Wahldebakel für CDU – Tritt Merz zurück? Diese Szenarien gibt es nun in Deutschland

Friedrich Merz ist das Gesicht einer historischen Niederlage. In Mecklenburg-Vorpommern schneidet die CDU so schlecht ab, dass sie es nicht einmal ins Parlament schafft. Das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch nie gegeben. Gleichzeitig triumphiert die in Teilen rechtsextreme AfD.
Für viele Beobachterinnen und Beobachter ist klar: Merz trägt einen grossen Teil der Verantwortung, weil er und seine Regierung bei der Bevölkerung enorm unbeliebt sind. Tritt er nun zurück – oder wird er gar abgesetzt? Diese vier Szenarien gibt es.
Szenario eins: Der Rücktritt
Friedrich Merz kommt zum Schluss, dass er das Kanzleramt aufgibt – zum Beispiel weil sich wichtige Verbündete in seiner Partei gegen ihn wenden. Er beantragt bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Rücktritt. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD will aber weitermachen und empfiehlt dem Bundespräsidenten eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Merz. Diese Person wird anschliessend dem Bundestag zur Wahl vorgeschlagen.
Die Kanzler der Bundesrepublik Deutschland
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Bild 1 von 10. Konrad Adenauer (1949 – 1963). Bildquelle: KEYSTONE/AP Photo/Str.
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Bild 2 von 10. Ludwig Erhard (1963 – 1966). Bildquelle: KEYSTONE/AP Photo.
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Bild 3 von 10. Kurt Georg Kiesinger (1966 – 1969). Bildquelle: IMAGO/United Archives / Helmut Reiss;.
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Bild 4 von 10. Willly Brandt (1969 – 1974). Bildquelle: IMAGO / Ferdinand Hartung.
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Bild 5 von 10. Helmut Schmidt (1974 – 1982). Bildquelle: IMAGO / Sammy Minkoff.
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Bild 6 von 10. Helmut Kohl (1982 – 1998). Bildquelle: KEYSTONE/EPA PHOTO/DPA/HOLGER HOLLEMANN.
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Bild 7 von 10. Gerhard Schröder (1998 – 2005). Bildquelle: AP Photo/Markus Schreiber.
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Bild 8 von 10. Angela Merkel (2005 – 2021). Bildquelle: imago images/Christian Thiel.
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Bild 9 von 10. Olaf Scholz (2021 -2025). Bildquelle: IMAGO/Bernd Elmenthaler.
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Bild 10 von 10. Friedrich Merz (seit 2025). Bildquelle: IMAGO/Stefan Zeitz.
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So geschehen 1974: Willy Brandt (SPD) trat als Kanzler zurück, aber die SPD und FDP wollten die bestehende Koalition fortsetzen. Kurz darauf wählte der Bundestag Helmut Schmidt (SPD) als Nachfolger.
Wahrscheinlichkeit: Eher gering, sagt Auslandredaktor Stefan Reinhart.
Szenario zwei: Die Vertrauensfrage
Merz will im Amt bleiben und sich etwas Luft verschaffen. Deshalb stellt er im Bundestag die Vertrauensfrage. Das bedeutet, dass er das Parlament bittet, seine Politik zu bestätigen. Spricht eine absolute Mehrheit ihm das Vertrauen aus, geht Merz gestärkt hervor. Die Forderungen nach einem Rücktritt würden wohl fürs Erste nachlassen. Erreicht er jedoch keine absolute Mehrheit, kann Merz den Bundespräsidenten darum bitten, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen.
Das letzte Mal, dass die Vertrauensfrage gestellt wurde, ist nicht lange her: Im Dezember 2024 verweigerte der Bundestag Olaf Scholz (SPD) das Vertrauen und es kam anschliessend zu Neuwahlen.
Wahrscheinlichkeit: «Möglich, aber auch eher gering», sagt Reinhart.
Szenario drei: Das Misstrauensvotum
Der Bundestag spricht von sich aus Friedrich Merz das Misstrauen aus und setzt ihn als Kanzler ab. Dafür gibt es zwei Bedingungen: Erstens müssten Abgeordnete der Unionsparteien oder der SPD dem Antrag zustimmen, denn ohne sie ist eine Mehrheit nicht möglich.
Zweitens müsste sich der Bundestag zuvor auf einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin einigen, denn eine Absetzung ohne Nachfolge ist im Grundgesetz nicht vorgesehen. Deswegen spricht man in Deutschland auch vom «konstruktiven Misstrauensvotum».
Wahrscheinlichkeit: «Sehr unwahrscheinlich. Das käme einer öffentlichen Exekution des Kanzlers durch seine Koalition gleich», sagt der SRF-Auslandredaktor.
Wer käme überhaupt als Nachfolger infrage?
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SRF-Auslandredaktor Stefan Reinhart sagt, es gebe vor allem zwei Namen, die für eine mögliche Nachfolge gehandelt werden.
«Auf der einen Seite Hendrik Wüst, der CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Ihm werden Ambitionen aufs Amt nachgesagt, doch der Zeitpunkt ist für ihn extrem ungünstig: Im April finden in Nordrhein-Westfalen Wahlen statt und diese will er gewinnen. Wenn es sein müsste, würde er seinen Hut aber wohl trotzdem in den Ring werfen.
Und dann ist da noch Markus Söder, der heutige CSU-Chef und Ministerpräsident von Bayern. Von ihm heisst es, er habe schon als Teenager Kanzler werden wollen. Auch er würde sich wohl bereit erklären, die Nachfolge von Merz anzutreten.
Die SPD hat bereits angedeutet, dass sie sich beide Varianten vorstellen könnte.»
Szenario vier: Die Fortsetzung
Merz hält dem Druck stand und will seinen politischen Kurs fortsetzen. Er selbst hat genau das angekündigt: Noch am Abend der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern sagte er, es brauche nun «Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld». Er wolle am Reformkurs festhalten, «als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes».
An einer Medienkonferenz am Montagnachmittag räumte er zwar ein, dass seine Regierung und seine Person bei den Lokalwahlen eine grosse Rolle gespielt hätten. Doch die Gründe für die Niederlagen reichten weit über seine Person hinaus.
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