«Will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiss wäre»

- Die deutsche 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe verurteilt an der Leichtathletik-EM in Birmingham rassistische Hass-Kommentare gegen ihre Teamkollegen.
- Sie sagt, sie wolle gar nicht wissen, was wäre, wenn sie nicht so weiss wäre – und nennt das «erschreckend».
- Kugelstoss-Olympiasiegerin Yemisi Mabry, die EM-Bronze gewann, veröffentlichte die rassistischen Kommentare auf Instagram und dankte Kolbe.
800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe hat nach ihrem EM-Halbfinal rassistische Hass-Kommentare im Netz gegen ihre Teamkollegen verurteilt und einen emotionalen Appell an die Fans gerichtet. «Wir vertreten hier alle ein Land, Deutschland. Wir treten hier mit Fairness und Respekt irgendwie an. Das sind die Werte im Sport. Und ich erwarte das genauso von allen, die supporten und zuschauen», sagte Kolbe bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham. Die 24-Jährige hatte in ihrem Halbfinale als Sechste um nur zwei Hundertstelsekunden den Endlauf am Freitagabend verpasst.
Doch das Rennen rückte schnell in den Hintergrund. «Ich freue mich extrem über den ganzen Support, den ich kriege», sagte Kolbe und fügte hinzu: «Ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiss wäre, wie ich bin. Das finde ich irgendwie erschreckend. Ich sehe das in anderen Kommentarspalten. Ich finde einfach, das ist nicht fair.»

Mabry veröffentlicht rassistische Kommentare
Unterstützung erhielt Kolbe von Kugelstoss-Olympiasiegerin Yemisi Mabry, die in einer Instagram-Story rassistische Kommentare sowie einen Ausschnitt eines ZDF-Interviews von Kolbe mit dem Wort «Danke» und einem Herz-Emoji mit einem Verband veröffentlichte. Mabry, die in Birmingham EM-Bronze gewann, hat einen aus Nigeria stammenden Vater und eine deutsche Mutter.
Konkrete Teamkolleginnen oder Teamkollegen, die von den Hass-Kommentaren betroffen sind, nannte Kolbe zuvor nicht. «Das sieht man unter vielen Posts. Deswegen sage ich nicht mehr. Also ich will mich auch aufs Positive konzentrieren. Ich wollte es einfach nur loswerden, weil mir das extrem wichtig ist.»
Drei Schweizerinnen im EM-Final
Kolbe ist mit der Schweizer Läuferin Valentina Rosamilia befreundet. Diese schaffte den Sprung in den Final, der am Freitagabend in Birmingham ausgetragen ist. Rosamilia ist eine der drei Schweizerinnen im Lauf. Neben ihr sind auch Audrey Werro und Veronica Vancardo am Start. Werro hat dabei die grössten Chancen auf eine Medaille.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?
Hier findest du Hilfe:
GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Sven Forster (fss) arbeitet seit 2018 für 20 Minuten. Er ist seit Anfang 2024 als Blattmacher im Einsatz. Dazu leitet er seit September 2024 das Sportressort.
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