grundwasserverband. Man suche aber auch individuelle Lösungen. Landwirtschaftsbetriebe sind ebenfalls betroffen.
Für gewisse Unternehmen ist die Vorgabe, zehn Prozent weniger Wasser zu brauchen, schwierig. Zum Beispiel für das Betonwerk Hochuli in Kölliken. Die wasserintensive Produktion muss künftig mit weniger Grundwasser auskommen. «Das hat es in der 124-jährigen Firmengeschichte noch nie gegeben», sagt Geschäftsführer Oliver Bamert gegenüber SRF.
Kurzarbeit keine Option
Das Betonwerk braucht täglich rund 100'000 Liter Grundwasser. Personal zu reduzieren und Kurzarbeit zu beantragen sei keine Option, sagt Bamert. Man habe Verträge und müsse Beton auf Baustellen liefern. Trotzdem ist er zuversichtlich. Die Firma hat vor Längerem auf Wasserrecycling umgestellt, verwendet also Wasser wenn möglich wieder. «Wir sind weiterhin handlungsfähig», so Bamert. Er will noch mehr Regenwasser verwenden und dort, wo es geht, das Waschen der Fahrzeuge einschränken.
Was, wenn der erhoffte wochenlange Regen ausbleibt? «Das wäre die nächste Stufe. Dann wäre noch mehr verboten und man müsste 50 Prozent Wasser sparen. Wenn es so weitergeht, wäre diese Stufe im Januar erreicht», sagt Brunnenmeister Andy Häfeli.
Regionaljournal Aargau Solothurn, 27.10.2026, 17:30 Uhr ; buec;thon;noes
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