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Sunday, November 1, 2026

«Hast du Angst?»: So sprichst du mit deinen Eltern übers Altern

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«Heute würde ich alles dafür geben, seine Antworten zu kennen», sagt Gloria (33). Zwischen der Krebsdiagnose ihres Vaters und seinem Tod lagen über sieben Jahre. Sie wusste, dass er sterben würde – stellte ihm aber Fragen wie «Hast du Angst?» oder «Was wünschst du dir für deine letzten Tage?» nie. Auch wie genau er beerdigt werden wolle, blieb unausgesprochen.

Gloria vermutete, ihr Vater habe sicher alles aufgeschrieben oder mit ihrer Stiefmutter geklärt. «Ich dachte, ich hätte noch Zeit für all diese Fragen», sagt sie. Nach seinem Tod merkte sie, wie vieles offen geblieben war.

«Jetzt bin ich dran, zu sagen: Werdet nicht älter»

Solche Gespräche sind schwer: Wer sie beginnt, spricht nicht nur über Vollmachten, sondern gleichzeitig über Verlust. Auch in den sozialen Medien beschäftigt das Thema viele junge Menschen. Oft handeln die Videos davon, dass man erste Anzeichen des Älterwerdens bei den eigenen Eltern bemerkt.

«Jetzt bin ich dran, euch zu sagen: Werdet nicht älter», beginnt Victorias Video ihrer Eltern, das mit einer Million Views einen Nerv trifft. Tausende Kommentare erzählen vom Schmerz nach einem Todesfall oder von der Angst, Eltern zu verlieren.

Wenn Kinder entscheiden müssen: «Man sollte nicht warten»

«Man sollte nicht warten, bis etwas mit den Eltern passiert ist», sagt Christine Gasser, Altersbeauftragte der Gemeinde Wald ZH. «Es ist nie zu früh. Es gibt aus meiner Sicht nur ein Zuspät.»

Dieses «zu spät» kann nach einem Unfall oder wegen einer beginnenden Demenz eintreten. Dann lassen sich Unterlagen nicht mehr erstellen oder unterschreiben. Gasser erlebt in Beratungen erwachsene Kinder, deren Eltern im Spital liegen und die etwa eine Hypothek verlängern müssten, aber nichts regeln können.

Welche Frage rund ums Älterwerden deiner Eltern würdest du am ehesten zuerst klären?

«Was ist dir wichtig?»: So beginnst du das Gespräch

Ein guter Einstieg beginnt nicht mit «Du kannst das nicht mehr», sondern mit Fragen wie «Was ist dir wichtig, wenn du einmal Unterstützung brauchst?» oder «Was wünschst du dir, wenn du nicht mehr alleine wohnen möchtest?» So bleibt laut Gasser klar: Es geht darum, die Wünsche der Eltern später auch umsetzen zu können.

Leserin Anniee schreibt, sie wolle ins Altersheim ziehen, sobald sie ihren Alltag nicht mehr selbst bewältigen könne. Für andere kann der Wunsch genau umgekehrt aussehen. Wichtig sei, dass er ausgesprochen wird.

Ein ruhiger Moment ist der bessere Zeitpunkt für heikle Fragen als ein Spitalnotfall.

Ein ruhiger Moment ist der bessere Zeitpunkt für heikle Fragen als ein Spitalnotfall.Getty Images

Die wichtigsten Themen: Vollmachten, Pflege, Abschied

Gasser rät, mehrere Themen rechtzeitig anzusprechen. Dazu gehören auch Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung: Sie halten fest, wer im Ernstfall entscheiden darf und welche medizinischen Wünsche jemand hat. Die Dokumente müssen zudem auffindbar sein. «Es nützt nichts, wenn ein Dokument irgendwo liegt und niemand weiss, wo der Schlüssel ist.»

Ebenso wichtig sind Vollmachten bei Bank und Krankenkasse. Bei der Bank sollte die konkrete Kontoregelung mit einer Fachperson geklärt werden. Bei der Krankenkasse braucht es laut Gasser eine hinterlegte Vollmacht, damit erwachsene Kinder bei Bedarf Auskunft erhalten und die Administration übernehmen können. Auch Bestattungswünsche gehören dazu.

Diese 5 Punkte gehören auf den Tisch

  • Wohnen und Pflege: Wo soll Unterstützung stattfinden?
  • Vorsorge und Medizin: Wer entscheidet im Ernstfall?
  • Geld und Unterlagen: Wer kennt Bank, Krankenkasse und Dokumente?
  • Abschied: Welche Bestattungswünsche gibt es?
  • Mobilität: Was, wenn Autofahren nicht mehr sicher ist?

Was wenn Eltern abblocken?

Manche Eltern winken ab: Sie seien gesund, hätten noch viel Zeit oder wollten sich nicht bevormunden lassen. Gasser empfiehlt dann ein Gespräch in ruhiger Atmosphäre und, je nach Familie, im kleinsten Kreis. Erwachsene Kinder können sagen: «Wir wollen euch unterstützen. Aber ohne euch wissen wir nicht, wie wir in eurem Sinn entscheiden sollen.»

Bei Community-Mitglied C. waren Gespräche über Tod, Vollmachten und Beerdigungswünsche schon früh Teil des Alltags. Als ihr Vater später schwer erkrankte, sei die Familie vorbereitet gewesen. Gleichzeitig habe sie solche Gespräche als Kind schwer belastet. «Kein Kind hört gerne ständig, dass die Eltern sterblich sind», sagt sie gegenüber 20 Minuten. Vorbereitung kann also entlasten, gleichzeitig braucht es aber Fingerspitzengefühl.

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Ein heikles Thema: Autofahren im Alter

Besonders heikel wird es beim Thema Autofahren. Wenn jemand unsicher fährt, empfiehlt Gasser, nicht nur auf die Gefahr für die Eltern hinzuweisen, sondern auch auf andere Verkehrsteilnehmende. Entscheidend sei zudem, Alternativen anzubieten: einen Fahrdienst, ein Taxi oder Nachbarschaftshilfe.

Als Angehörige könne man immer wieder ansprechen, dass man schützen wolle, ohne den Eltern den Entscheid wegzunehmen. Bestehe beim Autofahren eine konkrete Gefahr und blieben alle Gespräche erfolglos, könne eine Meldung an die Polizei der letzte Schritt sein, so Gasser.

Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, lohne sich das Gespräch in einem ruhigen Moment. Solange alle noch sagen können, was sie wollen und was nicht.

Habt ihr in eurer Familie schon über das Älterwerden gesprochen? Welche Wünsche oder Regelungen haben euch geholfen? Und welche Themen schiebt ihr noch vor euch her?

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Carolina Lermann

Carolina Lermann (ler) arbeitet seit Mai 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Body & Soul im Lifestyle-Ressort und schreibt über Erziehung, Sport und Psychologie.

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