Heizölpreis nähert sich dem Allzeitrekord an

Haushalte erzittern
Heizölpreis nähert sich dem Allzeitrekord an
Der Heizölpreis ist seit Anfang Woche um weitere 10 Franken pro 100 Liter gestiegen. Die Bestellungen und Lieferfristen steigen an. Eine Linderung an der Preisfront ist nicht in Sicht. Droht im Winter sogar ein neues Allzeithoch?
Publiziert: vor 24 Minuten
Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft
Die Nächte werden kühler, die Heizsaison hat begonnen: Wer seinen Tank noch nicht nachgefüllt hat, den wird es beim Blick auf den Heizölpreis frösteln. 100 Liter kosten derzeit 173.50 Franken – das sind rund 10 Franken mehr als noch Anfang Woche. Füllt man einen typischen 3000-Liter-Tank für einen Haushalt, müssen dafür gut 5200 Franken auf den Tisch geblättert werden. Der Heizölpreis klettert immer näher ans historische Allzeithoch heran.
Teurer war der fossile Brennstoff nur kurz nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs: Der damalige Spitzenwert von rund 200 Franken galt jedoch an einem einzigen Tag. Auch am Folgetag lag er noch über dem heutigen Niveau, danach wieder darunter. Damit ist die aktuelle Woche eine der teuersten aller Zeiten.
Gründe für das hohe Preisniveau sind der Iran-Krieg und das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein, das für hohe Transportkosten sorgt. Der jüngste Anstieg wurde zudem von der Angst vor Lieferengpässen befeuert.
Bestellungen ziehen an
Was die aktuelle Lage in den Schweizer Haushalten erschwert: Die Preise steigen seit Anfang Juli mehr oder weniger kontinuierlich an. Die Haushalte hielten sich bei den Bestellungen zurück und hofften auf eine Beruhigung. Entsprechend sind die Tanks im langjährigen Vergleich schlecht gefüllt. Immer mehr Hauseigentümer beissen nun in den sauren Apfel: «Die Nachfrage nach Heizöl hat sich seit Mitte September merklich erhöht», sagt etwa Christoph Schifferle (58) zu Blick. Er ist Geschäftsführer von Tanner Oel mit Sitz in Gachnang TG. So habe die Zahl der Tage, an denen der Lieferant mehr Öl verkauft habe, als er ausliefern kann, zugenommen.
Hauseigentümer und vor allem Hausverwaltungen decken zumindest einen Teilbedarf ab, damit sie mit ihrem Tankbestand für den Winter auf der sicheren Seite sind. Notfalllieferungen sind gemäss Schifferle noch selten. Liegt kein Notfall vor, müssen die Haushalte aber doppelt so lange auf ihr Heizöl warten wie noch Mitte September. «Mittlerweile liegen die Lieferfristen eher bei zwei bis vier Wochen», sagt er.
Bei Coop Pronto haben sich die Lieferfristen seit Anfang September um eine Woche verlängert. Man spüre aber nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung bei den Bestellungen, heisst es auf Anfrage.
Die Preise könnten weiter ansteigen
Bei der Migrol stellt man seit Mitte September eine «spürbare Zunahme der Bestelleingänge» fest. Die Lieferfristen liegen je nach Gebiet bei fünf bis zehn Tagen. Sie können aber auch bis zu vier Wochen betragen. Der Aufholbedarf sei jedoch nach wie vor gross.
Mehr bestellt wird auch bei der Agrola – die auf eine Rabattaktion setzt, damit nicht plötzlich alle Kunden zur gleichen Zeit ihr Heizöl möchten. Der grosse Ansturm bleibt nach wie vor aus: Die Lieferfristen hätten sich nicht wesentlich verlängert und bewegen sich bei einigen Tagen. Das Heizölgeschäft ist jedoch volatil: Die Kundschaft reagiert grundsätzlich sensibel auf Preisniveau und die Witterung.
Luft nach oben scheint bei den Preisen durchaus noch vorhanden zu sein: Zieht die Nachfrage in den nächsten Wochen deutlich an, dürften die Preise nochmals zulegen. Und auch eine weitere Eskalation im Iran könnte das Allzeithoch aus dem Jahr 2022 in unerfreuliche Nähe rücken.
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