Kritik vom US-Präsidenten – Hat die Beziehung Trump-Selenski den Gefrierpunkt erreicht?

Belastet ist die Beziehung zwischen Donald Trump und Wolomidir Selenski schon lange. Nun scheint sich das Verhältnis weiter zu verschlechtern: Trump kritisiert Selenski – und lobt den russischen Machthaber Putin. Hintergrund sind die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien. Selenski hat die Energiewaffenruhe für beendet erklärt, weil Russland sich nicht daran gehalten habe. SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck erklärt, warum sich die Tonlage zwischen Trump und Selenski verschärft.
Sebastian Ramspeck
Internationaler Korrespondent
Sebastian Ramspeck ist internationaler Korrespondent für SRF. Zuvor war er Korrespondent in Brüssel und arbeitete als Wirtschaftsreporter für das Nachrichtenmagazin «10vor10». Ramspeck studierte Internationale Beziehungen am Graduate Institute in Genf.
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Ist ein neuer Tiefpunkt in der Beziehung Trump-Selenski erlangt?
Das Verhältnis hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Man erinnere sich an das denkwürdige Sofa-Gespräch im Weissen Haus im Februar 2025. Damals demütigte Trump Selenski und warf ihm vor, mit einem Dritten Weltkrieg zu spielen, nachdem er sich von Äusserungen Selenskis provoziert gefühlt hatte. Der ukrainische Präsident bemühte sich dann aber rasch darum, den Streit zu entschärfen. Nun greifen sich die beiden verbal immer heftiger an.
Das hat auch damit zu tun, dass sich die geopolitischen und weltwirtschaftlichen Umstände verändert haben – unter anderem durch den Iran-Krieg. Plötzlich ist die Versorgung mit Öl das grosse Thema in der amerikanischen Innenpolitik. Trump hat ein Problem mit Blick auf die Zwischenwahlen in zwei Wochen. Er ist gereizt – genauso wie Selenski, weil die russischen Angriffe immer brutaler werden. Auch hier gibt es eine Verbindung zum Iran-Krieg: Der Ukraine fehlen amerikanische Abwehrraketen. Viele davon wurden in Nahost verschossen.
Wie ist das Hin und Her bei der Drosselung von Starlink einzuschätzen?
Die USA haben das Satelliten-Internetsystem Starlink in der Ukraine gezielt ausser Dienst setzen lassen. Das System hilft der Ukraine dabei, sich gegen die russischen Angriffe zu verteidigen. Nun soll das System zumindest teilweise wieder funktionieren. Auf der Hand liegt die Erklärung, dass die USA die Ukraine und europäische Staaten ganz einfach warnen wollten. Immer wieder war zu lesen, die Ukraine sei mittlerweile weniger stark von den USA abhängig, europäische Staaten könnten etwa mit Geheimdienstinformationen in die Bresche springen. Nun haben die USA mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt: Für ihren Überlebenskampf ist die Ukraine nach wie vor auf die USA angewiesen. Es scheint sich also auch um eine Machtdemonstration zu handeln.
Welches Zeichen sendet Selenski mit den neuerlichen Angriffen auf russische Ölraffinerien aus?
Auch das kann man als Machtdemonstration interpretieren. Selenski fährt damit aber eine Hochrisikostrategie. Dahinter dürfte auch Frust stecken. Schliesslich gibt Trump immer wieder Selenski die Schuld am Krieg. Gleichzeitig macht er mit Russland Geschäfte, statt es stärker zu sanktionieren. Selenski versucht, die amerikanische Innenpolitik für sich zu nutzen. Denn auch in Trumps Republikanischer Partei gibt es weiterhin Unterstützerinnen und Unterstützer der Ukraine. Ihnen will Selenski zeigen, dass er sich nicht unterkriegen lässt. Hochriskant ist das allemal: Trump ist ziemlich sicher noch gut zwei Jahre im Amt, die USA sitzen am längeren Hebel – und die Lage der Ukraine wird immer verzweifelter.
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