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Sunday, October 18, 2026

– Sichtbare Schäden nach Protesttag in Frankreich

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  • In Frankreich ist es bei Protesten gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit zu schwersten Unruhen seit Jahren gekommen.
  • Hunderttausende Menschen gingen landesweit auf die Strassen, die Gewerkschaft CGT sprach von 800'000 Teilnehmenden.
  • Auch in Italien, Portugal und Belgien gingen Menschen auf die Strassen.

Landesweit habe es 1800 Festnahmen gegeben, zudem seien 500 Polizeibeamte und Feuerwehrleute verletzt worden, erklärte der französische Innenminister Laurent Nuñez. Medienberichten zufolge gab es auch aufseiten der Demonstrierenden Verletzte.

Im Zentrum von Paris waren viele Strassen mit Unrat und Gegenständen aus geplünderten Läden übersät.

Person in gelber Jacke räumt rote Tasche auf einer belebten Strasse vor einem Gebäude.
Legende: Der Tag nach den Ausschreitungen: Die Stadtreinigung war seit der Nacht im Dauereinsatz, um in Paris auf den Strassen und Plätzen aufzuräumen. REUTERS/Stephanie Lecocq

Die Wut in Frankreich ist gross, es kommen Probleme in vielen Bereichen zusammen: Teuerung bei Treibstoff, Lebensmitteln und Energie, Notstände an Schulen sowie Sorgen in der Landwirtschaft. Hinzu kommt Unzufriedenheit mit der Entwicklung benachteiligter Viertel oder dem Einsatz für den Klimaschutz.

Die Protestaufrufe erfolgten zuerst in sozialen Medien unter dem Motto «On en a marre!» [Wir haben die Schnauze voll]. Auch der Gewerkschaftsbund CGT schloss sich den Protesten an. Innenminister Nuñez sprach von 550'000 Protestierenden.

Auseinandersetzungen mit der Polizei

In mehreren Städten kam es zu schweren Ausschreitungen. In Paris, Lyon, Strassburg und anderen Grossstädten ging die Polizei mit Tränengas gegen Protestierende vor. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz.

Massenproteste in Frankreich

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  • Bild 1 von 9. Die Kundgebungen in Frankreich richteten sich zunächst gegen die Finanzierung und die Bedingungen an den Schulen. Bildquelle: Reuters / Stephanie Lecocq.

  • Bild 2 von 9. Inzwischen haben sich die Proteste zu einer breiteren Bewegung ausgeweitet, bei der es auch um soziale Ungleichheit, öffentliche Ausgaben und den allgemeinen Lebensstandard geht. Bildquelle: Reuters / Stephanie Lecocq.

  • Bild 3 von 9. Zwischen 30'000 und 60'000 Demonstrierende sind allein in Paris auf die Strasse gegangen. Bildquelle: Reuters / Stephanie Lecocq.

  • Bild 4 von 9. Vielerorts kam es zu Ausschreitungen und gewalttätigen Zusammenstössen. Bildquelle: Reuters / Abdul Saboor.

  • Bild 5 von 9. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Bildquelle: Reuters / Jack Taylor.

  • Bild 6 von 9. Landesweit hat es rund 1200 Festnahmen gegeben. Bildquelle: Keystone / THIBAULT CAMUS.

  • Bild 7 von 9. Das Innenministerium berichtete von Plünderungsversuchen, Angriffen auf Ordnungskräfte und Brandstiftungen im öffentlichen Raum. Bildquelle: Reuters/Abdul Saboor.

  • Bild 8 von 9. Dem Protesttag schlossen sich verschiedene Gruppierungen an, darunter Schüler und Studierende, die seit Wochen für bessere Lernbedingungen demonstrieren. Bildquelle: Keystone / AP Photo, Laurent Cipriani.

  • Bild 9 von 9. Ein Schreckgespenst für die Regierung ist das Wiederaufflammen der Gelbwestenbewegung von 2018/2019. Bereits werden bei den aktuellen Massenprotesten gelbe Westen getragen. Bildquelle: Reuters / Stephanie Lecocq.

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Mehrere Personen wurden laut der Polizei festgenommen, weil sie Waffen und andere verbotene Gegenstände dabei hatten. Metrostationen mussten gesperrt werden. Demonstrierende setzten Autos in Brand und zerschlugen Schaufenster.

In Marseille versuchten Demonstrierende, in einen Polizeiposten einzudringen und plünderten Geschäfte. In Lyon wurde das Tourismusbüro angezündet, in Grenoble brannte es im Stadtzentrum.

