«Kasperli-Theater»: Cassis’ Nordkorea-Trip gibt zu reden

- Cassis’ Reise nach Nordkorea sorgt bei Schweizer Aussenpolitikern für geteilte Reaktionen.
- Der Bundesrat besucht Ende Oktober drei Tage lang Nord- und Südkorea und eröffnet in Pjöngjang diplomatische Büros.
- FDP-Nationalrat Portmann spricht von «Kasperli-Theater», SVP-Nationalrat Büchel hält die Reise für «sinnvoll».
Bundesrat Ignazio Cassis reist Ende Oktober für drei Tage nach Nord- und Südkorea. In Nordkorea nimmt er in Pjöngjang an der Wiedereröffnung diplomatischer Büros teil, wie das Aussendepartement (EDA) mitteilt. Zudem führe Cassis «politische Gespräche» mit den Behörden beider Koreas. Ob sich der Vorsteher des Aussendepartements auch mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un, der seine Schulzeit in der Region Bern verbrachte, trifft, lässt das EDA auf Nachfrage von 20 Minuten offen.
Der Besuch von Cassis in Nordkorea sorgt im Bundeshaus für Diskussionen. Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister betont, er habe bereits die Eröffnung eines diplomatischen Büros in Nordkorea angesichts des «Budgetdrucks» des EDA kritisch beurteilt. «Aber das ist so beschlossen vom Bundesrat und dann ist es folgerichtig, dass Bundesrat Cassis da hin geht», so der Zuger.
Erwartungen an die Reise seien schwierig zu formulieren. Fakt sei aber, dass die Schweiz bei der Überwachung der Grenze zwischen Nord- und Südkorea seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle spiele.
Berndeutschkenntnisse von Kim Jong-un auf dem Prüfstand
Für SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel «macht die Reise durchaus Sinn». Ein Austausch mit Südkorea sei gerade für die Schweizer Wirtschaft, aber auch mit Blick auf die Sicherheitslage des Landes wichtig. Und auch in Nordkorea seien die Guten Dienste der Schweiz von Bedeutung.
«Wenn man ein diplomatisches Büro eröffnet, dann darf es auch sein, dass man dies sichtbar macht», so Büchel. Es sei wichtig, dass die Schweiz auch in diesem «schwelenden Konflikt» weiterhin da und bereit sei, sich «mit einem nicht immer angenehmen Staatsoberhaupt auszutauschen».
Angesprochen auf die Berndeutschkenntnisse von Kim Jong-un sagt Büchel, es sei ein offenes Geheimnis, dass der nordkoreanische Staatschef Berndeutsch verstehen und sprechen könne. «Die Möglichkeit, dass Kim Jong-un diesen schönen Dialekt ebenso gut beherrscht wie Bundesrat Cassis, ist durchaus vorhanden», so der SVP-Nationalrat. Cassis könne also gerne mal versuchen, einige Worte auf Schweizerdeutsch mit Nordkoreas Staatschef auszutauschen. «Das muss ja nicht unbedingt im Schaufenster der Öffentlichkeit geschehen.»
«Kasperli-Theater»
Auch Hans-Peter Portmann unterstützt die Politik des «Wir reden mit allen», insbesondere weil sich verschiedene Länder wieder an Nordkorea annähern. Bundesrat Cassis solle in beiden Ländern Türen öffnen, die für zukünftige Kooperationen hilfreich sein könnten.
Die Rolle der Schweiz im Konflikt zwischen den beiden Koreas solle aber nicht überbewertet werden, so Portmann. Und fügt an: «Nachdem unterdessen US-Präsident Trump auch den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un als einen Freund und grossartigen Staatsmann bezeichnet, gleichzeitig aber der Garant für die Sicherheit von Südkorea sein will oder sollte, weiss ich nicht, was die Schweiz in diesem ‹Kasperli-Theater› zu suchen hat.»
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Cassis solle aber unbedingt auf Berndeutsch mit Kim Jong-un sprechen und ihn mit den Worten «Grüezi, Herr Präsidänt, ig han ihne s’Sünneli vo Bärn mitbracht» begrüssen, so der FDP-Nationalrat mit einem Augenzwinkern.
Aira Flückiger (fla) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Politik.
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