Wegen Hitzesommer: Der Schweiz gehen die Kartoffeln aus

- Die Schweiz verzeichnet 2025 die tiefste Kartoffelernte seit Beginn der Aufzeichnungen – Hauptursache ist der Hitzesommer.
- Rund die Hälfte der Schweizer Kartoffelfelder wurde diese Saison bewässert. Diese Felder brachten im Schnitt 55 Prozent mehr Ertrag als unbewässerte.
- Der Branchenverband Swisspatat rechnet für 2026 mit einer Fehlmenge von rund 130'000 Tonnen.
Seit Beginn der Aufzeichnungen wurden in der Schweiz nie weniger Kartoffeln geerntet als in diesem Jahr. Als Hauptgrund dafür nennen Experten den Hitzesommer und die langen Trockenphasen. Mit 333'000 Tonnen liegt die Ernte fast 20 Prozent unter dem Schnitt der letzten sechs Jahre, welche 411'000 Tonnen betrug, wie der Branchenverband Swisspatat in einer Mitteilung schreibt.
Auch beim Ertrag pro Hektar zeigt sich der Rückgang deutlich: 29,4 Tonnen wurden dieses Jahr geerntet, im Schnitt der Jahre 2020–2025 waren es noch 37,9 Tonnen. Tiefere Werte gab es letztmals 1965, damals mit 23,1 Tonnen pro Hektar. Die Kartoffeln fallen zudem kleiner aus als sonst. Die Qualität sei aber gut, wie Hochrechnungen aus Probegrabungen zeigen, die Mitte bis Ende August in der ganzen Schweiz durchgeführt wurden.
130'000 Tonnen fehlen
Der Branchenverband Swisspatat rechnet für 2026 mit einer Fehlmenge von rund 130'000 Tonnen. Diese müssen importiert werden. Der Selbstversorgungsgrad erreicht damit nur noch 70 bis 75 Prozent, im Schnitt sind es 85 Prozent. Das dürfte sich in den Regalen bemerkbar machen – Kartoffeln könnten teurer werden und öfter aus dem Ausland stammen. Zu einer eigentlichen Kartoffelkrise, bei der es für Konsum oder Industrie zu wenig gäbe, komme es aber nicht.
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Rund die Hälfte der Schweizer Kartoffelfelder wurde diese Saison bewässert. Diese Felder brachten im Schnitt 55 Prozent mehr Ertrag als unbewässerte. Die Branche reagiert seit 2020 mit dem Fokus auf robustere Sorten. Seit 2024 gibt es dazu eine Zielvereinbarung mit dem Bund: Bis 2040 soll die Kartoffelproduktion zu 80 Prozent mit widerstandsfähigeren Sorten erfolgen. Aktuell machen diese bereits 20 Prozent der Anbauflächen aus.
«Die Züchtung neuer, robuster Sorten dauert bis zu 15 Jahren und diese Zeit haben wir nicht»
Christian Bucher, Geschäftsführer von Swisspatat, sieht zwei zentrale Stellschrauben: «Wollen wir auch in Zukunft eine hohe Versorgungszuverlässigkeit mit Schweizer Kartoffeln garantieren, müssen wir in Sachen neue Züchtungstechnologien mit der EU Schritt halten können. Denn die Züchtung neuer, robuster Sorten dauert bis zu 15 Jahren und diese Zeit haben wir nicht.» Zudem müsse die Kartoffelbranche bei der Ausarbeitung von Wasserstrategien einbezogen werden. In beiden Fällen sei der Bund gefragt.
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Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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