Strassenszene mit mehreren Personen und Polizeifahrzeugen, nasser Boden und verstreute Objekte.
Legende: In Bologna wurden Wasserwerfer gegen Demonstrierende eingesetzt. REUTERS/Michele Lapini

In Portugal gingen in der Hauptstadt Lissabon Zehntausende gegen stark gestiegene Lebenshaltungskosten und die Wohnungskrise auf die Strassen.

Auch in Belgien protestierten Menschen gegen steigende Kosten. In der Hauptstadt Brüssel kam es zu Ausschreitungen. Mehrere hundert überwiegend junge Menschen versammelten sich im Stadtzentrum. Viele von ihnen waren maskiert und riefen antifaschistische Parolen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Auch in Italien kam es zu Unruhen. In Mailand setzte die Polizei Tränengas ein. Mindestens 24 Menschen sind dabei verletzt worden. 20 Demonstrierende und vier Polizisten mussten medizinisch behandelt werden. Mehr als 50 Jugendliche wurden festgenommen, die Hälfte von ihnen sei minderjährig, berichtete die Polizei. Auch in Turin, Bologna und Bergamo kam es zu Ausschreitungen.

In Albanien forderten Studenten den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama, wobei die Polizei laut Berichten Gummigeschosse einsetzte.

Das Innenministerium meldete auch Krawalle in Toulouse und in Rennes. Das Rathaus von Angers und Räume der Präfektur wurden zerstört. Das historische Rathaus in Limoges wurde in Brand gesetzt und «ist grösstenteils verloren», teilte die Präfektur mit.

Präsident Emmanuel Macron erklärte am Abend, Gewalt habe im Land keinen Platz. Laurent Nuñez kündigte an, die Behörden würden die Gewalttäter ausfindig machen.

Premierminister Sébastien Lecornu machte extreme Linke und Kriminelle für die Eskalation verantwortlich. Die Regierung werde sich vor der anstehenden Präsidentschaftswahl nicht einschüchtern lassen, schrieb er auf X.

Viele Teilnehmer betonten, friedlich marschiert zu sein, und gaben Unruhestiftern die Schuld an der Eskalation.

Bei vielen Protesten mischen sich in Frankreich Randalierer unter die Demonstranten, auf Französisch ist von «casseurs» die Rede – das ist jemand, der etwas zerschlägt oder zerstört.

Demonstranten und Randalierern gleichermassen steht eine regelmässig recht rabiat auftretende Polizeimacht gegenüber, die sich schon seit vielen Jahren dem Vorwurf von Polizeigewalt ausgesetzt sieht. Die Verhältnismässigkeit des Polizeieinsatzes wurde etwa kritisiert, als gegen minderjährige Schüler Knüppel und Tränengas zum Einsatz kamen.

Die Protestwelle hatte im September an Schulen in den ärmeren Vororten von Paris begonnen und sich zu einer breiten Bewegung gegen soziale Ungleichheit ausgeweitet.

Regierung fürchtet Gelbwesten-Proteste

Ein Schreckgespenst für die Regierung ist auch der Ruf nach einer neuen Gelbwestenbewegung. Die aktuellen, breiten Proteste könnten dafür der zündende Funke sein.

Der Gelbwesten-Protest hatte Frankreich zwischen November 2018 und Frühjahr 2019 in Atem gehalten und sich quasi wie ein Flächenbrand aus dem Nichts verbreitet.

Auch wenn noch nicht endgültig feststeht, wer im kommenden Frühjahr für das Präsidentenamt kandidieren wird, ist der Wahlkampf längst angelaufen. Die Parteien versuchen entsprechend, die Proteste für sich zu nutzen, während die Regierung bemüht ist, so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten.

Aus dem linken Lager unterstützen Politikerinnen und Politiker die Protestierenden und kündigten bereits ihre Teilnahme an Demonstrationszügen an. Die Rechtsnationalen um Marine Le Pen stören sich hingegen an der Kritik an der Polizei, fordern abermals mehr öffentliche Ordnung und werfen der altlinken Partei La France insoumise vor, die Proteste anzufachen.

Eine Rolle spielt der Wahlkampf aber auch, weil es für die Mitte-Regierung, die im Parlament keine eigene Mehrheit hat, derzeit noch schwieriger ist, Verbündete für ihre Politik und für den Haushalt zu finden. Ausufernder Protest macht diese Lage für sie noch unangenehmer.

Auslöser war damals eine geplante Erhöhung der Steuern auf Treibstoffe. Daraus entstand rasch eine breitere Bewegung gegen hohe Lebenshaltungskosten und soziale Ungerechtigkeit, die Macron während seiner ersten Amtszeit schwer zu schaffen machte.

SRF 4 News, 17.10.2026, 10:00 Uhr ;  afp/dpa/bitd/bers; baus;baec

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