– Wie ein Fälschershop Millionen machte – ohne Folgen

Die Prada-Tasche kostete knapp 230 Franken, die von Balenciaga 189.90 Franken, der Versace-Gürtel rund 110 Franken: Statt Designerware verkaufte der Onlineshop Deluxerep Nachbildungen von Luxusmarken. Viel günstiger als die Originale, aber: verboten.
Ihre Produkte bewarben die Macher von Deluxerep über «szene_ isch_zueri», zudem gab es persönliche Verbindungen zum umstrittenen Social-Media-Netzwerk.
Voyeurismus: Kanal in der Kritik
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«szene_ isch_zueri» versorgt auf Instagram, Telegram und Tiktok Hunderttausende Follower mit zugesandten Bildern und Videos.
In der Vergangenheit war der Kanal, der sich von anderen «szene-isch»-Kanälen mit Underlines zwischen den Worten abgrenzt, mehrfach in die Kritik geraten. Zwar postet «szene_ isch_zueri» teils Bilder und Videos, die als harmlos und lustig zu bewerten sind, allerdings sind auch Inhalte darunter, die Gewalt zeigen oder persönlichkeitsrechtsverletzend sind, vor allem auf Telegram.
Es geht um Schlägereien, Voyeurismus und Geld: Vergangenen Herbst deckte SRF Investigativ das Geschäftsmodell des Kanals auf, der seine zum Teil fragwürdig gewonnene Reichweite an Werbekunden verkauft.
Auch der Onlineshop Deluxeside, wie sich Deluxerep nach einem Namenswechsel nannte, hat über den Kanal geworben. Zudem hat ein ehemaliger Geschäftsführer der Firma hinter Deluxerep zwei weitere Unternehmen mit einem Mann betrieben, der gemäss Recherchen bis sicher Herbst 2025 eine zentrale Rolle bei «szene_ isch_zueri» innehatte, eine solche gegenüber SRF Investigativ jedoch mehrfach abstritt.
Über Firmenkonto flossen Millionen
Jetzt zeigen Recherchen von SRF Investigativ: Zwischen 2020 und 2023 gingen 5.4 Millionen Franken auf das Konto der Betreiberfirma des Fälschershops ein, einer Prem1um GmbH aus Baar ZG.
2.9 Millionen Franken flossen weiter an zwei Personen in China.
Das veranlasste die UBS im Sommer 2023 zu einer Verdachtsmeldung an die Meldestelle für Geldwäscherei, worauf die Staatsanwaltschaft Zug ein Strafverfahren gegen die Geschäftsführer eröffnete: einen Mann Mitte 20 aus der Ostschweiz und dessen Geschäftspartner Anfang 20, der heute im Kanton Zug gemeldet ist.
Deluxerep war Fall für US-Gericht
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Die Markenfälschungen von Deluxerep beschäftigten auch die Behörden in den USA: Im April 2023 hiess ein Gericht in Florida eine Markenrechtsklage des Kleiderherstellers Adidas gegen Deluxerep und eine Vielzahl weiterer Onlineshops gut.
Das Gericht untersagte es Deluxerep, das Logo und den Namen von Adidas weiterzuverwenden und verurteilte den Shop zur Zahlung von einer Million US-Dollar Schadenersatz.
Laut der Einstellungsverfügung zum Strafverfahren im Kanton Zug hat das Urteil aus den USA die UBS zur Geldwäschereimeldung gegen die Prem1um GmbH bewogen.
Bereits im Sommer 2022 hatte das gleiche US-Gericht eine Klage des Modelabels Chanel gutgeheissen, auch damals wurde Deluxerep untersagt, die Marke Chanel weiter zu nutzen.
Nebst Geldwäscherei ermittelten die Behörden wegen schwerer Verletzung des Markenschutzgesetzes. Doch im Dezember 2024 stellten sie das Verfahren ein. Die ehemaligen Geschäftsführer der Prem1um GmbH sind unschuldig.
Deshalb hat Staatsanwaltschaft nicht weiter untersucht
In der Einstellungsverfügung, die SRF vorliegt, schreiben die Strafverfolger, beim Erhalt der Verdachtsmeldung sei Deluxerep offline gewesen.
Es sieht aus, als hätte es sich die Staatsanwaltschaft einfach machen und den Fall schnell vom Tisch haben wollen.
Die Ermittler hätten keine IP-Adressen auswerten und so Hinweise zum Tatort finden können. Abklärungen der Polizei hätten aber gezeigt, dass die Beschuldigten nicht aus dem Kanton Zug gearbeitet hätten. Dabei lässt die Staatsanwaltschaft offen, wie die Polizei zu dieser Einschätzung kommt.
Es sei nicht möglich gewesen, Warenfälschungen oder Geldwäschereiverdacht «zielführend zu ermitteln».
Markenschützer kritisiert Staatsanwaltschaft
Marc Wullschleger ist Präsident des Vereins Stop Piracy, der sich gegen Markenfälschungen einsetzt. Er hat die Einstellungsverfügung eingesehen, die für ihn schwer nachzuvollziehen ist: «Es sieht aus, als hätte es sich die Staatsanwaltschaft einfach machen und den Fall schnell vom Tisch haben wollen.»
Die Verfügung sage nicht aus, ob die Strafverfolger die Beschuldigten einvernommen, Wohnungen durchsucht oder Handys beschlagnahmt hätten.
Stattdessen komme die Staatsanwaltschaft schnell zur Frage der Zuständigkeit: «Da werde ich das Gefühl nicht los, dass man den Fall schnell abschliessen wollte.»
Das sende ein schlechtes Signal, so der Markenexperte. Die Einstellung zeige, «dass mit Markenfälschungen weiterhin viel Geld gemacht werden kann und die Verantwortlichen letztlich ungeschoren davonkommen.»
Kritikpunkte bleiben ungeklärt
Die Staatsanwaltschaft will keine Stellung nehmen. Man kommentiere konkrete Ermittlungshandlungen nicht, schreibt sie auf Anfrage.
Nachfolgershop weiterhin aktiv
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Die Prem1um GmbH ist seit Dezember 2024 konkurs. Auch der Onlinehop Deluxerep ist seit längerem offline, ebenso dessen Nachfolger Deluxeside.
Derzeit verkauft ein anderer Shop, der im gleichen Stil wie Deluxerep und Deluxeside gehalten ist, die gleichen Stücke zu ähnlichen Preisen, labelt sie aber als Outletware. Wer dahintersteht, ist unklar.
Und die ehemaligen Geschäftsführer? Sie beantworteten Fragen von SRF Investigativ nicht. Bei einem früheren Kontakt hatte der Mann aus der Ostschweiz auf seine Unschuld verwiesen.
Sein Zentralschweizer Partner schrieb, er gehöre seit März 2023 nicht mehr zur Firma und könne nichts über deren Aktivitäten sagen. Auch mit «szene_ isch_zueri» habe er nichts zu tun.
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Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 02.09.2026, 17:30 Uhr; noes
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