Todesstrafe in Tennessee – Gefängnischef tritt nach gescheiterter Hinrichtung zurück

- Der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee, Frank Strada, tritt nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike zurück.
- Gouverneur Bill Lee ordnete eine unabhängige Untersuchung an, nachdem Medien und Anwälte die Ausbildung des Hinrichtungsteams kritisiert hatten.
Frank Strada werde das Amt in diesem Monat niederlegen, gab Gouverneur Bill Lee bekannt. Strada erklärte, sein Rückzug sei «im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee». Gouverneur Lee stoppte für den Rest des Jahres alle geplanten Hinrichtungen in Tennessee.
In den Tagen nach dem Vorfall geriet auch die Ausbildung des beteiligten Personals in die Kritik. Pikes Anwälte werfen den Behörden zudem vor, Warnungen ihrer Ärzte vor Schwierigkeiten beim Legen der intravenösen Zugänge ignoriert zu haben.
Christa Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
Nach 30 Jahren sollte Pike am Mittwoch (Ortszeit) mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Das Team verabreichte ihr zweimal das Medikament Pentobarbital. Pike überlebte und lag zuletzt bewusstlos an einem Beatmungsgerät. Warum die Hinrichtung scheiterte, ist Gegenstand einer unabhängigen Untersuchung.
Der Fall löste Kritik an der Ausbildung des Hinrichtungsteams aus. Pikes Anwälte hatten bereits vor der Hinrichtung vor Problemen beim Legen der intravenösen Zugänge gewarnt. Sie vermuten, dass zumindest ein Teil des Pentobarbitals nicht in die Blutbahn gelangte.
Der an der Hinrichtung beteiligte Arzt war nach Berichten unter anderem der «New York Times» und des lokalen Fernsehsenders WSMV auch an einem anderen gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee beteiligt. Im Mai hatten Mitarbeiter bei einem anderen verurteilten Straftäter zwar zunächst einen intravenösen Zugang gelegt, scheiterten aber an einem vorgeschriebenen zweiten. Auch dem Arzt gelang es anschliessend nicht, einen zentralen Venenkatheter zu legen. Die Hinrichtung wurde abgebrochen.
Die Erfahrung des Arztes war bereits damals umstritten. Er erklärte in einer eidesstattlichen Aussage, in seiner Laufbahn etwa ein Dutzend zentrale Zugänge gelegt zu haben – den letzten allerdings um 2013. Bei einem früheren Eingriff sei ein Führungsdraht versehentlich in einer Halsschlagader gelandet.
Frühere Probleme in Arizona
Die Ausbildung der Hinrichtungsteams steht in Tennessee seit Längerem in der Kritik. Eine vom Staat eingesetzte Untersuchung kam 2022 zum Schluss, dass eine für Hinrichtungen eingesetzte Person keine formale medizinische Ausbildung hatte und ihre Aufgabe vor allem während der Arbeit erlernt hatte.
Kritik richtet sich auch gegen Strada. Er war für die Zusammenstellung der Hinrichtungsteams sowie deren Ausbildung und Einsatz verantwortlich. Bevor er 2023 nach Tennessee wechselte, hatte er in Arizona eine leitende Position im Strafvollzug inne und war dort ebenfalls für Hinrichtungen mitverantwortlich. Bei allen drei dort 2022 vollstreckten Todesurteilen gab es Schwierigkeiten beim Legen der intravenösen Zugänge, wie unter anderem die «New York Times» und der «Guardian» berichten.
Giftspritze erneut in der Kritik
Der neueste Fall befeuert zugleich eine Debatte über die Giftspritze. Pikes Anwälte hatten noch vor ihrer Hinrichtung vor Schwierigkeiten beim Zugang zu ihren Venen gewarnt. In ihrem Verfahren gegen das Hinrichtungsprotokoll schlugen sie unter anderem eine andere Form der intravenösen Verabreichung mit entsprechend qualifiziertem Personal sowie Hängen als Alternative vor. Tennessee hielt dagegen, dass eine Hinrichtung durch Hängen gesetzlich nicht vorgesehen und praktisch nicht verfügbar sei.
Medien wie die «Washington Post» berichteten zudem über ein Erschiessungskommando als von der Verteidigung genannte Alternative. Pike hätte nach dem Recht Tennessees wegen des Zeitpunkts ihrer Tat prinzipiell auch den elektrischen Stuhl wählen können.
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